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Corona- und Konjunkturumfrage Holzbau 

Bauen oder Nichtbauen?

Ein Artikel von Günther Jauk | 24.03.2020 - 07:35

Offiziell darf auf österreichischen Baustellen nach wie vor gearbeitet werden, sofern ein Mindestabstand von 1 m eingehalten wird oder wenn alternativ dazu entsprechende Schutzmaßnahmen gesetzt werde (Stand 20. März). Was genau unter „entsprechenden Schutzmaßnahmen“ zu verstehen ist, ist von Behördenseite noch nicht offiziell kommuniziert worden. Dem Vernehmen nach seien darunter wohl Atemschutzmasken, Schutzbrillen und Arbeitshandschuhe und ähnliches zu verstehen, heißt es in einem Rundschreiben der Bundesinnung Bau und des Fachverbands der Bauindustrie.

Trotz dieser Möglichkeiten haben zahlreiche große und kleine Unternehmen ihren Betrieb eingestellt – beinahe alle Großbaustellen stehen mittlerweile still. Darunter auch der größte österreichische Baukonzern Strabag, der am18. März seine aktuell 1000 Baustellen in Österreich einstellte und 11.000 Mitarbeiter beim AMS-Frühwarnsystem vormerkte. Der Verband der österreichischen Beton- und Fertigteilwerke kündigte am 18. März ebenfalls an, die Produktionen herunterzufahren.

Unterschiedliche Ansichten im Holzbau

Holzbaubetriebe reagieren auf die aktuelle Situation indes recht differenziert. Während ein Teil der Unternehmen die Baustellentätigkeit komplett eingestellt hat, arbeiten andere nahezu uneingeschränkt weiter. Bei einer vom Holzkurier am Montag durchgeführten Onlineumfrage berichteten immerhin noch 30 %, dass ein Nachfragerückgang bisher noch kaum bis gar nicht spürbar sei. 60 % meldeten hingegen einen deutlich bis extrem spürbaren Rückgang der Aufträge. Mehr als die Hälfte der Befragten hat die Tätigkeiten bereits komplett eingestellt oder zumindest deutlich eingeschränkt, während 27 % ihre Arbeit ohne große Einschränkungen fortführen.

Der steirische Holzbau-Innungsmeister Oskar Beer etwa erklärte gegenüber der Kleinen Zeitung, dass kleine Baustellen mit ein bis vier Mitarbeitern und nur einer Firma vor Ort unter Einhaltung der Gesetzeslage durchgeführt werden können. „Solange keine ordnungsrechtlichen Einschränkungen gegeben sind, werden wir mit den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen für die Mitarbeiter weiterarbeiten“, formuliert es ein Umfrageteilnehmer, während andere bezweifeln, dass 1 m Abstand bei der Arbeit durchgehend einhaltbar sei.

Während ein Teil der Befragten die Möglichkeit weiterzuarbeiten begrüßt, wünschen sich andere Unternehmen ein klares Verbot seitens der Regierung – diese Verantwortung dürfe nicht auf die Unternehmen abgeschoben werden, so der Tenor.

Am Montag (23. März) gab es zu diesem Thema einen Gipfel zwischen Sozialpartnern und Regierung, von welchem allerdings noch keine konkreten Ergebnisse bekannt gegeben wurden (Stand 24. März).  

Durchhaltevermögen gefragt

Sollte die aktuelle Situation länger als bis Ende April andauern, sehen ein Drittel der Befragten ihr Unternehmen nicht bis kaum gefährdet. 43 % beurteilen diese als mäßig und 24 % als deutlich beziehungsweise massiv.

Die Auftragslage war im 1. Quartal bei drei Viertel der Betriebe „gut“, die übrigen 25 % berichteten von einer zufriedenstellenden Auftragslage. Gänzlich anders gestaltet sich der Blick in die Zukunft: Während knapp über 50% von keiner Veränderung der Auftragslage ausgehen, rechnen 40 % mit einer Verschlechterung (Stand 23. März).