Schilliger Holz

„Es braucht langfristige Strategien“

Ein Artikel von Jakob Wassermann | 01.04.2025 - 15:17

Herr Schilliger, das 1. Quartal neigt sich dem Ende zu, wie zufrieden sind Sie 2025 mit der Absatzlage?

Ernest Schilliger: Das heurige Jahr ist positiv angelaufen. Speziell bei Holzbauprodukten wie BSP und BSH ist die Auftragslage gut. Unsere Kernmärkte sind die Schweiz und Italien, mit unserem Werk in Frankreich bedienen wir auch den französischen Markt sowie die Beneluxländer. Die Absatzlage in der Schweiz ist gut, alle anderen Märkte laufen zufriedenstellend.

Wie wird sich der Markt in den kommenden Monaten entwickeln?

Grundsätzlich scheinen die Projekte im Holzbau vorhanden zu sein. Allerdings ist die Verunsicherung groß, ob diese schlussendlich auch realisiert werden. Hier ist es schwierig, Prognosen abzugeben. Es bleibt abzuwarten, wie sich etwa die politische Situation in den USA entwickelt oder welche Auswirkungen das in Deutschland beschlossene Konjunkturpaket haben wird.

Im Februar warnte der Branchenverband Holzindustrie Schweiz vor einer drohenden Rundholzunterversorgung gegen Ende des 2. Quartals. Wie steht es um die Versorgungslage in Ihrem Unternehmen?

Wir hatten einen sehr nassen Herbst, weshalb die Ernte nicht eingeholt werden konnte und wir kein Lager aufbauen konnten. Derzeit sind wir zufriedenstellend versorgt, verarbeiten das Rundholz allerdings direkt nach der Anlieferung. Im Laufe des Jahres ist es durch das fehlende Lager nicht ausgeschlossen, dass es zu einer Unterversorgung kommt. Allerdings liegt noch sehr viel Holz im Wald. Hier appellieren wir an die Waldbesitzer, dieses nach Möglichkeit rasch aus dem Wald zu holen.

Planen Sie, Ihren Einkaufsradius zu erweitern?

Nein, das ist nicht geplant. Die Schweizer Sägewerke versorgen wir zu 100% aus der Schweiz. Das französische Werk jeweils zu 50% aus Frankreich und Deutschland.

Der Holzbau in Europa hat sich weitgehend homogenisiert und fordert einheitliche Produkte. Das bedingt einen industriellen Brotbaum. Es gibt leider keine einheitliche Strategie, welche Baumart das zukünftig sein soll.

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Ernest Schilliger
© Schilliger Holz

In Küssnacht errichten Sie eine neue Holzfaserdämmplatten-Produktion. Was sind die Hintergründe dieser Investition?

Wir haben uns immer darauf konzentriert, in die vertikale Wertschöpfung zu investieren. Bei den auf Schnittholz basierenden Produkten ist die Spitze der Pyramide bereits erreicht. Beim Restholz sahen wir hingegen noch Entwicklungspotenzial und haben uns die Frage gestellt, wie wir dieses noch weiter veredeln können. Späne verarbeiten wir bereits zu Pellets. Bei den Hackschnitzeln hatten wir hingegen noch keine Weiterverarbeitungsmöglichkeit und haben uns daher überlegt, welche Möglichkeiten es zur stofflichen Weiterverarbeitung gibt. Da wir uns als Baumaterialproduzent verstehen, war Dämmstoff eine passende Erweiterung unseres Produktportfolios und ist zudem konsistent mit der Strategie der vertikalen Wertschöpfung.

Wo sollen die Dämmplatten verkauft werden?

In erster Linie wollen wir den Schweizer Holzbau beliefern. Die Schweiz hatte in der Vergangenheit eine starke Dämmplattenproduktion, heute gibt es jedoch kein Werk mehr bei uns. Diese Lücke wollen wir schließen.

Können Sie sich eigenständig mit Hackschnitzeln versorgen?

Die Kapazität des Werkes liegt bei 350.000 m3/J. Wir werden die Leistung natürlich darauf anpassen, wie viele Hackschnitzel wir haben. Wir wollen uns aber auch mit Hackschnitzeln aus anderen Schweizer Sägewerken versorgen und sind an Kooperationen interessiert.

Wann ist die Inbetriebnahme des Werkes geplant?

Die ersten Platten sollen Ende 2025 produziert werden.

Sind abgesehen davon größere Investitionen vorgesehen?

Es gibt immer viele Ideen, die wir laufend gemäß unserer Strategie evaluieren. Mit dem Dämmfaserplatten-Werk ist ein sehr großes Projekt in der Umsetzung. Zudem befindet sich das BSP-Werk in Frankreich in der Optimierungsphase. Das sind unsere Schlüsselprojekte.

Das Dämmfaserplatten-Werk passt ideal in unsere Strategie der vertikalen Wertschöpfungskette. Beim Schnittholz sind wir bereits an der Spitze der Pyramide. Nun haben wir uns die Frage gestellt, wie wir unsere Hackschnitzel veredeln können.


Ernest Schilliger

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

Eine große sich stellende Frage ist, wohin sich der Wald entwickelt. Wir hatten traditionell eine Ressourcenpolitik, die in letzter Zeit jedoch abhandengekommen ist und andere Waldleistungen in den Fokus gerückt sind.

Für den Holzbau benötigen wir den Rohstoff jedoch. Der Holzbau in Europa hat sich homogenisiert und es finden immer mehr Länder zur Holzbauweise, wo diese traditionellerweise nicht verbreitet war. Aus der Industrie braucht es dementsprechend ebenfalls einheitliche Produkte. Dafür braucht es jedoch einen industriellen Brotbaum – diesen hatten wir bisher mit Fichte und Tanne. Nun stellt sich die große Frage, welche Holzart das in Zukunft werden könnte. Hier gibt es keine einheitliche Strategie und das könnte für den Holzbau gefährlich werden. Es ist eine Illusion zu glauben, aus einem heterogenen Mischwald konstante homogene Bauprodukte herstellen zu können.

Im Obstbau ist es gängige Praxis, seine Bäume zu veredeln. Wieso sollte das nicht auch beim Nadelbäumen funktionieren – und hier spreche ich nicht von genetischer Veränderung.

Könnten Sie sich vorstellen, künftig in die Laubholzverarbeitung einzusteigen?

Als ich in das Unternehmen eingestiegen bin, haben wir noch zu einem kleinen Teil Laubholz verarbeitet. Klassische Nadelholzprodukte mit Laubholz zu substituieren, halte ich aber für nicht zielführend. Technisch ist es natürlich möglich, allerdings müssen Kunden auch bereit sein, dafür zu zahlen. Es gibt natürlich Bauprojekte aus Laubholz, für massenmarkttauglich halte ich diese jedoch nicht.

Wie sehen Sie die Zukunft von Schilliger Holz?

Für meine Generation hat sich die Strategie, in die vertikale Wertschöpfung zu investieren, als erfolgreich erwiesen. Es ist durchaus möglich, dass die nächste Generation in dieser Frage andere Ansichten hat.

Die sechste Generation hat bereits Verantwortung im Unternehmen und wird dieses sicherlich umbauen. Einflüsse darauf wie dieser Umbau aussieht, werden natürlich auch der Klimawandel und die sich stetig ändernden und komplexer werdenden Anforderungen hinsichtlich der Zulassungen für Bauprodukte haben.