AI_Zeiger_11_2018_2.jpg
Absatzindikator November

Markt spekuliert

Ein Artikel von Gerd Ebner | 05.12.2018 - 08:23

Talfahrt über Nacht passiert

In Kärnten und Tirol gaben die Rundholzpreise infolge von Vaia faktisch über Nacht um 10 bis 20 % nach. Fi/Ta-Rundholz, A/B/C, ist in Kärnten ab 73 €/fm zu bekommen, Fi, B/C, notiert in Tirol in der Preisspanne von 70 bis 80 €/fm. Zwei Holzindustrien aus diesen Bundesländern gaben bald nach dem Abklingen des Sturms mit ihren Angeboten das neue Rundholzpreisniveau vor. Bis das Holz wirklich kommt, wird es wohl bis ins 2. Quartal 2019 dauern. Mit Fracht dürfte dieses Schadholz die Werke um gut 80 €/fm erreichen.

Fast um 5 €/fm weniger

In Österreich macht der Holzkurier ein November-Preisbild von 75,2 bis 84,2 €/fm fest. Das wären um 4,7 €/fm weniger als im Vormonat. In Bayern und Baden-Württemberg sind die Veränderungen nicht so markant. 2017/2018 ist viel Schadholz angefallen. Mit Vaia sind es insgesamt rund 110 Mio. fm in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Schweiz und nun in Italien. Aber gerade das Beispiel Italien zeigt: Niemand kann abschätzen, wie viel Holz wirklich geerntet werden kann. Dass zumindest 50% nie ein Sägewerk, allenfalls Biomasseheizwerke erreichen werde, ist die geläufigste Aussage.

Der hohe Schadholzanfall hat die Relation von Si- zu NSi-BSH-Lamellenmenge schon stark verändert. Zwar gab es im November einen Preisrückgang um 4 €/m3 bei der Si-Lamelle frisch in Deutschland. Gute Qualitäten werden den Preis aber wohl halten können.

KVH schon wieder am volatilsten

Noch stärker ist, wie mehrfach geschrieben, der Preisdruck bei KVH. Schon im Oktober wurden die Nachlässe bei der Rohware direkt an das Endprodukt weitergeben. Weitere 10 €/m3 Preisrückgang stehen bei der KVH-Rohware wegen des Schadholz-Anfalls im Raum.

Bei der Seitenware ist die Erwartung von Preisnachlässen, speziell in Italien, groß. Von Händlerseite wird kritisiert, dass mitteleuropäische Holzindustrien hier schon größere Zugeständnisse gemacht hätten. Der Holzkurier macht in seinem Preisbild für November einen Rückgang um „nur“ 2 €/m3 fest.

Große Sägewerke berichten, dass sich die Industrie mit Topware für die Weiterverarbeitung schon eindecke. Der Holzhandel bedient sich vorerst vom Lager und setzt auf tiefere Einstandspreise 2019.

Wohin die Preisreise geht, ist wirklich ungewiss. Zu viele Parameter sind zu berücksichtigen und vorerst in ihrer Wirkung unklar: die US-Rückkehrer, der Levante-Absatz, die Erwartungshaltung der italienischen Verpacker, die Qualität des Rundholzangebotes etc.

Domino-Effekt?

Es ist verblüffend, dass die Unsicherheit der weiteren Marktentwicklung mittlerweile bis nach Skandinavien reicht. Ging man bisher davon aus, dass die Preisentwicklung eine stabile Seitwärtsbewegung bringen werde, scheinen die großen Produzenten in allen Topsortimenten eine Preisrücknahme bis 3 €/m3 zu akzeptieren.