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Levante Report

Levantinische  Flaute hält heuer

Ein Artikel von Gerd Ebner | 16.11.2017 - 08:19

Wenn sich die Levante erholt, woher soll dann eigentlich das Holz kommen?

Sampsa Auvinen

Die Levante ist (noch) die wichtigste Überseeregion der europäischen Sägeindustrie. Heuer wird der levantinische Bedarf erneut rückläufig sein – der tiefe Ölpreis und die politischen Unruhen wirken sich aus. Diese Schwierigkeiten der Levante-Staaten bezeichnete EOS-Präsident Sampsa Auvinen auf der diesjährigen Nadelschnittholzkonferenz (ISC) als „the new normal“ für eine Region, deren Bevölkerung weiter enorm wächst – und mir ihr der potenzielle Holzhunger.

Nach China statt in die Levante

In mehreren ISC-Referaten kamen die derzeitigen Marktveränderungen zum Vorschein: Es geht weniger in die Levante, sondern viel mehr nach China und in den übrigen Fernen Osten sowie auch mehr über den Atlantik in die USA. Diese Veränderungen könnten die globalen Warenströme substanziell verändern. Schon wird darüber nachgedacht, ob genug Holz für die Levante übrig bleiben könne.

Heuer gehen rund 5 Mio. m3/J an europäischem Nadelschnittholz nach Nordafrika, das sind 6 % der EOS-Nadelschnittholz-Produktion (82 Mio. m3 heuer). „Wenn sich die Staaten der Levante erholen und nachhaltig mehr benötigen, da frage ich mich, woher dann das Holz eigentlich kommen soll“, sagte Auvinen auf der Nadelschnittholz-Konferenz angesichts gut laufender europä-ischer Märkte sowie des steigenden Bedarfs von China und den erholten USA voraus.

Zehn Jahre starkes Wachstum

Mohamed Loudghiri, Robelbois, verwies in seinem Vortrag auf die glorreichen vergangenen zehn Jahre: In dieser Zeit wuchs der Bedarf Marokkos, Algeriens, Tunesiens und Libyens um 61 % auf 3,1 Mio. m3 2016 – und das, obwohl es von 2012 (3,7 Mio. m3) bis 2016 einen Rückgang um 14 % gab. Für heuer wird 

ein weiterer Abfall auf nur noch 2,5 Mio. m3 erwartet. Primär für die Einbußen verantwortlich ist der größte Markt der Region und auch der wichtigste österreichische Levanteabsatzstaat: Algerien. Benötigte Algerien 2014 und 2015 über 2 Mio. m3/J, so brach der Import 2016 um 10 % ein. Für heuer wird ein weiterer Rückgang auf nur noch 1,2 Mio. m3 erwartet.

Algerien wohl bis 2019 schwach

Die Vorhersagen Loudghiris für die Folgejahre sind ebenfalls schlecht. 2018 soll Algerien auch nur 1,4 Mio. m3 benötigen, 2019 dann knapp 1,5 Mio. m3. Damit würde Algerien also noch weit unter den Vorjahren liegen. Dabei hätte das Land einen starken Erneuerungsbedarf. Bis 2019 sollen 1,6 Mio. Wohneinheiten geschaffen werden – dafür hat die algerische Regierung 56 Mrd. US-$ veranschlagt. Ob es so weit kommt, wird der Ölpreis bestimmen.

Mit den Rückgängen in Algerien rutscht Österreich (21 %) auf Platz 3 der Versorgerländer dieser Region. Schweden ist Hauptlieferant mit 41 % aller Lieferungen vor Finnland mit rund 34 %.

Marokko war und ist stabil

Eine politische und ökonomische Konstante in Nordafrika ist Marokko. Zwei Faktoren werden laut Loudghiri auch künftig den marokkanischen Holzbedarf bei rund 1 Mio. m3/J halten: Bis 2021 will die Regierung 1 Million Hausbaueinheiten erreichen und der Tourismus soll auf 20 Millionen Besucher pro Jahr gesteigert werden. 2018 könnte es laut Loudghiri zu einer Erholung der Bauwirtschaft kommen, nachdem der Bausektor seit 2012 etwas unter Druck ist.

Libyen weiter am Boden

Libyen war viele Jahre ein ganz bedeutender Abnehmer europäischen Nadelschnittholzes. Alleine Österreich lieferte 2013 noch 300.000 m3. Derzeit sind es nur 50.000 m3/J Gesamtimport, die faktisch ausschließlich aus Österreich und Schweden stammen. Der Bedarf an neuem Wohnraum und Infrastrukturmaßnahmen wäre enorm – doch es gibt noch zu viel Unsicherheit und kein funktionierendes Bankensystem.

Der größte Markt in der Levante ist Ägypten. Laut Ibrahim Elshal, CEO von Elshal Timber, importierte das Land am Nil im Vorjahr 4,4 Mio. m3 (–14 %). Sämtliches Nadelschnittholz für den 98 Millionen-Einwohner-Staat muss importiert werden. 

Geldentwertung über Nacht

Faktisch zu einem Stillstand kam der Markt vor exakt einem Jahr, als der Devisenkurs von einem Tag auf den nächsten von 8,88 US-$/EGP auf 17,7 US-$/EGP geändert wurde. Viele Bauprojekte mussten verschoben oder abgesagt werden. Bei Kreditzinsen um die 19 % und einer monatlichen Inflation von 35 % hat das Land am Nil weiterhin zu kämpfen.

2018 wieder 4 Mio. m3

Der ägyptische Jahresbedarf an Nadelschnittholz wird heuer bei 3,5 Mio. m3 liegen (2016: 4,4 Mio. m3; 2015: 5,1 Mio. m3). Nach der diesjährigen Talsohle sollte der Bedarf 2018 wieder auf 4 Mio. m3 klettern.

Ein Jahr nach diesem Devisenschock glaubt Elshal, dass es wieder bergauf gehe: Es gebe viele Infrastruktur- und öffentliche Projekte. Die Bevölkerung Ägyptens soll sich bis 2050 nochmals verdoppeln. Der Wohnraumbedarf sei also enorm. 

Russland richtet Fokus auf China

Noch 2016 war Russland mit über 2 Mio. m3 der größte Versorger Ägyptens. Heuer dürfte man nur noch 840.000 m3 liefern. „Wir erlebten eine echte Tragödie, an der wir immer noch leiden. In China ging es in den Vorjahren hingegen immer konstant nach oben. Selbst bei Preisgleichheit geht russisches Holz daher eher nach China als Ägypten“, sagte Sviatoslav Bychkov, Ilim Timber, voraus. Mehr als 50 % der gesamten russischen Nadelschnittholz-Exporte fließen mittlerweile nach China, in die Levante hingegen insgesamt nur noch 11 %.

„Die neuen russischen Sägewerke entstehen im Fernen Osten – das wird den Trend in Richtung China verstärken“, sagt Bychkov voraus und fragt sich, wie lange Chinas Wachstum noch gehen könne. Heuer kommen nochmals über 20 % Bedarf hinzu.

Wie lang kann Chinas Wachstum noch so weitergehen? Heuer sind es nochmals +23 %.

Sviatoslav Bychkov
Nadelschnittholz-Importe in die Levante | 2012–2019
Mengen in 1.000 m³
Land 2012 2013 2014 2015 2016 2017 erwartet 2018 erwartet 2019 erwartet
Ägypten k. A. k. A. k. A. 5.113 4.390 3.485 k. A. k. A.
Marokko 1037 955 960 995 988 950 988 1.016
Algerien 1.848 1.896 2.048 2.010 1.711 1.222 1.405 1.476
Tunesien 452 338 426 369 348 338 350 363
Libyen 355 385 204 106 76 51 61 63
Gesamt* 3.692 3.574 3.638 8.593 7.513 6.046 2.804 2.918