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Schnittholz Nadelholz © Martina Nöstler

10. GLOBAL LOG & LUMBER CONFERENCE

Sägewerker bestimmen Marktgeschehen

Ein Artikel von Gerd Ebner | 24.06.2020 - 07:23

Einleitend erinnerte Möller daran, wie toll die Zeiten vor der COVID-19-Pandemie waren: 

  • 2013 bis 2019 in Europa beständige Produktionsanstiege bei Nadelschnittholz auf die Rekordmenge von 111 Mio. m3 im Vorjahr – mit dem größten Produzenten Deutschland, wo weitere Kapazitäten hinzukommen
  • eine gute bis exzellente Nadelschnittholz-Nachfrage, tiefe Lagerstände und leicht steigende Preise
  • Die Exportströme schwollen weiter an.

Ich bin für alle Marktakteure in Zentraleuropa optimistisch – außer für die Waldbesitzer.

Andreas von Möller

Containerization des Welthandels

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Bauproduktion in Europa: Einfluss von COVID-19 ist im März in Frankreich und Italien deutlich zu sehen. Bis Februar gab es in fast allen Ländern Zuwächse. Volumen kletterte in EU-28 von 2015 bis 2019 um 11% © Eurostat

Dass die Exporte so gestiegen sind, ist laut von Möller auch darauf zurückzuführen, dass sich die Logistik verbessert habe. Er fasst das in einem Wort zusammen: Containerization. Außerdem gab es in den Vorjahren im Großen und Ganzen immer ausreichende Lkw- und Zugkapazitäten. Europaweit stiegen die Baugenehmigungen seit 2015 um 40%. Durch Corona erfolgte ein starker Einbruch des Vertrauens in die weitere Entwicklung. „Bis Februar ging es überall rauf, dann leider stark runter“, analysierte von Möller.

Für März geht von Möller von Bedarfsrückgängen in Frankreich und Italien von rund 40% aus. Besonders hart traf es in allen Ländern mit Lockdown die Möbelindustrie. Umgekehrt gingen – außer in den Ländern Südeuropas – fast überall die Verkäufe im DIY- und Holzhandelssektor rauf. „Auch der Verpackungsindustrie geht es gut. Diese kann auf ein weiteres Rekordjahr hoffen“, sagte von Möller voraus.

Mit dem Corona-Lockdown geriet unter anderem die Logistikkette ins Rutschen. Die Container waren immer am falschen Platz, die Lkw warteten bis zu 60 h an den Grenzen.

Q1 war gut, Q2 dann ebenfalls erstaunlicherweise. Q3 schätze ich als gesichert ein. Q4 kann noch kein Mensch einschätzen.

Andreas von Möller

Säger bestimmen

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© Holzkurier.com

In Zentraleuropa sieht von Möller die Nadelholzsäger in der marktbestimmenden Situation („in the driver‘s seat“). Sie haben Zugriff auf günstiges Rundholz und gute Absatzmöglichkeiten. Doch wird die Schadholzkalamität mittelfristig die gewohnte Ordnung am Nadelholzmarkt verändern.

Deutschland erlebte 2019 bei Nadelschnittholz Rekorde in der Produktion, im Verkauf und Export. Diesem Rekordlevel konnte die COVID-19-Pandemie bisher kaum etwas anhaben, da unter anderem die Baustellen immer geöffnet hatten. Der Sektor sei optimistisch, da die Lagerstände tief und die Schnittholzpreise stabil blieben, so von Möller.

UK ab 2021 wieder im Kommen

Ein großes Fragezeichen für den europäischen Holzabsatz war und ist Großbritannien. Auf einen schon unsicheren Jahresstart folgte dort der Lockdown, der alle Baustellen stoppte. „Ich gehe heuer von einem Bedarfsrückgang von 25% aus. Greifen die Regierungsstimulus-Pakete, könnte sich der Markt 2021 um 26% erholen“, prophezeite von Möller. „Heuer kräftig runter, 2021 kräftig rauf“ treffe auch auf die Situation in Frankreich, Spanien, Italien und Belgien zu.

Die Folgen der Pandemie sind also für Nord- und Zentraleuropa deutlich schwächer als für den Rest des Kontinents. „Die starken Volkswirtschaften schaffen es besser und schneller“, ist die Meinung von Möllers. So bleibt für ihn als Zusammenfassung, dass das 2. Quartal viel besser lief, als erwartet, das 3. Quartal sei faktisch gesichert. Doch niemand wisse, wie es im 4. Quartal weitergehe.