Holztag 2021

Dachten, Preise wären Tippfehler

Ein Artikel von Gerd Ebner | 22.09.2021 - 08:48

Der BIP-Abschwung in Italien war 2020 mit 8 % doppelt so groß wie nach der Finanzkrise 2008. Heuer wachsen wir aber um 6 %. Speziell die Holz- und insbesondere die Möbelbranche boomen aufgrund der Programme wieder mit dem Superbonus. Der Binnenmarkt hat sich gut erholt.

Dr. Alessandro Calcaterra, Präsident Fedecomlegno

2021 ist das Jahr, in dem Nachfrage und Bedarf in allen Ländern das Angebot und die Produktion übertroffen haben. Nach einem harten Winter mit leeren Lagern konnte erst im 2. Quartal die Produktion wieder voll durchstarten. Im Unterschied zur Hochkonjunktur in den 2000er-Jahren gibt es mittlerweile einen viel höheren Trocknungsgrad, mehr Weiterverarbeitung – entsprechend länger dauert es, bis Ware auf den freien Markt kommt. Wenn nicht Deutschland als einziges europäisches Land über den Winter voll durchproduziert und in den Vorjahren massiv Kapazität aufgebaut hätte, wäre der Gap noch größer gewesen.

Herbert Jöbstl, GF Stora Enso Wood Products, Präsident Europäische Sägeindustrie, Obmann Fachverband Holzindustrie

Jetzt kommen viele Investitionen. Dann wird sich ein Jahr wie heuer kaum wiederholen. Die Nachfrage bleibt positiv für unser tolles Produkt.

Herbert Jöbstl, GF Stora Enso Wood Products, Präsident Europäische Sägeindustrie, Obmann Fachverband Holzindustrie

Nach einem Jahr mit Beschaffungsproblemen ist die Pandemiedelle endgültig überwunden. Nun sind die Preisspitzen weg. Wir erwarten ab sofort wieder eine planbare Preisbasis.

Georg Jung, GF Jung Holz, Italienexperte Holzhandel Österreich

Holz verdient einen höheren Preis als den gewohnten. Die Preise mussten steigen.

Georg Jung, GF Jung Holz, Italienexperte Holzhandel Österreich

Eine Erkenntnis, die wir heuer alle mitgenommen haben sollten, ist: Nur Stammkundenbeziehungen ermöglichen optimale Warenverfügbarkeit.

Georg Jung, GF Jung Holz, Italienexperte Holzhandel Österreich

Als die Massenmedien über fehlende Waren berichteten, begannen die Konsumenten alle Klopapier zu horten. Ähnlich war es heuer bei den Fachmedien. Sie trugen dazu bei, dass zu viel geordert wurde.

Christoph Kulterer, Eigentümer Hasslacher Norica Timber

Holz ist nicht einfach ein billiger Rohstoff und CO2-Speicher. Vielmehr substituiert Holz auch fossile Ressourcen und mindert so die Klimaveränderung.

Felix Montecuccoli, Präsident Land&Forst Betriebe Österreich

Für stabilere Holzpreise kann ich mir eine Warentermin-Börse für Holz vorstellen.

Felix Montecuccoli, Präsident Land&Forst Betriebe Österreich

Heuer beeinflusste Panik das Marktgeschehen. Manche orderten die doppelte oder dreifache Menge. Die Ware war da – aber in den falschen Lagern.

Michael Pfeifer, GF Pfeifer Group, Koordinator Komitee Österreich / Italien

Seit 20 Jahren erlebten wir keine echten Preiserhöhungen mehr. Ab sofort werden wir mit mehr Auf und Ab leben müssen. Mitunter wird es längere Lieferzeiten geben – just in time wird es in der gewohnten Form kaum noch geben.

Michael Pfeifer, GF Pfeifer Group, Koordinator Komitee Österreich / Italien

Es war ein turbulentes Jahr mit höheren Rohstoffpreisen. Nicht nur bei Holz – auch Klebstoffe oder Folien waren knapp und teurer. Der Einkauf war also für alle fordernd. Ich gehe davon aus, dass die Versorgung im Herbst sehr gut ist.

Michael Pfeifer, GF Pfeifer Group, Koordinator Komitee Österreich / Italien

Über den Sommer haben sich die Aufträge halbiert. Nun gilt es, die Produktion an den Bedarf anzupassen. Für 2022 stellt sich bereits die Frage, ob wir alle ohne Kalamität genug Rohstoff haben.

Michael Pfeifer, GF Pfeifer Group, Koordinator Komitee Österreich / Italien

Die EU-Waldpolitik ist nicht immer faktenbasiert. Die jetzt geplanten Vorgaben sind Eingriffe, die für die gesamte Branche relevant sind. Die legistische Schlinge zieht sich immer enger zu. Wir haben genau den richtigen Rohstoff für die nötige Klimapolitik.

Michael Pfeifer, GF Pfeifer Group, Koordinator Komitee Österreich / Italien

Wir erleben ein außergewöhnliches Jahr mit einer Preisdynamik wie noch nie. Wenn die Preiskurven ein EKG wären, hätte die Branche 20 Jahre kaum Lebenszeichen gezeigt. Heuer gab es Ausschläge am EKG, also kräftige Lebenszeichen. Es gab eine Aufwärtsbewegung, jetzt erfolgte der Ausgleich.

Markus Schmölzer, Vorsitzender österreichische Sägeindustrie

Wir starteten extrem positiv ins heurige Jahr. Dann spielte der Markt verrückt. Keiner kannte sich aus. Wir mussten sogar Blankoverträge ausfüllen, wo der Preis erst knapp vor Lieferung eingesetzt wurde. Keiner verstand, was los war – es herrschte reine Panik.

Dr. Mauro Zennaro, Präsidium Assolegno

Die Preise waren unglaublich. Wir dachten zuerst, das wären Tippfehler. Damit sich so etwas nicht wiederholt, wünschen wir uns eine bilaterale Arbeitsgruppe zwischen Österreich und Italien.

Dr. Mauro Zennaro, Präsidium Assolegno

Mitunter waren Holzhäuser zur Jahresmitte nicht mehr wirtschaftlich. Jetzt gibt es bei Holzprodukten Abverkäufe und Skonti wie in der Modebranche – keiner kennt sich aus.

Dr. Mauro Zennaro, Präsidium Assolegno

Der italienische Holzbau konnte heuer die Verluste des Vorjahres kompensieren und wächst um 7 %. Italien profitierte vom EU-Hilfsprogramm, das den ökologischen Wandel vorantreiben soll. 60 % der Bausubstanz in Italien ist älter als 45 Jahre – es gibt also viel zu tun.

Dr. Mauro Zennaro, Präsidium Assolegno

Speziell der Superbonus brachte Tempo ins Bauwesen. Heuer verursachte Materialmangel viele Bauverzögerungen. Der Bonus soll – mit tieferen Fördersätzen – bis 2024 verlängert werden.

Dr. Mauro Zennaro, Präsidium Assolegno