USA glaubt an Exportsteigerungen

Ein Artikel von Dr. Christian Rakos | 21.11.2013 - 14:11
War die Konferenz 2012 noch geprägt von viel Unsicherheit über die weitere Entwicklung, haben sich inzwischen die politischen Rahmenbedingungen so weit geklärt, dass relativ klare Aussichten für die zu erwartende Pelletsnachfrage am europäischen Markt vorliegen. Konkret wurden die folgenden Verbrauchserwartungen präsentiert:
    Belgien: weiterhin attraktive Förderung. Ausweitung der Pelletsnutzung durch ein neues Kraftwerk am Hafen von Gent, erwarteter Bedarf bis 2020: 3 Mio. t/J. Niederlande: Eine neue Vereinbarung zur Energiepolitik steht kurz vor dem Beschluss – diese setzt zwar vorwiegend auf den Ausbau von Offshore-Wind, beinhaltet aber ein Kontingent von 25 PJ Strom aus Biomasse. Das entspricht einem Pelletsbedarf von 3,5 Mio. t/J – wesentlich weniger, als Kraftwerksunternehmen realisieren könnten beziehungsweise geplant haben. Dänemark: Bis 2035 soll die Stromerzeugung vollständig auf erneuerbare Energie umgestellt werden. Bis 2016 soll der Bedarf an Pellets auf 3 Mio. t/J steigen. Ein bezeichnendes Licht auf die Vorgangsweise der Kraftwerksbetreiber warf die Erwähnung, dass die Mengen für das 2016 umzustellende Kraftwerk Studstrup bereits zu 50 % vertraglich gesichert seien. Großbritannien: In England müssen in den nächsten zehn Jahren Kraftwerke mit einer Kapazität von 19 GW vom Netz gehen. Schon jetzt ist die Kapazitätsreserve am Kraftwerksmarkt auf 4 % gesunken. Mit dem sukzessiven Ausbau der Atomkraft in England und dem Auslaufen der Einspeiseverträge für Pellets ist damit aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass nach 15 Jahren schrittweise bis zu 15 Mio. t/J Pellets für die Versorgung der Wärmemärkte zur Verfügung stehen. Insgesamt wurde von John Bingham, dem Chefredakteur der Fachzeitschrift Forest Energy Monitor, der Bedarf an Industriepellets in Europa 2020 mit 27 Mio. t beziffert. Für Asien (Korea und Japan) gab er eine Schätzung von 7 Mio. t Bedarf 2020 an, für die USA einen möglichen industriellen Bedarf von 4 Mio. t.

Lohnt sich Investment in Pelletsproduktion?

Zur Frage, ob es sich lohnt, in Pelletswerke zu investieren, gab es interessante Statements von Investoren. Aus deren Sicht sind Pelletsprojekte in den USA ein interessantes Investitionsthema, das ausreichende Renditen und Sicherheiten bietet. Vorteilhaft wären aus Sicht der Investoren noch längerfristige Verträge mit den Abnehmern, um das Risiko politischer Interventionen, welche die Pelletsnutzung in Kraftwerken beeinflussen,könnten, zu reduzieren oder auf die Kraftwerksbetreiber abzuwälzen, die langfristige Abnahmeverträge geschlossen haben. Interessant ist vor diesem Hintergrund das Bestreben der meisten Kraftwerksbetreiber, sich darüber hinaus als Pelletslieferanten am Wärmemarkt zu etablieren. Damit hätten diese einerseits die Möglichkeit, qualitativ gute Ware mit Gewinn weiterzuverkaufen. Andererseits könnte man fest kontrahierte Pelletsmengen verkaufen, wenn es zu Störungen, Wartungsarbeiten oder Ausfällen im Kraftwerksbetrieb kommt. Der Wärmemarkt wird nicht als konkurrierender Markt um Brennstoff, sondern als wichtiger alternativer Absatzmarkt wahrgenommen. Aus ähnlichen Überlegungen dürften auch mehrere US-Produzenten ihre Werke nach ENplus zertifizieren lassen. Zwei Werke sind bereits zertifiziert, drei weitere Werke stehen kurz vor der Zertifizierung. Insgesamt liegt die Produktionskapazität bei 1,6 Mio. t. Die am Wärmemarkt für das kommende Jahr abgesetzte Menge dieser Werke wird auf 300.000 t geschätzt.

Rohstoffbedarf und Kosten

Welche Auswirkungen wird der steigende Rohstoffbedarf auf die Kosten haben? Diese Frage stellte der Autor dem US-Forstexperten Ross Harding. Im Südosten der USA sind die Hauptkonkurrenten der Pel-letsindustrie Zellstoffabriken, die vorwiegend für den Export nach Asien Zellstoff für die Herstellung von Tissue produzieren. Diese Werke liegen, wie die Pelletswerke in Küstennähe, um die Transportkosten niedrig zu halten. Es gibt dort noch genügend Standorte für die Pelletsproduktion, um eine weitere Produktionskapazität von 3 Mio. t zu versorgen, ohne dass es zu einer nennenswerten Rohstoffkonkurrenz kommt. Derzeit liegen die Stockpreise für Faserholz bei rund 14 $/t frisch geerntetem Holz. Bei einem Anstieg auf über 18 $/t kommt es erfahrungsgemäß zu einer Ausweitung der Faserholzplantagen, welche die steigenden Mengen liefern. Allerdings darf die Bedarfssteigerung nicht zu rasch erfolgen, da die neuen Plantagen erst wachsen müssen, bevor sie erste Erträge liefern. Die entscheidende Frage aus Sicht von Harding ist daher nicht die Frage der Verfügbarkeit von Rohstoff, sondern die Frage der Geschwindigkeit, mit der die Nachfrage wächst.

Pelletierung bereitet Probleme

Die Diskussionsrunde zum Abschluss der Konferenz bestritten die Geschäftsführer der größten US-Pelletsproduzenten. Ihr Ausblick war sehr positiv, ein beträchtliches Marktwachstum steht ihrer Meinung nach bevor. Sie betonten allerdings die Notwendigkeit, neue Projekte sorgfältig vorzubereiten. Neben der Frage des nachhaltig verfügbaren Rohstoffs ist es die Pelletierung selbst, die alle US-Produzenten vor beträchtliche Herausforderungen stellte. Die Unterschiedlichkeit des Rohstoffes führte dazu, dass jede Anlage mit unterschiedlichen technischen Problemen kämpfte und vielfach Komponenten der Anlage überarbeitet und angepasst werden mussten.