Tilly Holzindustrie

Schnelle Inbetriebnahme

Ein Artikel von Philipp Matzku | 30.10.2024 - 09:39
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Das 100.000 t/J-Pelletierwerk von Tilly Holzindustrie ist im März 2024 in Betrieb gegangen © Tilly Holzindustrie

„Die kurze Bauzeit war eine enorme Herausforderung, aber alles hat hervorragend geklappt, und wir konnten die Inbetriebnahme sogar etwas vorverlegen. Alle Lieferanten der Gewerke haben rechtzeitig geliefert, sodass die Montage der gesamten Anlage bereits nach zwölf statt der geplanten 15 Monate abgeschlossen war“, informiert Bernhard Dallinger, Projektleiter bei Knoblinger. „Die Zusammenarbeit mit Knoblinger war von Anfang an sehr gut und vertrauensvoll. Die gesamte Anlage gehört zu den modernsten in Europa und läuft seit der Inbetriebnahme im März ohne Probleme“, ergänzt Gerd Tilly, der seitens der Tilly Holzindustrie für das gesamte Projekt verantwortlich ist. Großes Lob seitens Tilly und Knoblinger erhielt auch Dr. Martin Englisch vom BEA-Institut für Bioenergie, Wien, der für die Gesamtkoordination des Projekts zuständig war.

Optimierte Maschinentechnik

Knoblinger, der Holzindustrieausstatter des Jahres 2023 (Stark in Mechanisierung), richtet sich auf alle Lebenszyklen der Anlage aus. Viele Pelletieranlagen, wie auch in diesem Fall, laufen das ganze Jahr, sieben Tage die Woche. Knoblinger setzt daher auf spezialisierte, im Werk in Ried gefertigte Mechanisierungs- und Fördertechnik, die bei minimalem Verschleiß maximale Leistung gewährleistet. Der Schüttgutexperte aus dem Innviertel arbeitet mit allen namhaften Herstellern von Pressen, Hammermühlen, Filteranlagen und Bandtrocknern zusammen. „Wir suchen für jedes Projekt individuell den perfekt passenden Ausrüster. Bei der Wahl eines bestimmten Maschinentyps spielen neben der Qualität der eingesetzten Anlagen auch die Produktionsleistung, der verwendete Rohstoff, die Maschinengröße, Emissionswerte sowie die rechtzeitige Verfügbarkeit an der Baustelle eine Rolle. Mit vielen Herstellern arbeiten wir seit Jahren zusammen, so auch bei diesem Projekt“, erklärt Johannes Waselmayr, Vertriebsleiter bei Knoblinger.

Auf Wunsch von Tilly wurden bei dem Turnkey-Projekt Pelletspressen von Salmatec eingesetzt, der Bandtrockner kommt von Stela Laxhuber. „Stela ist der Marktführer bei Bandtrocknern, und Salmatec wurde uns sehr empfohlen“, begründet Tilly die Entscheidung für die beiden deutschen Maschinen- und Anlagenbauer.

Erste Ausbaustufe

Rund 60 Mio. € investiert Tilly Holzindustrie in den Neubau des Pelletswerks sowie in eine zweite Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK)-Anlage. Bis 2026 soll ein 30 MW-Biomasseheizkraftwerk in Betrieb gehen, welches die 15 MW-Altanlage weitgehend ersetzt und unter anderem das Pelletswerk mit Wärme und Strom versorgt. Im Rahmen einer zweiten Ausbaustufe soll die Pelletsproduktionskapazität in zwei Jahren auf 160.000 t/J erhöht werden. Auf dem Weg zu einer voll integrierten Holzindustrie kaufte der weltweit führende Hersteller von ein- und dreischichtigen Naturholzplatten ein 8,5 ha großes Gelände direkt neben dem Stammareal (Werk 1), wo neben der Pelletier- und KWK-Anlage ein Energieholzlagerplatz geplant ist.

Rohstoff aus Eigen- und Fremdproduktion

Die im Produktionsprozess anfallenden Säge- und Hobelspäne werden über eine pneumatische Hochdruckanlage unterirdisch vom Werk 1 und dem gegenüberliegenden Werk 2 direkt in den dafür vorgesehenen 21 m hohen Puffersilo eingeblasen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Befüllung des Puffersilos über eine Fremdaufgabe. Das zusätzliche Material wird entweder zugekauft oder aus der eigenen Produktion mithilfe von Lkw zugeführt. Neben dem Puffersilo steht ein weiterer 27 m hoher Trockenspansilo, der hauptsächlich für Fremdmaterial genutzt wird, zur Verfügung. „Wir versorgen uns zu 30% aus der eigenen Produktion und der Rest wird zugekauft. Dabei beziehen wir das Restholz aus umliegenden Sägewerken“, erklärt Tilly.

Für das angelieferte Fremdmaterial steht ein 4000 m3 großer Spänebunker zur Verfügung. Das Rohmaterial (G30) hat meist einen höheren Feuchtegehalt von bis zu 50% und wird mithilfe einer Nassspanhammermühle zerkleinert. Größere Teile über 12 cm werden aussortiert. Das Material wird anschließend mit einer Schwingsiebmaschine zum Bandtrockner geleitet. Das RecuDry-Modell von Stela hat im Sommer eine Trocknungskapazität von bis zu 14 t/h, im Herbst sind es 8 bis 9 t/h. Nach dem Bandtrockner gelangt das Material in die Trockenspanmühle und weiter in den Reifebehälter. Nach der Zugabe von reiner Maisstärke pressen die beiden 6,5 t-Pelletspressen das Material zu 6 mm ENplus A1-Pellets.

Lose oder in Säcken

Über einen weiteren unterirdischen 80 m langen Gang werden die Pellets zu einem der vier jeweils 4000 t fassenden Pelletssilos oder weiter zur Austragung bei der Absackanlage transportiert. Zwischen dem Pelletswerk und den -silos gibt es eine Lkw-Verladung für lose Ware mit einer Kapazität von bis zu 80 t/h sowie zwei weitere Waagen, wo die Lkw, die mit dem Fremdmaterial zum Werk kommen, im vollen und leeren Zustand gewogen werden. Die Tilly Holzindustrie verkauft ihre ENplus A1-zertifizierten Pellets sowohl lose als auch als Sackware an gewerbliche Pelletshändler.

TILLY Holzindustrie

Standort: Althofen
Gegründet: 1985
Geschäftsführung: Komm.-Rat Gerd Tilly, Mario Wagner
Mitarbeiter: 280, davon zehn im Pelletswerk
Produkte:
ein- und mehrschichtige Naturholzplatten in diversen Nadel- und Laubholzarten
Pelletsproduktion: 100.000 t/J (Kapazität), ENplus A1-Pellets
Pelletsabsatz: über gewerblichen Handel