Intuitive Visualisierung der Steuerung: Ein Tastendruck startet den Entladeprozess – gezeigt von Matthias Jänsch, MaierKorduletsch © Rematec
Die Annahme und Verladung der Pellets erfolgt bei MaierKorduletsch hochgradig automatisiert – Lkw-Fahrer und Spediteure können den gesamten Vorgang von der Anlieferung bis zur Verladung selbstständig durchführen, ganz ohne Unterstützung durch Mitarbeitende vor Ort. Möglich macht dies etwa ein von Rematec entwickeltes und patentiertes, ebenerdiges Annahmemodul, das seit der ersten Ausbaustufe 2020 in Betrieb ist und speziell für den vollautomatischen Betrieb konzipiert wurde. Zuweisung erfolgt manuell durch Mitarbeiter über Fernwartung. Derzeit wird das System um eine Kennzeichenerkennung ergänzt, die jedes Fahrzeug eindeutig zuordnet und automatisch den passenden Silo wählt – der Fahrer bestätigt nur noch den Startknopf. Zur Sicherstellung der Versorgung bezieht MaierKorduletsch die Pellets von wenigen regionalen Produzenten. Am Bayernhafen Passau ist eine flexible, trimodale Anlieferung der Pellets möglich. Neben dem Straßentransport stehen auch der Wasserweg über die Donau sowie die Zubringung per Schiene zur Verfügung. In der Regel treffen täglich zwei bis drei Lkw-Lieferungen ein. Im Rahmen der ersten Ausbaustufe wurden drei 24 m hohe Silos mit einem Volumen von je 1300 m3 errichtet, wobei einzelnen Lieferanten feste Silos zugeordnet sind, um eine bessere Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Bereits im ersten Betriebsjahr konnte der Pelletsumschlag von rund 10.000 t auf 18.000 t/J gesteigert werden.
Erste Ausbaustufe: ebenerdiges Annahmemodul
250 t/h Pellets können die Kettenförderer von Rematec von der Schüttgosse kommend transportieren © Rematec
Das Annahmemodul ist vollständig eingehaust und über ein Rolltor witterungsgeschützt. Gummilippen und Matten verhindern Staubaustritt, während ein Absaugsystem für die geforderte Luftreinheit während des Entladeprozesses sorgt.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Schüttgossen, die aufwendige Betonarbeiten erfordern, benötigt das patentierte Rematec-System lediglich eine ebene Bodenplatte. Das Modul wird vormontiert in zwei Komponenten – Ober- und Unterteil – geliefert und kann aufgestellt werden, ohne tiefgreifende bauliche Eingriffe.
Im Inneren übernehmen robuste Förderkomponenten den Materialfluss: Nach der Übergabe über einen Kettenförderer werden die Pellets schonend über einen Elevator 24 m nach oben transportiert. Das Gurtbecherwerk verfügt über eine Förderleistung von 120 t/h. Oben übernimmt ein Doppelstrangförderer mit bidirektionaler Verteilung, der mithilfe mehrerer Auslaufschieber die gewünschte Silolinie ansteuert.
Zweite Ausbaustufe: Donauseitige Erweiterung
8000 t Speicherkapazität haben die sechs Pelletssilos von MaierKorduletsch am Bayernhafen Passau. Der Jahresumschlag beträgt 35.000 t © Rematec
Nachdem der jährliche Pelletsumschlag auf rund 25.000 t gesteigert worden war, wurde eine Erweiterung der Lagerkapazitäten notwendig. 2024 kamen drei Pelletssilos hinzu, sodass die Zahl der baugleichen Silos auf sechs anwuchs und sich die Gesamtlagerkapazität innerhalb eines Jahres auf 8000 t verdoppelte.
„Unser Ziel war es, die Pelletsversorgung durch unser Lager im Bayernhafen Passau langfristig zu sichern und logistisch zu optimieren. Die steigende Nachfrage nach Holzpellets und unser Anspruch, Kunden zuverlässig und nachhaltig mit dem Energieträger Holzpellet zu versorgen, führten zur Entscheidung, das Lager um drei Silos zu erweitern. Die Lagerhaltung spielt eine zentrale Rolle für die Energieversorgung mit Holzpellets, da die Zuliefermengen je nach Auftragslage in der holzverarbeitenden Industrie schwanken können. Unser Anspruch war es, in Passau ein vollautomatisiertes Lager zu schaffen, das die Qualitätsvorgaben der europäischen Norm ENplus A1 übertrifft und jederzeit hochwertige Holzpellets zur Verfügung stellt. Mit Rematec haben wir dafür einen ausgezeichneten Partner gefunden, der in Sachen Anlagentechnik Standards setzt“, erklärt Julian Voggenreiter, Teamleiter Pellets bei MaierKorduletsch.
Die zweite Schüttgosse wurde so ausgelegt, dass es neben der Lkw-Annahme auch gelöschte Schiffsladungen von der nahegelegenen Donau übernehmen kann. Diese zweite Ausbaustufe basiert auf einem weiter optimierten Konzept. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels und der schwankenden Pegelstände der Donau waren konventionelle Schüttgossen nicht umsetzbar. Zur Abdichtung des Grundwassers wurden trapezförmige Spundwände in den Baugrund eingebracht und mit einer massiven Stahlverblechung versehen.
In der Schüttgutannahme fällt das Material über einen Öffnungsschieber direkt in den Elevator, der mit einem Volumenstrom von 250 t/h deutlich leistungsfähiger ist als jener der ersten Ausbaustufe. Die Verteilung erfolgt analog zur ersten Anlage über Links- und Rechtslauf zu einem der drei neuen Silos. „Bei der ersten Annahme auf Straßenseite beträgt die Entladezeit der Schubboden-Lkw etwa 20 Minuten, während sie bei der donauseitigen Annahme nur rund sieben Minuten beträgt“, berichtet Simon Kreiller, Projektleiter bei Rematec. „Die Gesamtinvestition für die Anlage, einschließlich Fundament, Bodenplatte sowie aller notwendigen Erdarbeiten und Bohrungen, beträgt rund 3,5 Mio. €. Darin sind sämtliche Kosten enthalten. Die reine Erweiterung der zweiten Ausbaustufe lag bei 1,2 Mio. €“, informiert Voggenreiter.
Schiffsladung als Backup-Lösung
Im Frühjahr wurde erstmals eine Schiffsladung von 1700 t Pellets getestet und über einen mobilen Portalkran des Hafens in die Schüttgutannahme eingebracht. Anlass der Lieferung war eine kurzfristige Versorgungslücke bei regionalen Pelletsproduzenten. „Die Schiffsannahme ist als Backup-Lösung vorgesehen. In der Regel werden auch an dieser Annahmestelle Lkw der Stammlieferanten entladen“, erläutert Kreiller.
Entnahme und Verladung
Unter jedem Silo befindet sich ein Kettenförderer zur Austragung. Der jeweilige Silo wird über Spindelschieber geöffnet, die Dosierschieber regeln die Fördermenge. Zwischen Silo 1 und 2 liegt ein 36 m3 großer Vorratssilo, der als Puffersilo eine komplette LkwLadung von 23 bis 25 t aufnehmen kann.
Bei hoher Umschlagfrequenz lässt sich der Vorratssilo gleichzeitig befüllen und entleeren. Radarmelder überwachen den Füllstand kontinuierlich und starten bei Unterschreitung eines definierten Niveaus automatisch die Nachförderung. Die Förderleistung beträgt rund 100 m3/h (etwa 65 t/h), sodass praktisch keine Wartezeiten entstehen.
Reinigung, Staubmanagement und Kreislaufführung
Für den Endkunden ist nicht ersichtlich, von welchem Lieferanten die Pellets stammen. Entscheidend bleibt die gleichbleibend hohe Qualität. Diese wird durch einen sorgfältigen Reinigungsprozess sichergestellt: Ein mechanisches Trommelsieb entfernt Abplatzungen und Rückstände, während ein Gegenstromsystem Staubpartikel absaugt und über Filter zurückhält. Die Ziele sind, die Pellets durchgehend zu belüften und den Staub zuverlässig abzusaugen.
Zwei Verladebälge ermöglichen die flexible Beladung unterschiedlicher Fahrzeugtypen. Der Fahrer steuert die Anlage von einer Plattform aus, wählt die Förderrichtung und überwacht das Ladegewicht über eine integrierte Fuhrwerkswaage, um die 40 t-Grenze einzuhalten. Über eine Kranflasche kann der Verladebalg in die verschiedenen Richtungen verfahren werden. Ein weiterer Vorteil, der Lkw muss während des gesamten Ladeprozesses nicht bewegt werden.
Der abgesaugte Staub wird über Zellenradschleusen in Schneckenförderer übergeben und in einem Glasfaserkunststoff (GFK)-Silo zwischengelagert. Von dort transportieren zwei Schneckenförderer den Staub zu einem separaten Verladebalg, über den er auf Lkw verladen und zu einem nahe gelegenen Pelletslieferanten von MaierKorduletsch gebracht wird und erneut pelletiert wird. Damit schließt sich der Materialkreislauf vollständig. Bei 100 t Pellets fallen bis zu 1,7 t Staub an, das sind ein bis zwei Lkw pro Monat. Bei einer jährlichen Umschlagsmenge von aktuell bis zu 35.000 t entspricht dies einer Staubmenge von etwa 700 t/J.