Säge- und Hobelwerk Josef ziegler

Pelletierung ohne Trockenvermahlung

Ein Artikel von Philipp Matzku | 28.10.2025 - 14:56

Das Säge- und Hobelwerk Josef Ziegler investiert seit vielen Jahren kontinuierlich in die Modernisierung und Erweiterung seines Standortes in der Oberpfalz. Am Standort Stein werden jährlich rund 250.000 fm eingeschnitten. Seit 2013 ergänzt ein KVH- und BSH-Werk die Produktion, in dem jährlich 15.000 m3 verarbeitet werden. Schwerpunkte der Produktion liegen auf Dachlatten, Bauholz und Dimensionsware.

Der Ausbau der Fertigungstiefe und die Steigerung der Wertschöpfung umfassen dabei nicht nur die Sägewerkstechnik, sondern auch die Erweiterung der Trocknungskapazitäten und der Energieversorgung. Letztere basiert auf einem seit vielen Jahren weiterentwickelten Energiekonzept für die Strom- und Wärmerversorgung des gesamten Standorts.

Auf dem Weg zum integrierten Standort

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Starke Teamleistung: Matthias Schindler, Salmatec (Mitte) umringt von Lukas Ziegler, Josef Ziegler, Jonas Ziegler sowie Klaus Jakob (technischer Projektleiter), alle Sägewerk Josef Ziegler (v. li.) © Salmatec

Die Entscheidung, in eine eigene Pelletsanlage zu investieren und einen weiteren Schritt in Richtung integrierter Standort zu gehen, hatte mehrere Gründe. Zum einen sollte die Wertschöpfung des 2024 in Betrieb genommenen 3,9 MW-ORC-Kraftwerks gesteigert werden. Zum anderen hatte man im Jahr zuvor in zwei Valutec-Kanaltrockner investiert, welche die Gesamttrocknungskapazität um 60.000 m3 erhöhten. Dank der nunmehr zwölf Trockenkammern, davon drei Kanaltrockner, kann der gesamte Jahreseinschnitt am Standort getrocknet werden. Ein weiterer Beweggrund war, die für die sechs Holzvergasungsanlagen benötigten Pellets künftig selbst zu produzieren. Mit Salmatec fand man rasch einen Partner, um das ambitionierte Projekt umzusetzen.

Salmatec hat als Komplettanbieter die Projektierung des gesamten Projekts Pelletswerk, bis auf den Bandtrockner, übernommen. Dies umfasst neben der Presse und Materialaufbereitung, auch die gesamte Fördertechnik sowie die Planung der Nassspan-, Trockenspan-, Stärke- und Pelletssilos und die automatische Bunkerbeschickung. Der Bandtrockner stammt von Stela Laxhuber, Massing/DE, die die Planung, Montage und Inbetriebnahme eigenständig durchgeführt hat.

Strompreisoptimierte Pelletsproduktion

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Hohe Pelletsqualität dank Rohmaterials mit wenig Feinmaterial © Salmatec

Im Juni wurde mit dem Probebetrieb des Pelletswerks begonnen. Einen Monat später konnte man schon in den Regelbetrieb übergehen und Premiumpellets nach ENplus A1-Standard produzieren. Die geplante Jahresproduktion von 9500 t soll zu etwa 50 % zur Versorgung der sechs Burkhardt-Holzvergasungsanlagen dienen. Die verbleibende Menge wird als lose Ware an regionale Brennstoffhändler abgegeben.

Josef Ziegler setzt als Hauptrohstoff überwiegend Hackschnitzel (P31S bis P45S) zur Pelletierung ein. Die gesamte Pelletierung bei Josef Ziegler ist so ausgelegt, dass sie innerhalb kürzester Zeit hoch- oder heruntergefahren werden kann. „Maximale Flexibilität ist uns wichtig. Ich beobachte täglich die Preisentwicklung der nächsten 24 bis 48 Stunden: Ist der Strom günstig, produzieren wir – ist er teuer, pausieren wir“, erläutert Josef Ziegler, Geschäftsführer des Sägewerks Josef Ziegler.

Homogenes Material für konstante Pelletsqualität

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80 m3/h Durchfluss schafft die Strukturmühle MaxiMill von Salmatec © Salmatec

„Beim Einsatz von Rohmaterial aus einem Sägewerk ist, bevor das Material in den Bandtrockner kommt, eine Nassvermahlung erforderlich. Mit der Entwicklung unserer Strukturmühle, wir nennen sie MaxiMill, können wir jedoch einen Verarbeitungsschritt einsparen – den Einsatz der Trockenspanhammermühle hinter dem Bandtrockner“, erklärt Matthias Schindler, Sales Manager bei Salmatec. Ein weiterer Vorteil, sich eine Maschine im Pelletsproduktionsprozess zu ersparen, besteht in der Stromeinsparung der Trockenhammermühle. Die von Salmatec entwickelte Strukturmühle ist erstmals bei Josef Ziegler im Einsatz und läuft seit Monaten zuverlässig. Sie basiert auf dem Grundprinzip einer Maxima-Pelletspresse, wobei in einem Koller-Ringmatrizensystem die Hackschnitzel vermahlen beziehungsweise zerquetscht werden. Dabei entsteht ein faseriges, sehr homogenes Material mit einem geringen Kernholzanteil und einem konstanten Infeed bei der Pelletierung. Ziel ist es, einen gleichbleibenden Durchsatz von 80 m3/h zu gewährleisten.

Die MaxiMill ist mit jeder Pelletspressengröße von Salmatec kombinierbar. Etwas oberhalb der Strukturmühle, lackiert in auffälligem Rot, befindet sich ein Mesutronic-Metalldetektor. Das Metall wird dann über eine Klappe aus dem Verarbeitungsprozess ausgeschleust. Das dabei ebenfalls ausgeschleuste Rohholzmaterial wird nicht zurück in den Pelletierungsprozess transportiert, sondern gelangt zur Verbrennung in den Heizkessel.

Innovative Ausstattung und einfache Wartung

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7 t/h: Produktionssleistung leistet die Salmatec-Pelletspresse des Typs Maxima 900 beim Sägewerk Josef Ziegler © Salmatec

Beim Pelletswerk kommt außerdem eine Pelletspresse des Typs Maxima 900 von Salmatec mit Vollausstattung zum Einsatz. Das Flaggschiff des norddeutschen Maschinen- und Anlagenbauers ist eigentlich für große Jahresproduktionsleistungen (40.000 t und mehr) konzipiert, kann jedoch – wie im vorliegenden Fall – auch bei geringeren Produktionsmengen flexibel betrieben werden. Anstelle einer kleinen Pelletspresse, die permanent produziert, setzt man hier auf eine große Pelletspresse, die sich nach Bedarf einschaltet und so von dynamischen Strompreisen Gebrauch macht. Zur Vollausstattung gehören unter anderem ein vollautomatisierter Heberahmen, eine Kollertemperaturüberwachung, eine Zwangseinspeisung, ein Wartungsantrieb, eine hydraulische Kollerspaltverstellung sowie eine Vibrationserkennung. Wie vibrationsarm selbst so eine große Presse unter Volllast arbeitet, demonstriert Schindler anschaulich: Er stellt eine 2 €-Münze senkrecht auf die Presse und das Geldstück fällt nicht um. Ein weiteres recht neues Feature ist die zylindrische Matrizenaufnahme, die einen schnellen Matrizenwechsel in zwei bis drei Stunden ermöglicht und die Wartung und den Service deutlich vereinfacht.

„Das Pelletswerk lässt sich einfach einschalten und in Betrieb nehmen. Das Ein- und Ausschalten erfolgt automatisiert basierend auf dynamischen Strompreisen. Mit Matthias Schindler arbeiten wir seit Jahren sehr vertrauensvoll zusammen. Viele Entscheidungen während der Projektierung haben wir gemeinsam getroffen, darunter auch die Festlegung, die Strukturmühle MaxiMill als Pilotprojekt einzusetzen und damit auf eine Trockenvermahlung zu verzichten“, betont Josef Ziegler abschließend.

Säge- und Hobelwerk Josef Ziegler

  • Standort: Plößberg-Stein/DE
  • Geschäftsführer: Josef Ziegler, Gerhard Ziegler
  • Mitarbeiter: 80
  • Einschnitt: 250.000 fm/J
  • Holzarten: 66 % Fichte, 33 % Kiefer
  • Produkte: Dachlatten, Listenbauholz, Dachschalungen, Hobelware, Schnittholz, BSH und KVH nach Liste 
  • Weiterverarbeitung: 15.000 m3/J KVH und BSH
  • Pelletsproduktion: 9500 t/J
  • Zertifzierungen: ENplus A1 (Pellets)