Am Anfang war der „Feind“ jedes Städteplaners – das Einfamilienhaus. Anhand des Speckgürtels von Graz skizzierte Univ. Prof. und Architekt Hans Gangoly, Technische Universität Graz, dass zur Erschließung solcher Siedlungen mehr Fläche für Straßen denn für Bruttoerdgeschossfläche aufgewendet werden müssten. Gleichzeitig wachsen aber die gerade Ballungsräume, in denen Platz kostenintensiv ist. Oft kann mit der Ausweisung von neuem Bauland alleine der erhöhte Bedarf für Wohnungen nicht gedeckt werden. Ein Augenmerk muss daher auf sanierungsbedürftige Gebäude aus dem 20. Jahrhundert gelegt werden. Ein Anwachsen der Ballungsräume bei gleichzeitiger Landflucht mache dies zur Notwendigkeit. Neben Neubauten müssten auch Möglichkeiten zur Aufstockung bestehender Bausubstanz geprüft werden.
Dass neben dem steigenden Wohnbedarf in Zentren auch der Faktor Ökologie und insbesondere die Betriebskosten von Wohneinheiten im Zukunft mehr in den Mittelpunkt geschoben werden müssen, strich MMag. Philip Kaufmann, Gründungspräsident ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft), heraus. „Immobilien richten sich viel zu stark nach den Mietpreisen. Kunden wollen von den Vorteilen der Konstruktion oft nichts wissen oder können sie nicht schätzen. Dabei sind die laufenden Betriebskosten ein großer Teil der Gesamtkosten, der bei richtiger Handhabung eingespart werden kann.“ Ziel einer Wohnbauoffensive müsste es auch sein, Betriebskosten in den Richtzinssatz miteinfließen zu lassen. Zuhörer kritisierten am Energieausweis, dass dieser nur den Zustand vor Benützung beschreibe. DI Johannes Fechner, klima:aktiv-Bildungskoordinator, entgegnete, dass der Energieausweis mittlerweile neben dem Heizwärmebedarf auch den Primärenergiebedarf der verwendeten Materialien sowie den CO2-Ausstoß beinhalten würde. Das Ziel einer nachhaltigen Wohnbenützung sollte es aber über kurz oder lang sein, im laufenden Betrieb ein Zertifikat ausstellen zu können.
DI (FH) Ludger Dederich, Geschäftsführer des Holzbau Deutschland-Instituts, Berlin, gab auch Aussichten für die urbanen Regionen Deutschlands bekannt. „Uns fehlen Architektur-Visionäre, wie sie die Schweden oder Engländer mittlerweile haben. Zwar gibt es den Trend, alles „grün“ zu gestalten, doch mit der richtigen Materialauswahl beschäftigen sich nur sehr wenige.“ Die Zukunft gehöre ganz eindeutig dem Mehrgenerationenwohnen, wobei unterschiedliche Lebensformen in ihrer Eigenständigkeit unter einem Dach nicht gestört sein sollten. Die Nutzflächenmaximierung durch Verringerung von Bauteildicken, vor allem im mehrgeschossigen Wohnungsbau sei dafür essenziell.
Chance Leichtbau
Die Veranstaltungsteilnehmer waren sich einig, dass Leichtbau, hier vor allem Holzbau, ein Problemlöser für die urbane Nachverdichtung sein kann. Das geringe Eigengewicht der Bauteile (Faktor drei bis vier zwischen Holzbau und Stahlbetonbau in kg/m2) bietet neben dem hohen Vorfertigungsgrad und dem dadurch entstehenden raschen Baufortschritt entscheidende Vorteile. An Beispielen aus Stockholm konnte man sehen, dass auf Flachdächern ganze Reihenhaussiedlungen in Holzrahmenbauweise machbar sind.
Das Schweizer Holzbauunternehmen Nokera und der börsennotierte Immobilienkonzern Vonovia wollen bei der Gebäudesanierung zusammenarbeiten.
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