Haas Group

Holzbau ist die Lösung

Ein Artikel von Günther Jauk | 05.08.2025 - 14:42

Die vergangenen Jahre waren für die Haas Group – wie für alle Fertighaushersteller – ausgesprochen schwierig. Im Einfamilienhaussegment lagen die Rückgänge sowohl bei den Verkaufszahlen als auch beim Auftragseingang in Österreich bei 60 %, in Deutschland bei 40 % . „Diese Entwicklung war spürbar, aber nicht überraschend. Umso wichtiger war es, frühzeitig gegenzusteuern“, beschreibt Haas die Entwicklung und ergänzt: „Neben gezielten Anpassungen unserer Strukturen und Prozesse war es vor allem der Einsatz des Vertriebsteams, der zum positiven Ergebnis beitrug. Unser Credo war, besser zu sein als der Wettbewerb, da weder von der Politik noch von der Baukonjunktur nennenswerte Unterstützung zu erwarten war. Letztlich haben wir uns erfolgreich selbst geholfen. Die Kosten wurden konsequent an die veränderte Marktsituation angepasst – so gut, dass wir die gegenläufige Entwicklung auffangen konnten und am Ende ein positives Ergebnis erzielten.“

Bei immer mehr Bauvorhaben ist der Holzbau die Lösung. Früher war klar, dass ein mehrgeschossiger Wohnbau in Beton gebaut wird, das ist es heute nicht mehr.


Xaver A. Haas, Geschäftsführer Haas Fertigbau

Während Haas in den kommenden fünf bis zehn Jahren mit dem Erreichen eines Holzbauanteils von 40 % rechnet, sieht er für das klassische Einfamilien- und Zweifamilienhaus kaum kurzfristige Chancen auf eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Die Nachfrage habe sich spürbar verlagert, nicht zuletzt durch veränderte finanzielle Realitäten.

Zahlreiche Wachstumsmärkte

Deutlich mehr Potenzial sieht Haas in den Bereichen Objektbau, Gewerbebau, landwirtschaftliche Bauten und mehrgeschossiger Wohnbau, die bereits 40 % des Unternehmensgeschäfts ausmachen – Tendenz steigend. Der Markt für landwirtschaftliches Bauen ist seit Jahren rückläufig. Die Zahl der Betriebe nimmt jährlich um etwa 5 % ab. Bei Haas zeigt sich in diesem Bereich jedoch ein anderer Trend. Besonders in Österreich verzeichnet das Unternehmen eine zunehmende Nachfrage. Insgesamt bleibt das Marktvolumen in der Landwirtschaft zwar begrenzt, Haas konnte sich hier jedoch stabil behaupten und weiterentwickeln.

Auch im Objektbau erwartet Haas weiteres Wachstum, insbesondere im Wohnbau. Zwar wurden bislang nur wenige großvolumige Projekte umgesetzt, die strategische Bedeutung dieses Segments nimmt für das Unternehmen jedoch spürbar zu. Holzrahmenbau und Brettsperrholz stehen dabei nicht im Wettbewerb zueinander, sondern ergänzen sich sinnvoll.

„Projekte in ganz unterschiedlichen Größenordnungen lassen sich heute realisieren, vom kleineren Mehrfamilienhaus bis hin zu großen Anlagen. Letztere bringen jedoch besondere Herausforderungen mit sich. Bei größeren Wohneinheiten steigen die Anforderungen deutlich, insbesondere bei Genehmigungen, bei der Finanzierung und beim personellen Aufwand. Solche Vorhaben erfordern erhebliche Kapazitäten und lassen sich neben dem laufenden Tagesgeschäft nur schwer umsetzen“, erläutert Haas.

Vor diesem Hintergrund sieht Haas das Auftreten neuer Marktteilnehmer, wie Nokera oder Gropyus, als wertvollen Impuls: „Diese Unternehmen bringen neue Denkweisen in die Branche ein, setzen auf digitalisierte Abläufe und konzentrieren sich auf großvolumige Bauprojekte. Sie sprechen andere Kundengruppen an und bedienen ein Marktsegment, das sich klar vom eigenen unterscheidet. Nicht als direkte Konkurrenz, sondern als ergänzender Teil eines sich wandelnden Marktes.“

Automatisierte Planung

Seit fünf Jahren unterstützt die Haas Group ihre Kunden mit einem digitalen Konfigurator. „Ein Haus ist und bleibt ein Lebensprojekt. Vertrauen, persönliche Begleitung und individuelle Entscheidungen spielen eine zentrale Rolle. Genau deshalb setzen wir auf digitale Lösungen, die nicht ersetzen, sondern stärken. Die Verbindung von digitaler Klarheit und persönlicher Nähe ist der entscheidende Unterschied. Mit unserem Konfigurator können wir die Planung vereinfachen und die Kunden gezielt lenken. Als Nebeneffekt erhalten wir einen fertigen Plan und einen digitalen Zwilling, der sich künftig auszahlen wird. Nur durch automatisierte Planung lassen sich Komplexität und individuelle Wünsche effizient abbilden.“ Das Potenzial von tatsächlich systemisch und seriell gefertigten Gebäuden beziffert Haas mit bis zu 30 % geringeren Verkaufspreisen.

Als entscheidenden Faktor der kommenden Jahre sieht Haas nicht die Auftragslage, sondern die qualifizierten Mitarbeiter: „Wer schon in Effizienzsteigerung und neue Technologien investiert hat, wird gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die wachsende Nachfrage nach Holzbau kommt inzwischen sowohl aus der breiten Bevölkerung als auch von Investoren. Damit wird unsere Bauweise zur Antwort auf immer mehr Fragen der Bauwirtschaft. Nicht die Aufträge, sondern der Mangel an Fachpersonal wird künftig unser größtes Problem sein. Deshalb ist die Sichtbarkeit der Branche von entscheidender Bedeutung.“