Herr Bock, Weinig hat auf der Ligna verkündet, sich für das Projektgeschäft neu aufzustellen. Wie ist hier der Status quo?
Michael Bock will mit den Anlagen der Weinig Gruppe für die Kunden das Maximale aus dem wertvollen Rohstoff Holz herausholen. © Weinig
Michael Bock: Die Neuaufstellung läuft mit voller Geschwindigkeit auf das Go Live am 1. Januar 2026 zu. Wir haben zur Ligna bereits eine Art virtuelle Gesellschaft implementiert, in der alle Teams zusammengezogen wurden, die bei Weinig an verketteten Systemprojekten arbeiten. In dieser virtuellen Gesellschaft haben wir begonnen, uns neu aufzustellen. Insbesondere arbeiten wir die Unterschiede zwischen einer Maschinenbau- und einer Anlagenbauorganisation heraus, um diese besser zu definieren. Zwischenzeitlich haben wir die Weinig System Solutions GmbH & Co. KG gegründet, in die wir diese Mannschaft und die erarbeiteten Strukturen überführen.
Warum wurde Weinig System Solutions gegründet?
Michael Bock: Weinig System Solutions ist entstanden, um mehr zu bieten – mehr Integration, mehr Verantwortung, mehr Kundennutzen. Unsere Kunden erwarten ganzheitliche Lösungen, keine Einzelmaschinen. Sie wollen Partner, die Planung, Technologie und Integration aus einer Hand liefern.
Mit Weinig System Solutions haben wir die Kompetenzen aller zentralen Prozessbereiche gebündelt – vom Hobeln, Scannen, Zuschnitt, Keilzinken und Verleimen bis hin zum Handling, zur Automatisierung, Oberflächenbearbeitung, wie schleifen, und zur Verpackung. Wir bieten unseren Kunden dies zukünftig aus einer Hand – mit einem verantwortlichen Angebotsleiter und nach Auftragserteilung mit einem zuständigen Projektleiter.
Was unterscheidet Weinig System Solutions von anderen Anbietern?
Michael Bock: Wir denken nicht in Maschinen, sondern in Prozessen und Wertschöpfungsketten.
Weinig System Solutions verknüpft Technologien zu ganzheitlichen Produktionssystemen, die nahtlos ineinandergreifen – von der Rohholzzuführung über den intelligenten Scanner und das effiziente, verlustoptimierte Hobeln bis zum keilgezinkten, verleimten und fertig bearbeiteten Werkstück.
Wir unterstützen unsere Kunden dabei, den Gesamtprozess auf Effizienz, Materialausbeute und Qualität auszurichten und schöpfen dabei aus der jahrzehntelangen Erfahrung als Technologieführer.
Weinig deckt diese Bandbreite als einziger Anbieter mit eigener Technologie ab. Das macht Weinig System Solutions einzigartig – vom Sägewerk bis zum Endprodukt. Das ist Systemkompetenz mit Kraft, Nähe und Weitblick – typisch Weinig.
Zu Ihrem Projektkonzept gehört ja auch die HIT. Welche Rolle spielt die HIT für Systemlösungen?
Michael Bock: HIT ist – neben ihrer Sägewerkskompetenz – unser Systemintegrator. Wir haben die Weinig System Solutions primär auf schlüsselfertige Festpreislösungen ausgerichtet, die zu großen Teilen auf dem Weinig-Portfolio aufbaut. HIT orientiert sich an ihrer Stärke, mit dem Kunden gemeinsam Projekte zu implementieren, die oft über einen längeren Zeitraum gemeinsam entwickelt werden und ein hohes Maß an Flexibilität hinsichtlich der Technologie und unterschiedlicher Varianten der technischen Lösung verlangen. Das sind Aufgabenstellungen, für die das kleinere, agilere Setup der HIT prädestiniert ist.
Wir haben uns hier sehr bewusst zweigleisig aufgestellt, denn es gibt Kunden, die bei Auftragsvergabe exakt wissen müssen, was wann zu welchem Preis geliefert wird. Das ist zum Beispiel oft der Fall, wenn größere Neubauten mit Investoren besprochen werden. Hier ist die Weinig System Solutions der richtige Partner. Es gibt aber auch Kunden, die einen Partner suchen, mit dem sie zum Beispiel ihr vorhandenes Werk erweitern und optimieren wollen, das machen wir dann häufig mit der HIT. Dazwischen gibt es eine große Zahl von Projekten, die sowohl von der Weinig System Solutions als auch der HIT angeboten werden können – hier entscheidet dann der Kunde, welches Modell er bevorzugt.
Diese Aufgabenteilung ist kein Gegensatz, sondern unsere größte Stärke: Weinig System Solutions und HIT – gemeinsam bieten wir mehr.
Das heißt Kunden, die zukünftig mit Ihnen arbeiten wollen, haben die Wahl zwischen Weinig System Solutions und HIT?
Michael Bock: Prinzipiell ja, wobei es natürlich Themen gibt, die in einer der beiden Gesellschaften besser aufgehoben sind. In beiden Unternehmen finden die Kunden aber die Betreuung, die sie für solche Projekte suchen, von der Konzeptberatung und Projektierung, der Angebotserstellung bis hin zur professionellen Implementierung.
Für Kunden ist es von Bedeutung zu wissen, dass die Weinig System Solutions, ebenso wie die Weinig Vertrieb und Service, als hundertprozentige Tochtergesellschaft zur Weinig Gruppe zählt. Wir sind genauso über die Gruppe abgesichert und ausgestattet. Der wesentliche Unterschied ist, dass wir uns voll auf den Wachstumsmarkt Projektgeschäft, also zusammenhängende Systeme mit übergeordneter Steuerung konzentrieren. Unsere Abläufe und Kompetenzen sind auf dieses Geschäft hin ausgerichtet.
Die HIT gehört ab dem 1. Januar 2026 ebenfalls zu 100 % zu Weinig.
Was definieren Sie denn als Projekt in diesem Zusammenhang?
Michael Bock: Vereinfacht gesprochen alles, was miteinander verkettete Maschinen betrifft, die gegebenenfalls auch über Leitrechner verbunden sind und einen synchronisierten Prozessfluss vom Rohmaterial bis zum Endprodukt ermöglichen. Hier erkennen wir einen Trend im Markt, der einerseits vom Wunsch nach effizientem und automatisiertem Produzieren sowie andererseits durch den Mangel an Fachkräften und erfahrenen Maschinenbedienern getrieben wird. Eine intelligent verkettete Linie braucht weniger Bediener und kann mit Blick auf die Leistung wesentlich besser optimiert werden, als von Hand beschickte Einzelmaschinen.
Bedient die Weinig System Solutions das Konstruktionsholzsegment, also BSH- oder BSP-Produktionen?
Michael Bock: Das ist sicherlich ein aktueller Schwerpunkt, aber wir bedienen grundsätzlich alles, was in diesen verketteten Linien angefragt wird. Dazu gehören zum Beispiel auch unsere Fenstersysteme, die mehr und mehr als Komplettlösung mit Hobel, Kappsäge, Puffer und Materialtransport angefragt werden. Wir haben in der jüngeren Vergangenheit eine Linie für die Produktion von Gerüstbohlen implementiert und sind auch jetzt wieder in dieser Branche aktiv. Letztlich geht es für uns darum, ganzheitlicher Anbieter von Systemen zu sein, daher auch der Name – Systemlösungen.
Welche technologischen Trends beeinflussen Ihre Arbeit am stärksten?
Michael Bock: Drei Themen stehen im Fokus. Das ist einmal die Holzeffizienz – der Rohstoff Holz wird knapper und teurer. Wir fassen das bei Weinig unter den Begriff Wood Saving Systems zusammen. Prozesse, wie das konische Hobeln, erhöhen die Materialausbeute signifikant und ermöglichen eine ressourcenschonende Produktion. Der zweite Trend ist das holzoptimierte Verleimen. Intelligente Leimprozesse für konische Geometrien ermöglichen eine Materialmaximierung. Dritter Punkt ist die integrierte Automatisierung – von der digitalen Teileverfolgung über Robotik bis zum Weinig-Leitrechner. Das sorgt für kürzere Durchlaufzeiten, mehr Transparenz und maximale Prozesssicherheit. Kurz gesagt: Effizienz, Integration und Intelligenz sind die drei Säulen moderner Holzbearbeitung – und genau hier setzt Weinig System Solutions an.
Was ist Ihre persönliche Vision für Weinig System Solutions?
Michael Bock: Unsere Vision ist, das Maximum aus Holz herauszuholen – mit System, Leidenschaft und Verantwortung. Wir glauben daran, dass unsere Technologie dann am stärksten ist, wenn sie echten Nutzen stiftet – für Betriebe, Menschen und Umwelt. Jeder Projektkunde wird bei Weinig System Solutions partnerschaftlich begleitet – von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme und darüber hinaus. Diese enge Zusammenarbeit sorgt für mehr Vertrauen, mehr Transparenz und mehr Sicherheit. Unsere Kunden wissen: Wenn Weinig System Solutions ein Projekt übernimmt, dann funktioniert es – und zwar langfristig. Denn wir denken immer mit, weiter und voraus.
Oder wie wir es sagen: Wir sind der Partner, der Verantwortung übernimmt – für Projekte, Prozesse und die Zukunft.