In den vergangenen Jahren entwickelte der Holzbaumeister Andreas Reßle sein Unternehmen ARS Starkholzplatten Schritt für Schritt zum voll integrierten Standort samt Sägewerk, Weiterverarbeitung, Entwicklungsabteilung, Planungsteam und eigener Zimmerei. Dabei spielen nach wie vor seine selbst und immer weiterentwickelten Vollholzwand-Systeme eine zentrale Rolle.
Diese sind aus stehenden, unverklebten Massivholzlamellen in der Mittelschicht sowie 9 bis 46 mm dicken Massivholzplatten als Decklagen zusammengesetzt. Diverse Varianten mit genuteten Lamellen in der Mittelschicht oder Decklagen aus Buchenholz verbessern dabei die Dämmleistung oder erhöhen die Tragfähigkeit der Elemente (s. BSP Special 2024, S. 16 bis 18).
Parallel zum Hochfahren des 2017 gekauften Sägewerks errichtete Reßle 2021 am bayerischen Standort Roßhaupten eine neue Abbundhalle samt Hochleistungs-CNC-Anlage und Vakuumkran, der 2022 in Betrieb ging. Dabei entschied sich der Holzbaumeister für eine bewährte, halbautomatisierte Lösung des österreichischen Herstellers Voith.
Rasches Wachstum
Bei Voith weiß man, wie man große und schwere, aber auch kleine Elemente sicher und rasch verhebt. Der im oberösterreichischen Traun ansässige Hersteller hat sich auf Kranlösungen für unterschiedliche Industriezweige spezialisiert. Zusätzlich zum Hauptgeschäft in der Stahlbranche, entwickelte sich dabei die Holzindustrie als zweitgrößtes Standbein des Unternehmens. Neben Krananlagen für BSH und Schnittholz, finden sich Voith-Kranlösungen in zahlreichen BSP-Werken rund um den Globus. „Wir bieten ebenso manuelle wie halb- und vollautomatische Lösungen, je nach Anwendungsfall und Betriebsgröße“, informiert Voith-Verkaufsingenieur Benedikt Stadler. Dabei manipulieren die Kräne nicht nur fertige Platten, sondern auch Rohwarenpakete sowie einzelne Längs- und Querlagen.
Bei ARS realisierte Voith 2022 ein Kranprojekt mit drei Hubwerken, welche drei Vakuumtraversen bewegen. Zwei dieser Vakuumtraversen sind mittels Verstell-Laufkatzen auf der Hauptlaufkatze im Abstand zueinander verstellbar. „Dies ist für den flexiblen Transport von kurzen bis zu ganz langen und schweren Elementen mit bis zu 16 m notwendig“, erläutert Stadler und fügt hinzu, dass das dritte Hubwerk samt der dazugehörigen Vakuumtraverse für Kleinteile, wie Türen- und Fensterausschnitte konzipiert wurde. Darüber hinaus verfügt die Anlage über eine Wendeeinrichtung zum Plattendrehen sowie eine Schrägseil-Laststabilisierung für ein sicheres und präzises positionieren der Elemente. Neben der Beschickung der CNC-Anlage übernahm der Kran auch die Be- und Entladung der Lkw. „Das hat von Anfang an gut geklappt. Mit rasch zunehmender Produktionsmenge erreichten wir allerdings bald die Auslastungsgrenze des Krans, weshalb wir uns Anfang 2024 abermals mit Voith in Verbindung setzten“, berichtet ARS-Werksleiter Christian Schamper.
Flexibler Verladekran
Während der erste Kran weiterhin die CNC-Anlage be- und entlädt, konzipierte Voith den zweiten Kran speziell für die Lkw-Verladung. „ARS hatte dabei einige Spezialwünsche, die wir, wie bei allen unseren Projekten, gerne umgesetzt haben“, betont Stadler und nennt eine Klemmzangeneinrichtung für beplankte Elemente oder auch ein Kamerasystem für jede Vakuumtraverse als Beispiele.
Konkret lieferte Voith einen Kombi-Vakuumverladekran mit 27 t Eigengewicht und einer Vakuumtragfähigkeit an der Haupttraverse von 4,5 t. Gemeinsam mit den 1,8 t Tragfähigkeit der Hilfstraverse für kleine Teile ergibt sich eine Gesamtnutzlast der Vakuumheber von 6,3 t.
Das Hauptvakuumgehänge stattete Voith mit 24 Vakuumsaugplatten aus, womit 600 mal 600 mm bis 9000 mal 3500 mm große Platten bewegt werden können. Für längere Platten kommt entweder auch das Hilfsvakuumgehänge oder der 2022 gelieferte Kran für bis zu 16 m lange Platten zum Einsatz. Zum Manipulieren von besonders schmalen und langen oder auch kurzen und breiten Platten sind die Vakuumsauger in vier Längs- und sechs Quergruppen unterteilt, die sich separat zu- und wegschalten lassen.
Die Zweiträger-Hauptlaufkatze ist, wie die Einträger-Hilfslaufkatze, mit einer Schrägseil-Laststabilisierung in Kran- und Katzfahrrichtung ausgestattet. Da die Hauptlaufkatze zwischen den beiden Brückenträgern fährt, kann diese unabhängig von der anderen Laufkatze verfahren, welche wiederum auskragend auf einer der Hauptträgerseiten positioniert wurde.
Am Hauptvakuumgehänge führte Voith zwei Aufnahmesterne gelenkig und elektrisch verstellbar aus, sodass die Vakuumtraverse eine horizontale Schwenkbewegung ausführen kann. „Das ist vor allem bei der Lkw-Verladung sehr vorteilhaft, wenn der Anhänger nicht exakt parallel zur Verladespur steht, oder auch zum Anpassen des Gehänges an leicht schräge Flächen, wie etwa Giebelwände“, bestätigt Schamper.
Das Hilfsgehänge ist ebenfalls mit einem Elektroantrieb ausgestattet, der eine Drehung von bis zu 270° ermöglicht. Wie bereits der erste Kran, verfügt auch die neue Anlage über eine zusätzliche Wendevorrichtung, die es ermöglicht, Platten ohne Beschädigungen zu drehen. Hierfür werden zwei 200 mm breite Gummigewebegurte um die Platte gelegt, die von Wendelaufrädern angetrieben werden, wodurch sich die Platte dreht.
Klemmen statt saugen
Speziell für ARS entwickelte Voith eine zusätzliche Klemmvorrichtung für beplankte oder isolierte Elemente, die nicht mit der Vakuumtraverse manipuliert werden können. „Hierfür haben wir Klemmpratzen in teleskopierbarer und höhenverstellbarer Ausführung angebracht. Leicht schräg nach außen angeordnet bleiben auch leicht überstehende Beplankungen unversehrt“, beschreibt Stadler die Neuentwicklung und ergänzt, dass dank der drehbar gelagerten Klemmpratzen ebenso schräge Bauteile, wie Giebelwände, aufgenommen werden können.
Alles im Blick
Gesteuert werden beide Kräne mithilfe einer Funkfernsteuerung, wobei dank der halb automatischen Ausführung vordefinierte Positionen, wie etwa „Lkw Position 2“ oder „Abbund links“ automatisch angefahren werden können. Zudem sind die beiden Vakuumtraversen des neueren Krans mit jeweils einer Kamera ausgestattet, deren Bild direkt auf die Funksteuerung übertragen wird. „Somit können wir Elemente in der gesamten Halle exakt positionieren, ohne ständig hin- und herlaufen zu müssen“, betont Schamper, der mit der neuen Kranlösung ausgesprochen zufrieden ist: „Voith hat alle unsere Anforderungen und Sonderwünsche umgesetzt und uns abermals eine praxistaugliche Anlage installiert, mit der wir bestens für die Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet sind.“