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Paternoster für 24 m lange Binderbildung bei Binder in Jenbach: Anlage ging vor kurzem in Betrieb © H.I.T.

Standbein Säge

Ein Artikel von DI (FH) Martina Nöstler | 25.04.2005 - 00:00
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Paternoster für 24 m lange Binderbildung bei Binder in Jenbach: Anlage ging vor kurzem in Betrieb © H.I.T.

Der Trend in der Holz verarbeitenden Industrie geht vermehrt Richtung Weiterverarbeitung – speziell Leimholz wie BSH, Duo-/Triolam sowie KVH. Das hat man bei H.I.T., Ettringen/DE, buchstäblich am eigenen Leib verspürt: „Im vergangenen halben Jahr hatten wir 60% Leimholz-Projekte zu realisieren“, so H.I.T.-Vertriebsleiter Franz Anton. Speziell in der Kommissionierung ist das Unternehmen gefragt. „Die Logistik in der Holzbranche muss und wird sich noch weiterentwickeln.“Herausforderung und Chance. Immer mehr Kunden bestellen Leimholz nach Liste in Kommissionen. H.I.T. verfolgt drei Ansätze, die je nach Betriebsgröße und Fertigungstiefe zum Einsatz kommen.
Die kommissionsbezogene Fertigung ist die ideale Lösung für Bauholzsäger, die Absatzschwierigkeiten beim Bauholz durch Leimholz kompensieren wollen. Mit geringen Investitionskosten kann der Säger KVH herstellen und bei Bedarf auch BSH, Duo- oder Triobalken erzeugen. Die Vorteile dieser Variante liegen laut H.I.T. in den geringen Lagerkosten der Fertigprodukte, minimaler innerbetrieblicher Transport und hohe Auslastung der Anlagen.
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Kommissionier-Säge von H.I.T. © H.I.T.

Flexible Linien-Verkettung. Mit einer leistungsfähigen Arbeitsvorbereitung und flexibler Verkettung von Produktionslinien können Aufträge optimal durch die Fertigung geschleust werden. So können Lamellen für Duobalken den gleichen Querschnitt haben wie aus einem anderen Auftrag Rohmaterial für KVH. Dies wird in einer Produktions-Einheit zusammengefasst und dementsprechend den Anlagen zugeführt. Durch die Arbeitsvorbereitung werden Aufträge so zusammengefasst, dass die Produktionslinien optimal ausgelastet sind. Ein Puffer vor und hinter jeder Fertigungs-Linie entkoppelt diese voneinander, dadurch kann die Verfügbarkeit jeder einzelnen Produktionslinie erheblich gesteigert werden.Kommissionieren aus Lager. Die dritte Alternative ist, die fertigen BSH-, KVH- oder Duo-Stangen in Fixlängen auf Lager zu legen. Das Lager kann je nach Marktsituation oder bedarfsgesteuert befüllt werden. Die Investitionskosten werden auf ein Minimum gesenkt.
Zum Kommissionieren ist ein konventionelles Flächenlager sowie eine Hobelmaschine und Kommissioniersäge notwendig. Eine Kosmetik-Station ermöglicht das Aufwerten von Industrieware zu Sichtqualität. Die kombinierte Kapp- und Auftrennsäge kann aus vorhandenen Stangen ebenso Sonderquerschnitte schneiden.
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H.I.T.-Anlage bei Kaufmann: rechts die Kosmetik-Station, unten Kommissionierung © DI (FH) Martina Nöstler

Namhafte Referenzprojekte. 2004 wurde bei Nordlam, Magdeburg/DE, ein Hochregallager mit 900 Fächern installiert. Nordlam fertigt auftragsunabhängig auf Lager. Dadurch sind große Losgrößen und ein optimaler Fertigungsfluss realisierbar. Aufträge können ohne Zeitverzögerung aus dem Lager bedient werden.
BSH-Stangen mit 24 m Länge und 600 mal 300 mm Querschnitt können bevorratet werden. Für jede Holzdimension ist eine Mindestmenge auf Lager. Die gesamte Logistik erfolgt über einen Leitrechner. Der Bediener hat Zugriff auf sämtliche Kundenaufträge.
Mittels Leitrechner wird die Ware im Lager gefunden, entnommen, gesägt und/oder gehobelt, kommissioniert, wenn nötig foliert und geht zum Versand. Damit kann Nordlam rasch auf Anfragen reagieren, ist Anton überzeugt. Für die Anlagen-Bedienung sind zwei Personen verantwortlich. Eine ähnliche Anlage wurde bei Konstrukto in Höchstädt/DE montiert.
In Montage. Bei Schneider, Eberhardzell/DE, wird derzeit der gesamte Kommissionier-Bereich von H.I.T. installiert. Auch hier gehen die Daten über einen Leitrechner, der die Pakete je nach Auftrag entweder zur Folierung oder gleich zur Verladung dirigiert. Dort wird die Ware direkt von einem Kran – geliefert von Voith, Traun – übernommen und auf Lkw gehoben.
Bei Schneider sind jetzt alle drei Werke mit der Kommissionierlinie verbunden.Perfekte Fertigungs-Logistik. Eine besondere Lösung hat sich H.I.T. bei Merkle, Nersingen/DE, einfallen lassen: Zwischen den zwei bestehenden Keilzinken-Anlagen sowie Hobelung und einer neuen Hobellinie ist nun ein Verfahrwagen in der Hallen-Längsachse im Einsatz. Sämtliche Anlagen sind mit dem Wagen online verbunden. Per Knopfdruck übernimmt dieser die Ware und bringt sie zur nächsten Bearbeitungs-Station. Die Fertigung ist auf Längen bis 18 m ausgelegt.Leimholzwerk ohne Stapler. „Mit dem Verfahrwagen braucht man bei Merkle in der Produktion keine Stapler mehr. Er regelt den gesamten innerbetrieblichen Verkehr“, zeigt sich Anton begeistert. Die Produktion sei dadurch überaus flexibel. In drei Wochen beginnt die zweite Ausbaustufe: ein Duo-Werk, das im Sommer den Betrieb aufnehmen wird.
Als dritter Part kommt danach noch eine Kosmetik-Station für Einzelstücke hinzu. Damit kann Merkle seine Kunden sowohl mit KVH als auch Duolam bedienen.
Das neue 24 m-Werk von Binder in Jenbach läuft seit kurzem. H.I.T. lieferte den gesamten Ablauf hinter der Vorhobelung. Demnächst wird noch eine fliegende Säge KSF mit einer Schnittbreite von 2 m installiert.
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Nachschnitt-Maschine NSM mit Reifzentrierwerk © H.I.T.

Großes Standbein. „Die Referenzliste der Leimholzprojekte von H.I.T. ist lang. „Für uns ist die Sägeindustrie weiterhin ein wichtiges Standbein“, so Anton mit Nachdruck. Ab Sommer dreht sich in der Fertigung alles um den Roh-Zuschnitt. Auch im Winter wurden einige Projekte realisiert. Bei Hagspiel in Hittisau stammen die Anlagen ab dem Gatter aus Ettringen: der Besäumer ASM 130/T2 mit zwei Trennflansche, Fertigwarenabwurf samt Quersortierung mit 30 Boxen und Klappenöffnung. Ein Maximum an Flexibilität war Bedingung.Gemischt produziert. Seitenware und scharfkantig prismierte Hölzer werden über eine speziell von H.I.T. entwickelte Zentrierung aufgetrennt, ohne an den äußeren Schnittflächen Späne zu produzieren. Die Kanthölzer bleiben exakt maßhaltig. Am Gatter wird nur breite Seitenware produziert, da diese am Markt mehr Absatz finden. Die Querschnitte reichen von 18 mal 75 bis 130 mal 430 mm. Geschnitten wird im gemischten Betrieb, Haupt- und Seitenware gelangen gemeinsam zum Besäumer.
Sortiert wird in 30 Boxen – aufgeteilt in zwei Mal 15 – um den Platz optimal zu nutzen. Somit war ein Maximum an Kapazität für die restliche Halle gegeben.
Im Sägewerk Deisl, Adnet, setzt man nun im Nachschnitt auch auf H.I.T.: Im Jänner nahm man einen Besäumer in Betrieb, der Stärken bis 250 mm fünfstielig variabel verarbeitet.
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Sämtliche Anlagen werden in der großen Halle bei H.I.T. zusammengebaut und getestet – hier eine Nachschnittmaschine NSM240 © H.I.T.

Fünf Dutzend Besäumer. „Die Besäum-Anlagen laufen im Verkauf gut“, heißt es bei H.I.T. Seit zehn Jahren erzeugt man nun diese Maschinen, über 60 Stück wurden bereits verkauft. „Wir legen unser Hauptaugenmerk auf Flexibilität.“ Darum seien die Besäumer besonders für klein- und mittelgroße Betriebe ideal.Neuheiten im Talon. Auf Paketier-Anlagen wird man in nächster Zeit viel Wert legen. Jeder müsse heute das Schnittholz trocknen, das verlange der Markt. Die Pakete müssen sauber gestapelt beim Kunden anlangen. Eine Paketierung mit Fremdaufgabe und 75-Boxen-Sortierung vom Typ BSK wird beim Sägewerk Kolb in Ruppertshofen/DE montiert. Weiterhin laufen zurzeit mehrere Kleinprojekte für Sägewerke.Vertrieb mehr ausbauen. Derzeit ist man bei H.I.T. bemüht, den Verkauf auf ganz Europa auszudehnen. Vor allem in Osteuropa wird neues Potenzial erwartet.
„In Österreich konnte sich H.I.T. in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Marktanteil sichern“, meint Anton.

H.I.T.-Facts

Gegründet: 1988
Standort: Ettringen/DE
Geschäftsführer: Gebhard Bertele, Franz Jeckle und Uli Kern
Produkte:
 • Rundholzplatz
 • Nachschnitt-, Zuschnitt- und Sortieranlagen
 • Mechanisierungen
 • Auftrennsägen
 • Stapelanlagen
Absatz: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Osteuropa