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Spitzbart zeigt Virtuell-Platte © Nikola Miksovsky

Entwicklungsambitionen

Ein Artikel von Nikola Miksovsky aus Kirchham | 03.12.2007 - 14:18
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Spitzbart zeigt Virtuell-Platte © Nikola Miksovsky



"Wir investieren rund 80.000 € pro Jahr in Forschung und Entwicklung”, erklärt Gerhard Spitzbart, Chef von SFK-Tischler, Kirchham. Dabei arbeitet man projektbezogen. So stehen heute verschiedene Betätigungsfelder im Unternehmensfokus. Ein Jahr Entwicklungsarbeit steckt in den neuen Oberflächen von Virtuell. Erstmals präsentierte man diese auf der Tagung des Möbel und Holzbau Cluster Oberösterreich (MHC). Auf dem Furniertag von Frischeis stellte man am 8. November das serienreife Produkt vor.

Durch 5-Achs-Frästechnik werden 3D-Oberflächen erzeugt, die meist wellenförmig zu fließen scheinen und mehrfärbig in Schichten aufgebaut sein können. Als Trägermaterialien werden meist MDF oder Massivholz verwendet, möglich sind auch beispielsweise Sperrholz/Multiplex oder PUR-Schaum. Die Oberflächen sind entweder unbehandelt, lackiert, folienbeschichtet, gebeizt, geölt oder furniert. Bei Letzteren kann die Furnier 3 mm dick und gefräst sein, oder sie wird dünn verpresst. Die Standardpaneelgrößen sind 2780 mal 1000 mm, können aber individuell variiert werden. Die Stärke kann von 4 bis 60 mm reichen. Die Muster können wiederholt werden, so kann eine beliebig große Fläche gefüllt werden. Auch Fräsungen an Säulen und Eckflächen sind machbar.

„Die Herausfoderung war das Generieren und Programmieren der Oberflächen, CNC-technisch können wir alles abdecken”, erklärt Spitzbart die Entstehungsgeschichte. Erste Aufträge wurden bereits ausgeführt, so hat SFK eine Nordsee-Filiale mit einer gesandeten Wellenoberfläche gestaltet - Meeresfeeling inklusive. Der Internet-Auftritt von Virtuell wird Anfang 2008 und eigenständig erfolgen.



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Formen aus Naturfaser: Comp-x © Nikola Miksovsky

Formenbau. Neben der traditionellen Möbeltischlerei hat sich das Unternehmen auf Formenbau und Serienfertigung spezialisiert. Mit dem Einsatz von CAD- und CAM-Technik arbeitet man im Prototypen-, Formen- und Werkzeugbau. Für die Flugzeug- und Bahnindustrie ist man ebenso tätig wie im Modellbau oder der Auto- oder Ski-Industrie. In der CNC-Serienfertigung produziert man auf drei CNC-Bearbeitungszentren, zwei von Homag, eines von Geiss. Das erste wurde vor zehn Jahren angeschafft, das zweite 2004 und das letzte 2006. Alle drei Maschinen sind voll ausgelastet. Holz, Kunststoffe und Leichtmetalle können auf der 5-Achs-CNC-Fräse bearbeitet werden.

Basis Naturfaser. Mit Comp-x hat SFK-Tischler eine neue Technologie entwickelt, stabile Formteile aus Naturfaser zu fertigen. Dazu wird eine Faser aus Hanf, Flachs und Sisal in Harz getränkt und unter Hitze von 180° C und hohem Druck geformt. Das Ergebnis ist ein Bauteil, der bei geringem Gewicht über große Festigkeit verfügt. „Man kann darauf spazieren gehen”, meint Spitzbart zufrieden. Weiterer Vorteil dieser Fertigungsart: Die Materialstärke bleibt bei der Endform in allen Rundungen und Wölbungen gleich stark, was bei herkömmlichem Tiefziehen nicht der Fall ist. Comp-x ist für den Möbelbau noch nicht ausgereift, es eignet sich aber als Ersatz für Blech- oder GFK-Teile (Glasfaserverstärkte Kunststoffe). Da man ein Werkzeug benötigt, ist nur Serienfertigung sinnvoll. Aktuell kooperiert man für eine Weiterentwicklung mit Wood K plus und dem IFA-Tulln.

Ein Betätigungsfeld von SFK-Tischler stellt das Hightech Support and Solution Center HTS-SC dar: Es handelt sich um einen losen Firmenverbund, in dem Konstrukteure zusammenarbeiten. Hier konzentriert man sich auf durchgängig digitale Prozessketten, Prototypen- sowie Werkzeugbau und Fertigungstechnologien.
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Generieren einer Virtuell-Oberfläche © Nikola Miksovsky

Unternehmensauftritt. SFK tritt Anfang 2008 mit neuem Gewand auf: Die Website wird mit überarbeitetem Logo gestartet. Dieses zeigt die drei Buchstaben SFK, jeweils hinterlegt mit einem anderen Material: Holz, Kunststoff und Alu. Im Möbelbereich arbeitet man auch mit Architekten und Designern zusammen. Eine Kooperation wurde beispielsweise mit Stefan Bartel und Erich Gaffal mit der Einrichtungslinie Mocca umgesetzt. Cleaner Schick zeichnet die Möbel aus, die seit 2002 über den Fachhandel vertrieben werden.

Bei so vielen Aktivitäten klappt nicht immer alles wie gewünscht: Das Konzept „Gstrickte Möbel” ging nicht auf. SFK versuchte hier zwischen 2002 und 2005 über den Textilhandel die eigenen Möbel zu vertreiben. Doch, so Spitzbart: „Wir haben die falsche Zielgruppe angesprochen, außerdem ist der Textilhandel zu stark in Ketten strukturiert.” Im Unternehmen, das auf einem Areal mit dem Tischlerbetrieb des Bruders Johann Spitzbart liegt, wird nun eine der Töchter intensiver einsteigen. Denn auf Gerhard Spitzbart wartet eine neue Aufgabe: Er wird Landesinnungsmeister von Oberösterreich (Holzdesign 11/2007, Seite 30).