Baukonjunktur und EU-Sanktionen
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ergaben sich aus der schwachen Baukonjunktur. Die wichtigsten Absatzmärkte sind Deutschland und Frankreich. In beiden Ländern verfügt das Unternehmen über Innen- und Außendienstmitarbeiter.
Hinzu kamen die EU-Sanktionen auf russische Holzimporte nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar. Danach war Mocopinus vor allem von der Rohmaterialversorgung mit Sibirischer Lärche abgeschnitten. In der Folge wurde das Holzartenspektrum neben nordischer Fichte und Kiefer um kanadische Lärche und Douglasie erweitert, um die russische Rohware zu substituieren. Hierfür wurde auch der Zukauf von thermisch modifizierter Fichte und Kiefer ausgebaut.
Objektgeschäft statt Lagerware
In den vergangenen Jahren hat Mocopinus die Weiterverarbeitung der vor allem in Karlsruhe produzierten Hobelware zu Fassadenelementen ausgebaut. Damit sollte das Objektgeschäft über Architekten und Planer direkt an Holzbaubetriebe ausgebaut werden. Allerdings ist Mocopinus damit auch in Konkurrenz zum bisherigen Kundenkreis, dem Holzhandel, getreten. Die auftragsbezogene Fertigung der Fassaden erfolgt größtenteils in Ammelshain. Aus der Herstellung von Lagerware für den Holzhandel wollte sich Mocopinus zurückziehen.
Das den Umsatz dominierende Fassadenprogramm wurde in den vergangenen Jahren unter anderem durch das noch im November 2025 kurz vor dem Insolvenzantrag vom GD Holz mit dem Woody Award ausgezeichnete Profil „Pinuflex“ erweitert. Für die vor einigen Jahren eingeführte Produktlinie „Carboris“ mit verkohltem beziehungsweise karbonisiertem Holz erfolgt die Fertigung bei einem Lohnunternehmen.
Mit Abstand folgen Terrassendielen und Hobelware für den Innenausbau. Um die steigende Nachfrage nach Hölzern mit Altholz-Optik zu bedienen, hat Mocopinus 2023 eine Dämpfkammer aufgestellt.
Eine hohe Bekanntheit hat Mocopinus im Holzhandel für die Oberflächenveredelung von Hobelware. Am Standort Karlsruhe verfügt das Unternehmen über eigene Produktionsanlagen für Farben und Lacke.
Zu innovativ?
Generell wird das Unternehmen von Marktbegleitern dafür gelobt, was es für die Holzverwendung geleistet hat. Die konstante Weiterentwicklung und der Einsatz neuartiger Produkte waren positiv für die Branche. Eventuell war die Taktzahl an Neuentwicklungen in Zeiten nachlassender Konjunktur zuletzt zu hoch. „Jedes Jahr etwas Neues zu entwickeln, ist zu viel. Die Neuheiten müssen immer auch großhandelsfähig sein“, meint ein Marktbegleiter, ergänzt jedoch: „Als Holzfan tut mir das Unternehmensschicksal wirklich weh.“
Rote Zahlen 2024
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Mocopinus hatten sich bereits 2024 abgezeichnet. 2025 wurde ein Beratungsunternehmen mit der Ausarbeitung und Durchführung von Restrukturierungsmaßnahmen beauftragt. Im letzten verfügbaren Geschäftsbericht weist Mocopinus für 2024 einen Umsatz von 80,2 Mio. € aus. 2023 waren es 88,4 Mio. €. Der Jahresfehlbetrag nach Steuern lag bei –7,9 Mio. €. 2023 konnte Mocopinus noch einen kleinen Gewinn von 71.100 € ausweisen.
Schätzungen von Brancheninsidern gehen davon aus, dass die Produktionsmenge bei der Hobelware zuletzt gut 30 % unter den Vorjahresmengen gelegen hat. Die dadurch steigenden Fixkosten drückten auf die Marge. „Der Fall zeigt, wie hart derzeit die Marktlage ist. Man darf sich keine Fehler leisten“, meint ein Brancheninsider.
Kein kompletter Ersatz
Angesichts der Absatzlage werden die Mocopinus-Produktionsmengen wohl nicht komplett zu Marktbegleitern wandern können. Die neuen Lieferanten werden jedenfalls ein gutes Rundumservice liefern müssen – die bisherigen Kunden wurden verwöhnt. Speziell oberflächenbehandelte Fassadenlösungen dürften gefragt sein.
Nachdem sich die Geschäftslage 2025 nicht gebessert hatte, stellte Mocopinus am 1. Dezember Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Das Unternehmen wurde seitdem von der Geschäftsführung, dem Sachwalter Stemshorn und Rechtsanwalt Stephan Strumpf von der Kanzlei Finkenhof als Generalhandlungsbevollmächtigten geführt.
| Jahr | Beschreibung |
|---|---|
| 2026 | Schließung der Standorte Ulm/DE, Karlsruhe/DE und Ammelshain/DE |
| 2025 | Insolvenzantrag |
| 2024 | Übernahme Lignum-Finish in Aitrach/DE |
| 2020 | Modernisierung d. Werke Karlsruhe u. Ammelshain mit Woodeye-Scannern |
| 2013 | Verschmelzung von Moco J.A. Molfenter, Pinus Holzimport, Pinufin Oberflächentechnik und Moco Holzwerke zu Mocopinus |
| 2013 | Rückzug der Familien Scheuffele aus operativem Geschäft |
| 2013 | Schließung Hobelwerk und Versandlager der Moco J.A. Molfenter in Ulm |
| 2009 | Extrusionslinie für WPC in Ammelshain |
| 2008 | Schließung Sägewerk Gessertshausen/DE |
| 1998 | Brand Hobelwerk Ulm |
| 1991 | Kauf des ehemaligen VEB „Holzhandel Leipzig“ in Ammelshain |
| 1986 | Einstieg in Farbauftrag, Lack- und Lasurfertigung |
| 1968 | Gründung Holzimportfirma Pinus in Karlsruhe |
| 1865 | Gründung Holzhandlung durch Familien Molfenter und Scheuffele in Ulm |