Bayerische Staatsforsten

Der beste Wald für Bayern

Ein Artikel von Martina Nöstler (für holzkurier.com bearbeitet) | 09.07.2025 - 08:03

Die turbulente Gründungsphase:

Rudolf Plochmann: Eine leichte Geburt war es nicht: Die Bayerischen Staatsforsten haben zwar 2005 die Arbeit aufgenommen, die Unternehmensgeschichte reicht aber eigentlich etwas weiter zurück. Ein Volksbegehren gegen die Unternehmensgründung war zuvor nur knapp gescheitert. Die Vorbehalte in Teilen der Bevölkerung waren groß, beinahe jede Baumfällung wurde damals kritisch begleitet.

Manfred Kröninger: Die Stimmung war anfangs sehr kritisch, fast aufgeheizt. Das hat sich aber relativ schnell gelegt, weil die Menschen gesehen haben, dass wir gute Arbeit leisten. Wenn wir aus heutiger Sicht zurückblicken, können wir sagen: Die Befürchtungen, der Wald könnte ausgebeutet werden, haben sich nicht bewahrheitet. Aber sie haben die BaySF vor allem zu Beginn geprägt.

Plochmann: Wir haben sehr schnell verstanden: Akzeptanz für das Unternehmen – und für die Forstwirtschaft insgesamt – können wir nur schaffen, wenn wir die Menschen mitnehmen. Wir mussten und müssen uns erklären und kommunizieren – überall: im Wald, über die Medien und immer stärker auch auf verschiedenen digitalen Kanälen. Warum bewirtschaften wir die Wälder? Wie arbeiten wir? Welche Rolle spielen Naturschutz und Erholungsfunktion und wie lässt sich alles unter einen Hut bringen?

Modernisierung als roter Faden:

Kröninger: Wenn es ein Thema gibt, das sich durch die Unternehmensgeschichte zieht, ist es die Modernisierung: Von der Einführung digitaler Geräte und Software, wie die Borkenkäfer-App, die die Suche und Aufarbeitung nach Schadholz deutlich beschleunigt, über die Modernisierung von Holzernteverfahren, Lagerkonzepten und Produktionsprozessen bis hin zu einer hochwertigen Schutzausrüstung und Online-Schulungsmöglichkeiten für die Forstwirte finden sich Jahr für Jahr zahlreiche Neuerungen in der Unternehmensgeschichte.

Plochmann: Die Geschwindigkeit, mit der die BaySF sich weiterentwickelte, erhöhte sich spätestens 2018 nochmal deutlich. Denn als Folge des menschengemachten und immer stärker spürbaren Klimawandels setzen Stürme, höhere Temperaturen, ausbleibende Niederschläge und daraus resultierende Käferkalamitäten den Wäldern in großen Teilen Europas massiv zu. Die Folge: Ein gewaltiges Überangebot am Holzmarkt und Preise im Sinkflug. Was einige Jahre zuvor noch undenkbar schien, trat ein: rote Zahlen in den Geschäftsbüchern.

Über die Finanzsituation:

Kröninger: Verluste sind entweder das Ende eines Unternehmens oder ein Katalysator für Veränderung. Wir haben uns verändert, gewissermaßen erneuert. Die große europäische Holzmarktkrise war Anlass, uns neu und vor allem moderner aufzustellen: Die „normale Forstwirtschaft“, wie wir sie von früher kennen, gibt es nicht mehr. Die Forstwirtschaft der Gegenwart beziehungsweise der Zukunft ist aufgrund des Klimawandels und der unsicheren wirtschaftlichen Lage geprägt von schnellen Entscheidungen, raschen Reaktionen sowie Umsteuerungen und erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und Agilität. Die Grundvoraussetzung ist, dass wir in Zeiten des Klimawandels mit immer größeren Volatilitäten und häufiger eintretenden Schadereignissen den Wald erhalten und einen klimastabilen Wald gestalten. Darauf haben wir uns ausgerichtet, nicht zuletzt mit unserem „Klimawald-Fonds“: Gewinne bleiben im Unternehmen und sichern in wirtschaftlich schlechten Zeiten die Waldpflege und den Walderhalt.

Plochmann: Walderhalt ist die Basis für den unternehmerischen Erfolg, denn wer den Walderhalt nicht hinbekommt und große Kahlflächen entstehen lässt, ist auf Jahrzehnte beschäftigt und finanziell gebunden. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Jagd: Großflächige, gemischte Waldverjüngung gelingt nur mit einer konsequent an den Notwendigkeiten des Waldumbaus und den Bedürfnissen des Wildes ausgerichteten Jagd. Die „Trophäe“ des modernen Jägers ist eine gelungene Waldverjüngung. Walderhalt bedeutet aber auch, dass in Zukunft immer wertvoller werdendes Rundholz am Markt angeboten werden kann.

Kröninger: Neben diesem Grundsatz hat sich das Aufgabenspektrum enorm vergrößert: Die BaySF übernimmt viel mehr Aufgaben für die Gesellschaft als noch vor 20 Jahren. Neben dem zur Verfügung stellen von heimischem Holz werden auch die gesellschaftlichen Ansprüche an Natur- und Artenschutz, Trinkwasserversorgung, Erholungsnutzung (Regeneration, Sport) und dem Bereitstellen von Flächen für regenerative Energien immer größer.

Über die neue Vision der Bayerischen Staatsforsten:

Plochmann: Die neue Vision nimmt den roten Faden der Modernisierung und der gestiegenen gesellschaftlichen Ansprüche auf –zukunftsgewandtes Gestalten mit einem klaren Ziel: „Der beste Wald für Bayern“. Diese Formulierung ist bewusst offen gehalten für Interpretationen. Der „beste Wald“ am Stadtrand von München oder Nürnberg ist ein anderer als im Bayerischen Wald oder in den Alpen. Der „beste Wald“ ist für Naturschutzverbände ein anderer als für die holzverarbeitende Industrie oder Erholungssuchende.

Kröninger: Deshalb auch die Formulierung, dass wir den Wald nicht für eine bestimmte gesellschaftliche Gruppierung, sondern bestmöglich für alle Menschen gestalten. Die naturnahe, integrative Forstwirtschaft strebt in ihrem Kern nach einem Ausgleich der unterschiedlichen Ansprüche.

Plochmann: Klar wird dadurch aber auch: Die Beschäftigten der Bayerischen Staatsforsten stehen in einer großen Verantwortung – für den Wald, die Menschen in Bayern und für das Unternehmen Bayerische Staatsforsten.