Das Lenzing Wood Portal wird ab September an die Lieferanten der Lenzing AG ausgerollt © Latschbacher
„Ab 1. Januar 2026 nehmen wir keine Ware mehr an, die nicht EUDR-geprüft ist. Von den Lieferanten wird dafür lediglich die EUDR-Nummer benötigt. Der Rest läuft bei uns“, erklärt Bernd Staudinger, Pulp Commercial Business Expert, des Dissolvingzellstoff- und Faserherstellers Lenzing AG, am Stammsitz in Lenzing im Salzkammergut.
Möglich wird dies durch das Lenzing Wood Portal, das seit Anfang September allen aktiven Lieferanten von Hackschnitzeln und Industrieholz bei Lenzing zur Verfügung steht. Die gemeinsam mit Latschbacher entwickelte Lösung für die Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) baut auf einem modularen Baukastensystem des Holzlogistik-Experten auf. Die Basis bilden der 2017 eingeführte elektronische Lieferschein und das 2021 gestartete digitale Warenwirtschaftssystem WinforstPro NG. „Alle Softwarelösungen von Latschbacher nutzen dabei den Standard FHP-DATLOG der Kooperationsplattform Forst-Holz-Papier (FHP)“, erklärt Florian Lutzmayer, Projektleiter bei Latschbacher. „Die EUDR-Einbindung ist ein komplexes Thema, in dessen Umsetzung wir zusammen mit Latschbacher 800 Arbeitsstunden investiert haben. Das Ergebnis, das Lenzing Wood Portal, sollte einfach und verständlich sein. Das ist uns sehr gut gelungen“, betont Staudinger.
Von Registrierung bis Lieferung
In der Praxis funktioniert das folgendermaßen: Die Waldbesitzer registrieren sich im EUDR-Register und erhalten eine individuelle Registrierungsnummer. Danach erfolgt eine Risikoüberprüfung des Holzlieferanten sowie der EUDR-Registrierungsnummer seitens Lenzing. Wenn der Waldbesitzer Holz an Lenzing liefern will, gibt er in der Lenzing-Portal-App, eine SIN (Supply Information Note) mit Produktionsstandort (eigene Nummer), Lagerort (eigene Nummer) sowie Liefermenge, gegebenenfalls Vertragsgrundlage, ein. Der Lenzing-Holzeinkäufer erstellt einmal im Monat eine Auftragsbestätigung und informiert ein Transportunternehmen. Dieses erhält über das Lenzing Portal den auf GPS-Daten basierenden Lagerort und kann über den E-Lieferschein das Holz abtransportieren.
Für Lenzing stellt das Lenzing Wood Portal einen wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung dar, da es sowohl die Transparenz und Kontrolle für beide Seiten erhöht, als auch den Aufwand minimiert“, führt Staudinger weiter aus. Mit der neuen Softwarelösung sehen beide Seiten die gleichen Informationen zur selben Zeit. Unterschiedliche Datengrundlagen gehören der Vergangenheit an. Vorteile der Lieferanten sind die Statusverfolgung von Bestellungen, Lieferungen und Zahlungen, ein zentrales Dokumentenmanagement mit Zugriff auf relevante Unterlagen sowie einen Audit-Trail zur Nachvollziehbarkeit aller Aktivitäten und Transaktionen.
Staudinger geht davon aus, dass das Lenzing Wood Portal bis Jahresende von der Mehrheit der Lieferanten verwendet wird.
Fokus Holzbeschaffung
Die Hackschnitzel dienen unter anderem der Eigen- und Biomasseversorgung der beiden österreichischen Lenzing-Standorte. © Lenzing AG
„Das Portal ermöglicht es uns, bestehende Ressourcen effektiver zu nutzen. Unsere neun Holzeinkäufer können sich dank der Lenzing Wood Portal App noch intensiver auf ihre Fachkompetenz, der Beschaffung von Rohholz fokussieren“, konstatiert Staudinger. „Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Versorgungslage im Werk sicherzustellen. Dafür müssen wir viel vor Ort bei den Waldbesitzern sein. Besonders im kleinstrukturierten Privat- und bäuerlichen Wald fließt ein großer Teil des Holzes in den Hausbrand. Viele Waldbesitzer nutzen ihr Holz traditionell für den Eigenbedarf. Wir möchten sie für eine industrielle Nutzung sensibilisieren. Dabei legen wir besonderen Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit“, ergänzt Josef Leichtfried, einer von fünf Holzeinkäufern von Lenzing in Österreich. In Deutschland und Tschechien sind jeweils zwei weitere Einkäufer tätig.
Leichtfried betont ausdrücklich, dass alle Lieferanten, egal ob sie Großmengen oder nur wenige Fuhren im Jahr liefern, wichtig sind. Lenzing bezieht sein Holz aus Zen-traleuropa. Eschenholz wird regional bezogen.
Jeder Lieferant zählt
Lieferanten sind Staatswälder, Landesforsten, der Groß- und Kleinprivatwald, bäuerliche Waldbesitzervereinigungen, Forstbetriebsgemeinschaften, der Rundholzhandel sowie die Sägeindustrie. Der Bedarf an Industrieholz für die beiden Standorte Lenzing und Heiligenkreuz beträgt rund 800.000 t atro/J. Darauf entfallen 95% auf die Buchenholzgruppe und 5% auf Fichtenindustrieholz. Innerhalb der Buchenholzgruppe sind 89% Buche, 8% ist Esche, 2% ist Birke sowie 1% Ahorn. Dazu kommen noch 300.000 t atro Handelsware sowie Hackschnitzel von einigen österreichischen Buchensägewerken zur eigenen Energie- und Biomasseversorgung in Österreich.
Gekauft wird am Stock, ab Waldstraße oder frei Werk. 60% der Rohware kommt per Bahn zum Werk Lenzing, 40% per Lkw. Darüber hinaus übernimmt die Lenzing AG Rohholz für Partnerunternehmen, wie Energiekonzerne und holzverarbeitende Industrien. In der Regel wird darauf geachtet, dass auf dem Rundholzplatz in Lenzing nicht mehr als 50.000 t gelagert werden.
Lenzing AG
Standorte: Lenzing (Zentrale), Heiligenkreuz sowie sieben internationale Werke
Gründung: 1892
Leitung Holzeinkauf: Anton Putz
Mitarbeiter: 3511 (Österreich)
Rohstoffe: 800.000 t atro/J Buchenindustrieholz, 300.000 t atro/J Handelsware
Holzarten: 95% Buchenholzgruppe, 5% Fichte
Einkaufsgebiet: Zentraleuropa
Zertifizierungen: FSC, PEFC, Sure
Latschbacher
Standorte: Zentrale in Kronstorf, neun internationale Standorte
Gründung: 1968
Geschäftsführer: Klaus Latschbacher
Mitarbeiter: Kronstorf 30, weltweit 100
Umsatz: 5 Mio. € (Kronstorf), davon jeweils die Hälfte Signumat und WinforstPro
Produkte: Warenwirtschaft, Werkslogistik, Einzelstammverfolgung