Im Submeterbereich: Ein Harvester hat im dichten Wald eine schnurgerade Rückegasse freigelegt. © Wood.In.Vision
Die Plattform Wood.In.Vision (W.I.V.) ermöglicht den Import- und Export von Daten über Schnittstellen, ist maschinen- und herstellerunabhängig und liefert zugleich übersichtliche Auswertungen. Alle Beteiligten erzeugen und bearbeiten Daten und greifen im Gegenzug auf die erfassten Informationen zu. Abhängig von den Zugriffsrechten können sie zudem miteinander kommunizieren.
Sie richtet sich an Forstunternehmer, Harvester- und Rückeunternehmen, Waldeigentümer, Waldbewirtschafter sowie Holztransporteure und -logistikunternehmen. Über 80 Module oder Modulpakete stehen zur Verfügung, darunter Stammdaten, Zeiterfassung, Holzernte, Flächenbearbeitung (Mulcher-Einsätze), Kulturbegründung, Pflanzung sowie Revierbuch und Forsteinrichtung. Besonders bekannt ist das Modul Erschließungsplanung mit der digitalen Rücke-gassen- und Seiltrassenplanung.
Das Software- und Hardwareunternehmen Dieing wurde 2021 von den Brüdern Dietmar, Christoph und Manuel Dieing gegründet, die auf jahrzehntelange Erfahrung als Forstunternehmer zurückblicken. Alle Softwarelösungen werden zunächst bei Dieing Waldpflege – Gebr. Dieing getestet und zur Marktreife gebracht. Manuel Dieing sitzt regelmäßig auf seinem Harvester und erprobt die Software bis zur vollständigen Einsatzreife.
Der digitale Zwilling in der Holzernte
Alles im Blick: Der Harvesterfahrer sieht den Harvester-PC (llinks), sowie das Tablet mit der W.I.V.-Touchpad (rechts) © Wood.In.Vision
Anhand eines theoretischen Beispiels lässt sich der Holzernteprozess mithilfe der W.I.V.-Plattform veranschaulichen.
Ein Harvester bei der Holzernte: Der Fahrer beobachtet mehrere Bildschirme gleichzeitig. Die Harvester-Software des Maschinenherstellers und ein Tablet mit dem W.I.V.-Connect-System. Auf dem Fahrzeug ist eine GNSS-Antenne (Global Navigation Satellite System) angebracht, die die Position und Geschwindigkeit misst. W.I.V.-Connect erfasst zudem Produktionsdaten nach dem StanForD-Standard (Standard for Forest Machine Data and communication) über eine hochgenaue Antenne vorne am Aggregat. Dabei werden die Maschinenposition und die bereits aufgearbeiteten Holzstämme im Submeterbereich georeferenziert. Zusätzlich zur Satellitennavigation liefert ein RTK-Korrektursignal (Real Time Kinematics) über Mobilfunk eine präzise Position.
Ein Forwarder eines anderen Herstellers arbeitet nur wenige Rückegassen entfernt. Der Subunternehmer ist ebenfalls mit einem Tablet und W.I.V.-Connect ausgestattet. Aufgrund des dichten Bestands und des abfallenden Geländes kann er den Harvester nicht immer sehen. Dank W.I.V.-Connect ist das kein Problem: Auf einem Bildschirm sieht der Forwarderfahrer die gleiche aufgezeichnete Fahrspur wie der Harvesterfahrer und kann so in Echtzeit verfolgen, wo sich die andere Maschine befindet. Zusätzlich werden die vom Harvester georeferenzierten Daten des aufgearbeiteten Holzes angezeigt, sodass er exakt erkennen kann, wo das Holz liegt - links oder rechts der Gasse. Lagerplätze an der Waldstraße und bereits gerücktes Holz werden ebenfalls angezeigt. So plant der Fahrer die optimale Zuladung und ordnet die Daten den jeweiligen Lagerplätzen zu.
Georeferenziert: Gut erkennbar sind, der Harvester, das Aggregat sowie bereits aufgearbeitetes Holz © Wood.In.Vision
Florian Krepela, Sales Manager Digitale Produkte bei Wood.In.Vision, betont den Vorteil der hersteller- und maschinenunabhängigen Plattform: „Maschinen unterschiedlicher Hersteller können so miteinander kommunizieren und Daten austauschen. Gebrauchtmaschinen ohne GPS oder PC lassen sich ebenfalls einbinden.“
Der Forwarderfahrer sieht zusätzlich auf seinem Tablet beispielsweise einen Hochsitz wenige Meter von der Rückegasse, den der Harvesterfahrer zuvor im W.I.V.-System mit exakten Geodaten verortet hat. Weitere kritische Punkte, die aus Satellitendaten, Luftbildern oder Kartenmaterial nicht erkennbar sind, hat der Einsatzleiter bereits in der Planung hinzugefügt. Etwa Habitatbäume oder Felsen, die eine schnurgerade Trassenführung blockieren.
Planungskosten
„Für die Planung empfiehlt es sich, Rückegassen auf gleichförmigen Flächen in Falllinie und mit geringer Querneigung anzulegen. Bei sich ändernden Handneigungen lassen sich mehrere kleinere Teilflächen nutzen. Die Anzahl der Teilflächen entscheidet der verantwortliche Planer. Die Feinerschließung über W.I.V. kostet rund 70 €/ha, je nach Stundenlohn des Planers und kann von einer Person am Tablet erledigt werden. Der Aufwand beträgt rund 1h/ha. Nach etwa 20 bis 25 ha ist die Amortisierung erreicht“, erklärt Krepela. Beim manuellen Zwei-Mann-Verfahren entstehen Kosten von bis zu 400 €/ha, zuzüglich 6 bis 7 h/ha für Planung und Vorbereitung. Zudem führt die manuelle Methode häufig zu Unter- oder Übererschließungen, was Produktionsflächen reduziert, geht aus einer Studie hervor.
Holzmengen in Echtzeit
Einfache Eingabe: Über die App lässt sich der Arbeitsauftrag rasch erstellen und abrufen © Wood.In.Vision
Der Einsatzleiter nutzt W.I.V. mobil auf Android- oder iOS-Geräten oder als Webversion am PC. Er erstellt Arbeitsaufträge und übermittelt sie an Harvester, Forwarder oder Förster, plant und aktualisiert die Erschließung, verfolgt gerückte Holzmengen und leitet diese direkt an Verkauf oder Abtransport weiter. Das Fuhrunternehmen hat Zugriff auf Holzdaten sowie Polterstandorte, die mit ihm geteilt wurden, und kann optimal planen. Das Forstunternehmen erkennt den Arbeitsfortschritt und die Leistung seiner eingesetzten Fahrzeuge. Aber auch der Waldeigentümer hat jederzeit einen Überblick über den Stand des Holzeinschlages und seiner Holzvorräte im Bestand ganz ohne personenbezogene Daten der Unternehmer.
Digitale Forsteinrichtung
In Kooperation mit dem auf forstliche Fernerkundung und GIS-Dienstleistungen spezialisierten Ingenieurbüro Umweltdata, Tullnerbach, bietet Wood.in.Vision seit kurzem eine vollumfängliche Forsteinrichtung inklusive Ergebnisdarstellung an. Die im W.I.V.-Bestandesdatenblatt erfassten Informationen fließen direkt in die Arbeitsaufträge im Connect-System. Dort priorisiert der Waldbewirtschafter die Aufträge, verfolgt Arbeitsfortschritt und Vollzug, und die Vollzugsdaten werden dann zurück in das Modul Revierbuch-Forsteinrichtung gespielt. So liegt im Betrieb stets ein aktueller Stand vor.
„Wood.In.Vision überzeugt als Spitzenanbieter für die Digitalisierung der Holzernte. Umweltdata führt die Digitalisierung der Forstinventur an. Gemeinsam schaffen wir für unsere Kunden den Weg zum benutzerfreundlichen Einzelbaum-Modell in der Waldbewirtschaftung“, erklärt Umweltdata-Geschäftsführer Günther Bronner.
DIEING (WOOD.IN.VISION)
Standort: Isny im Allgäu/DE
Gründung: 2021
Geschäftsführer: Dietmar und Christoph Dieing
Mitarbeiter: 10
Produkte: Hard- und Software, Stammdatenverwaltung, Ernte- und Auftragsmanagement, digitale Rückegassen- und Seiltrassenplanung, Flächenbearbeitung, Kulturbegründung, digitales Revierbuch und Unterstützung bei der Forsteinrichtung
Zielgruppe: Forstunternehmer, Zufäller, Forst- und Waldbesitzer, Waldbewirtschafter, Holzlogistik
Referenzen: HessenForst, ForstBW, ÖBf, Kommunalwald Waldeck-Frankenberg, Stiftung Liebenau, Fürstlich Schwarzenberg´sche Familienstiftung, Stefan von Heimburg Dienstleistungen, Forstservice Würtenberger, Vieghofer Holz, Fachini Forst