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Das System von Jörg Elektronik hebt den neuen Rundholzplatz der Groupe Francois digital auf ein neues Level. Von der Übernahme bis zur Verwaltung am Polter wurde ein durchgängiges Rundholzmanagement realisiert – stets mit direkter Datenanbindung an das Büro © Groupe Francois

Groupe Francois

Vollständig digitales Rundholzmanagement

Ein Artikel von Jakob Wassermann | 30.01.2026 - 11:33

Am voll integrierten Standort im belgischen Virton produziert die Groupe Francois neben Schnittholz für die Palettenfertigung auch Palettenklötze sowie Pellets. Ein eigenes Heizkraftwerk versorgt das Werk mit Strom und Wärme. Der jährliche Schnittholzoutput beträgt rund 130.000 m3.

Vor etwa eineinhalb Jahren schloss das Unternehmen die Neuorganisation des Rundholzplatzes ab. Das gesamte Handling findet nun auf einer Freifläche neben dem Werk statt. Die Zuführung zur Säge erfolgt über eine Brücke, die eine Bahntrasse überquert. Anstelle des bisherigen Rundholzplatzes wurde eine neue EWD-Linie installiert. Diese ergänzt die bestehende HewSaw-Spanerlinie, wodurch künftig Durchmesser von 11 bis 80 cm verarbeitet werden können, erklärt Projektleiter Florent Vanlaetem. Neben Fichte und Kiefer setzt das Unternehmen auch Pappelholz für die Palettenproduktion ein.

Für die gesamte Messtechnik sowie das Datenmanagement zeichnet sich rundholzseitig Jörg Elektronik verantwortlich. Das Abbild sämtlicher Prozessschritte in einem System sei dabei ein Alleinstellungsmerkmal, wird seitens des Unternehmens aus Oberstaufen betont.

Präzise Anfuhrkontrolle

Der digitale Prozess beginnt am Werkstor. Ankommende Spediteure registrieren sich per QR-Code an einem Anfuhrterminal, woraufhin das System sämtliche Fuhrdaten einspeist. Eine automatische Kennzeichenerkennung gleicht die Daten mit den Bürodokumenten ab. Nach der Registrierung wird der Lkw gewogen und laservermessen.

Der Fahrer des Rundholzbaggers erhält daraufhin Informationen über Volumen, Holzart sowie -länge und weist den Entladeplatz zu. Ein LED-Display informiert den Lkw-Fahrer, ob die Ladung direkt zur Rundholzaufgabe oder ins Lager transportiert werden soll. „Diese Entscheidung lässt sich anhand der Holzart auch automatisieren“, erklärt Jacob Fehr, Geschäftsführer von Jörg Elektronik. Früher erfolgte die Vermessung der Lkw händisch durch einen Mitarbeiter. Das führte oft zu Diskussionen mit unseren Lieferanten. Nun verfügen wir über ein zertifiziertes System, das eine objektive Messung garantiert“, berichtet Vanlaetem.

Digitales Abbild

Zur Unterstützung der Mitarbeiter am Rundholzplatz nutzt das Unternehmen das System JE-Mobilview. Die Fahrer am Rundholzplatz erhalten Anweisungen auf ihre Tablets, auf denen ein digitales Abbild des Lagerplatzes visualisiert wird. Da das System auch das Einlagerungsdatum speichert, erinnert es die Fahrer rechtzeitig an die Entnahme, um übermäßige Lagerdauer zu vermeiden.

Exaktere Messung

„Da wir die Stämme im Rundholzpolter meterhoch stapeln, werden diese erst direkt vor dem Einschnitt entrindet“, erklärt Vanlaetem. Derzeit werden die Stämme 3D-vermessen, wobei man mit klassischen Rindenabzugstabellen arbeitet. Ab Sommer ergänzt ein Joro X-Röntgenscanner des finnischen Herstellers und Jörg Elektronik-Partners Finnos die bestehende Vermessungseinheit. Das ermöglicht der Groupe Francois, die Rindenstärke für die Abrechnung künftig präzise zu ermitteln. In der Rundholzsortierung erhält das Unternehmen durch die Investition ebenfalls neue Möglichkeiten.

Neben der Vermessung und Datenverwaltung stammt auch die Stammoptimierung von Jörg Elektronik. „In diesem Bereich verfügen wir über umfassendes Know-how und bieten vielfältige, auf die Maschinenparks der Kunden zugeschnittene Lösungen. Von Schnittbild- bis Zopfoptimierung ist alles möglich“, erklärt Fehr, der gerade in Anbetracht historisch hoher Rundholzkosten von einer steigenden Nachfrage nach Optimierungen berichtet. Man verfüge dahingehend sowohl über die Kompetenz als auch die Technik, diesen Anforderungen gerecht zu werden, betont der Jörg Elektronik-Geschäftsführer.

GPS-gestützte Rundholzmanipulation

Innerhalb des Polters erfolgt die Rundholzmanipulation per Holtec-Portalkran. Der Anlagenbediener verfügt ebenfalls über einen Bildschirm, auf dem eine JE-Mobilview-Anwendung läuft. Auf dieser sind die Sortierboxen und Polter übersichtlich dargestellt. „Da der Portalkran-Bediener eine sehr gute Übersicht über den gesamten Rundholzplatz hat, ist diese Person Dreh- und Angelpunkt in der Rundholzverwaltung. JE-Mobilview ist als enorme Unterstützung in der Entscheidungsfindung nicht mehr wegzudenken“, betont Vanlaetem. Über Farbumschläge erhält der Bediener Informationen zum Füllstand der Plätze. Eine GPS-Unterstützung sorgt zudem für eine präzise Steuerung des Portalkrans: An Kran, Greifer und den Eckpunkten der Polter sind GPS-Punkte hinterlegt. „Diese verfügen über eine Genauigkeit von 10 mal 10 cm. Sobald der Greifer eine definierte Zeit über einer Box verweilt, werden die Stämme automatisch ein- oder ausgebucht. Das System warnt den Bediener, falls ein falscher Polter angefahren wird“, erklärt Fehr. Gerade bei einer engmaschigen Sortierung sorgt das für eine Eliminierung potenzieller Fehlerquellen.

Neben der grafischen Darstellung können die Sortimente und Lagermengen auch tabellarisch ausgegeben werden. Basierend auf diesen Daten erfolgt bei der Groupe Francois die Produktionsplanung.

Digitaler Rundholzplatz in der Praxis

„Letztlich ist der größte Vorteil der ganzheitliche Ansatz in der Datenverwaltung. Angefangen bei einer objektiven Rundholzübernahme über das Materialhandling bis hin zur Fakturierung. Wir haben detaillierte Informationen zu Herkunft, Holzart, Länge und Durchmesser gesammelt in einer Datenbank. Auf Knopfdruck können wir damit Auswertungen zu unserem Rohmaterial machen. Durch das neue System können wir mit derselben Mannschaft pro Schicht 1000 fm mehr Rundholz umschlagen als davor“, sagt Vanlaetem. Weiterer Vorteil: Die direkte Anbindung der Daten ins Büro sorgt für eine nahtlose Weitergabe der Lieferantendaten bis hin zur Fakturierung.

Neben der hohen systemischen Zufriedenheit betont der Projektleiter zudem die kollegiale Zusammenarbeit mit Jörg Elektronik. Man habe sich bewusst nicht für die günstigste, sondern technologisch überzeugendste Lösung entschieden, erklärt Vanlaetem.