Die österreichische Zellstoff-, Papier- und Plattenindustrie sucht nach wie vor Nadelindustrieholz. Die von Forstseite bereitgestellten Mengen reichen vielfach nicht aus. Die Holzerntetätigkeit und damit auch das Industrieholzaufkommen sind im Mai gesunken. Im Juni wird es aus heutiger Sicht noch zu keinen Änderungen kommen. Mit relevanten Käferholzmengen wird nicht vor Ende Juli gerechnet. Eine Ausnahme beim Angebot bleiben nur die von Schneebruch und kleineren Sturmereignissen betroffenen Regionen in der Steiermark und in Kärnten.
Weniger Hackschnitzel
Größter Faktor für die Verknappung bleibt der verstärkte Einsatz von Nadelindustrieholz in der Zellstoffindustrie wegen geringerer Hackschnitzellieferungen der Sägewerke. Das Angebot für die inländischen Werke wurde in den vergangenen Wochen zusätzlich durch Exporte reduziert. Auf die Rückkehr eines slowenischen Kartonherstellers auf die südösterreichischen Schleifholzmärkte war bereits vor einigen Wochen hingewiesen worden. Im Norden Österreichs werden Lieferungen zu tschechischen Zellstoffwerken immer stärker thematisiert. In einigen Regionen Österreichs sind in den vergangenen Monaten Holzheizkraftwerke wie jenes der EVN in St. Pölten ans Netz gegangen oder stehen wie bei Tilly in Althofen/Kärnten kurz davor, was ebenfalls Auswirkungen auf die Angebotsmengen hat. Auf Importseite lassen vor allem Lieferungen aus Norditalien nach.
Prämien, Projekte und Fernbezüge
Um sich Mengen zu sichern, berichten immer mehr Industrieholzverkäufer von Vertragserfüllungsprämien. Auf das von den Standard-Quartalsverträgen abweichende Preisniveau haben die sogenannten Projekte mit Stockkäufen von Einkaufsorganisationen der Zellstoffindustrie unverändert einen relevanten Einfluss. Entsprechende Aktivitäten laufen auf hohem Niveau. Allerdings sehen Marktteilnehmer den Höhepunkt bei Neuverträgen überschritten.
Ein zusätzlicher, je nach Perspektive, Kosten- oder Erlöstreiber sind die weiterhin laufenden Deckungskäufe besonders von Holzwerkstoffherstellern. Von den hohen Preisen profitieren vielfach auch Anbieter in Nachbarländern, da der Bedarf durch teure Fernbezüge gedeckt werden musste.
Zu wenig Buchenindustrieholz
In vielen Fällen mussten Holzwerkstoffhersteller fehlendes Recyclingholz durch Industrieholz ersetzen. Dies war oftmals nur durch einen verstärkten Einkauf von Laubindustrieholz möglich. Das Angebot liegt am Ende der Einschlagssaison in Österreich auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Bei Buchenindustrieholz berichten Verarbeiter von einer Verknappung. So konnten die Werkslager bislang nicht im gewünschten Umfang aufgebaut werden.
Zumindest für Plattenwerke zeichnet sich seit einigen Wochen bei der Rohstoffversorgung eine leichte Entspannung ab. Im Zuge der saisonal anziehenden Baukonjunktur sowie der Aktivitäten privater Konsumenten steht wieder mehr Recyclingholz zur Verfügung als noch im April. Allerdings haben die Altholzpreise angezogen und liegen über dem Vorjahr.