Symbolisch hat die EWI-Reisegruppe das Gate to India in Mumbai durchschnitten: Vertreter von 17 Holzindustrien aus Schweden, Norwegen, Deutschland, Belgien, Frankreich und Österreich waren dabei © DI Gerd Ebner
Über eine Woche lang besuchte bis zum 21. Februar eine hochrangige Reisegruppe europäischer Holzindustrieller den Subkontinent. Im Namen der European Wood Initiative organisierte proHolz Austria eine Reise, der sich Vertreter von 17 Unternehmen anschlossen, die ein Einschnittvolumen von über 40 Mio. fm/J repräsentieren (gut 20% der Gesamtmenge Europas).
Hartholz am Besten in Stammform
Die Struktur der Kleinsägewerke wurde dabei gleich als Bedarfsbremse für Schnittholz erkannt. Doch noch elementarer dürfte die Fokussierung auf Hartholz sein. Indischer Teak dominiert das Holzgeschäft, das sich in Indien etwa zu je einem Viertel auf Kons-truktion, Möbel, Verpackung und Sonstiges verteilt. Dazu kommt eine erlesene Auswahl weiterer indischer Holzarten wie Mango, Palisander (Shisham), Teak oder Tropenholzimporte.In Indien selbst gibt es einen Einschlagstopp, der lediglich für Plantagen nicht gilt. Das Aufkommen aus diesen stieg von 2,4 Mio. fm 2002 auf 16 Mio. fm im Vorjahr. Doch können die Plantagen den Bedarf nicht decken, weshalb der Importanteil sehr hoch ist. Importiert werden überwiegend Teak, Meranti, Gurjan, Keriung, Saal oder Kapur. Geht man davon aus, dass sich deren Aufkommen eher verringert, steigen die Chancen für europäische Holzarten, die schon jetzt importiert werden - wie etwa Eiche oder Buche.
Bei Nadelrundholz ist Neuseeland mit Pinus Radiata der mit Abstand wichtigste Rundholzlieferant. Aber auch andere Länder mischen mit. So kamen im Vorjahr immerhin 81.000 fm Fichten-Rundholz aus Deutschland. Das sind um 26% mehr als im Jahr zuvor. Bei Buche waren es nur knapp über 3000 fm.
Schnittholz diskriminiert
Es gibt zwei Gründe, warum wesentlich mehr Rund- als Schnittholz importiert wird. Rundholz wird nur zu 5% besteuert. Bis November 2008 waren es bei Schnittholz 18%, aktuell sollen es nur noch 1% sein. Die Differenz war vor wenigen Jahren noch wesentlich eklatanter. Erst auf Druck der WTO wurden die Schnittholz- und die Holzwerkstoff-Steuern gesenkt. Doch die indische Regierung ist flexibel. Es gibt schon Gerüchte, dass die Importzölle auf Rundholz ganz fallen sollen.Erreichen will man, dass die Wertschöpfung in Indien gemacht wird. Dies geschieht einmal in den großen Importhäfen Kandla (55% der gesamten Holzimporte) im Westen oder Mundra im Osten. Im Umfeld der Häfen wird das Rundholz gesägt. Als Model oder sonstige Schnittware wird das Holz im Landesinneren dann weiterverarbeitet.
Der Standard der indischen Sägewerke lässt sich umschreiben, mit dem des europäischen von vor 100 bis 150 Jahren: horizontale und vertikale Bandsägen, die von Blockwägen bedient werden, die ein Mann manuell antreibt.
Beim Hantieren an Bandsägen ohne jegliche Schutzvorrichtung würde eine kurze Unkonzentriertheit wahrscheinlich zu einer schweren Verwundung und damit zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Für die Arbeiter gibt es großteils keine Arbeitsverträge oder Krankenversicherungen. Gearbeitet wird von Montag bis Samstag, unter Berücksichtigung der Feiertage rund 25 Tage im Monat. Die Reisegruppe besuchte Unternehmen, wo die Arbeiter auch in der Produktionshalle schliefen.
Ausbeute-Weltmeister
Rundholz mit veralterter Technik und viel Personaleinsatz eingeschnitten: Das ist derzeit die Art, Schnittholz zu gewinnen © DI Gerd Ebner
Indien ist ein Tiefpreisland. Für Nadelschnittholz wurden viele unterschiedliche Preise genannt. Aber ein Preis für frische Ausschussware dürfte um die 170 bis 200 US-$/m3 CIF (132 bis 154,7 €/m3) liegen. Hiervon wäre die Steuer noch abzuziehen und die Trocknung noch zu addieren, um auf einen Nettopreis von etwa 180 bis 190 US-$/m3 (139,2 bis 147 €/m3) für trockene Ware zu kommen.
Ein durchschnittlicher indischer Arbeiter verdient zwischen 60 und 120 € im Monat. Die Personalkosten machen also lediglich einen einstelligen Prozentwert der Gesamtkosten aus. Das hat einmal zur Folge, dass jedes Werkstück mehrmals und sehr personalintensiv begutachtet werden kann - aber auch, dass bei einer Vollkostenrechnung der Faktor Personal nicht mehr so wichtig ist.
Nur über Preis geht nicht!
„Nur über den Preis werden wir nicht konkurrenzfähig sein. Wir müssen mehr bieten - und das könnte eben die Trocknung, der exakte Zuschnitt oder die Top-Oberfläche sein”, war man sich in der EWI-Reisegruppe einig.Gewünscht werden 10 bis 15% Holzfeuchte - die Trocknungskosten werden mit dem bis zu Dreifachen der europäischen (20 €/m3) angegeben.
Der Weg, es über die Mehrwertschiene zu versuchen, wird steinig, da höhere Wertschöpfung nicht einfach zu messen ist. „Die Inder sind Preiskäufer - da sind sie sogar viel schlimmer als die Chinesen. In China erzielt man sicher wesentlich bessere Preise”, warnte ein Mitreisender. Eine weitere Ähnlichkeit zu China wurde aber auch entdeckt: „Es wird viel Neues ausprobiert.”
Lesen Sie morgen den zweiten Teil unsere Indien-Serie.