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Zukunft gemeinsam in die Hand nehmen: Peter Wallner, Heinz Gach, Frater David Weindl, Christian Buchmann, Josef Scheff, Joachim Reitbauer (v. li.) © Holzcluster Steiermark

Keine Scheuklappen

Ein Artikel von DI (FH) Martina Nöstler | 14.07.2009 - 14:43
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Zukunft gemeinsam in die Hand nehmen: Peter Wallner, Heinz Gach, Frater David Weindl, Christian Buchmann, Josef Scheff, Joachim Reitbauer (v. li.) © Holzcluster Steiermark

Das Stärkefeld Holz geht gut mit den wirtschaftlich schwierigen Zeiten um, neue Ideen werden ver- und bearbeitet. Gerade jetzt kann man den Aufschwung in den Köpfen der Menschen wahrlich spüren“, meinte LAbg DI Heinz Gach, Aufsichtsratsvorsitzender des Holzcluster Steiermark, in seinen einleitenden Worten. Auch Ing. Joachim Reitbauer, Geschäftsführer Holzcluster Steiermark, stellte fest: „Vordenker sind in einer Krise wichtig – denn nur sie werden gestärkt daraus hervorgehen. Und Holz ist ein Hightech-Werkstoff, welcher in der Zukunft immer wichtiger wird.“

Impulsvortrag

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist.“ Unter diesem Titel eröffnete Frater David Weindl den Referatsteil. 13 Jahre lang war der Benediktinermönch aus dem Stift Admont als Qualitätsmanager bei der amerikanischen Transportfirma UPS beschäftigt, bevor er sich ganz dem geistlichen Leben verschrieb. Frater David zeigte in seiner Präsentation auf, wie verschieden „Sinn“ gedeutet werden kann, was der Nutzen ist, den „Sinn des Lebens“ zu suchen. Er zeigte, wie planlos der Mensch oft ist, wenn er meint, den Sinn gefunden zu haben. Und kann ich mich überhaupt auf die Suche nach dem Sinn machen? Frater David bezeichnet die Vordenker der Holzbranche als Propheten.
Der Geistliche kritisierte die Resignation der Menschen – alle sprechen von der Krise, den Problemen, die sie verursacht, aber niemand spricht von realen Lösungen. Guter Rat wäre schon immer teuer gewesen, so Frater David. „Genau deswegen müssen wir uns überlegen, welche Entwicklungen Heil und Erlösung bringen können – egal ob geistlich oder weltlich“, meinte der Mönch.
Wir sollten uns außerdem überlegen, warum wir alles Negative aus unserem Leben ausblenden – genauso wie sich Geistliche überlegen, warum alles Negative aus der Bibel ausgeblendet wird. „Denn nur wenn ich mich an etwas messen kann – an etwas ‚Maß nehmen‘ kann – werde ich zum Erfolg kommen“, sagte Frater David.

In vier Schritten zu neuen Ideen

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In fünf Gruppen wurden innovative Ideen erarbeitet, um neue Ansätze für die Holzbranche zu finden © Holzcluster Steiermark

Nach diesem philosophisch anspruchsvollen Vortrag brachten Dr. Peter Wallner und Dr. Josef Scheff in ihren Referaten die Teilnehmer der Zukunftskonferenz zum Um- und Querdenken. Es wurde erläutert, dass es im Moment wohl keine stärkere Einsicht gibt als jene, dass es so nicht weitergehen kann. Aber was tun? „Wenn wir etwas verändern, so beginnt dieser Prozess immer zuerst im Geist“, sagte Scheff. Wichtig sei das Umdenken, die Veränderung von Unternehmen, auch einmal querzudenken, um so mit Kraft aus den schwierigen Zeiten hervorzugehen.
Das geschieht im Wesentlichen in vier Schritten: Zuerst muss neues Denken im Alltag stattfinden, um neue Optionen entwickeln zu können. Nach diesem Schritt erfolgt der zweite: Ich muss eine neue Haltung einnehmen, um Menschen für meine Ideen zu gewinnen. Durch die Gewinnung meiner bestehenden oder neuer Mitarbeiter für meine Ideen ergibt sich das neue Tun – die Menschen werden vitalisiert. Daraus ergeben sich dann die neuen Werte und neue Erkenntnisse werden geschaffen. „Es ist wichtig, sich mit der Thematik neuer Impulse und neuer Ideen auseinanderzusetzen. Dies wird in schwierigen Zeiten unumgänglich“, meint Wallner.

Mit blauen Ozeanen zum Erfolg

Blue Ocean – so der Name der Strategie, mit welcher Scheff und Wallner anschließend mit den Teilnehmern der Zukunftskonferenz in Kleingruppen gearbeitet haben. Es bedeutet Querdenken, Umdenken, in neue, blaue Ozeane vorzustoßen. Blaue Ozeane sind Märkte ohne Konkurrenz, in welchen man mit neuen, innovativen Produkten alleine positioniert ist. Dieser Markt ist sehr profitabel und hat hohe Wachstumschancen.
„Der Fokus bei der Blue Ocean-Strategie ist nicht jener, die Konkurrenz zu schlagen, sondern jener, die Konkurrenz zu umschwimmen“, erklärte Scheff. Um die Umgestaltung der Marktgrenzen zu garantieren, sind sechs Schritte notwendig: die Betrachtung von Alternativbranchen, von strategischen Gruppen, der Käufergruppen, komplementärer Produkte, funktionaler oder emotionaler Kaufmotive sowie nachhaltiger Trends. Durch diese Neugestaltung ergibt sich einen neue Nutzenkurve, die auf das Produkt übertragen werden kann.
Informiert über die Strategien, mit welchen am Nachmittag gearbeitet werden sollte, begaben sich die Teilnehmer, aufgeteilt in fünf Gruppen, in die Seminarräume. Die Besucher teilten sich in die Themenbereiche Säge, Zimmerei, Tischlerei, Holzweiterverarbeitung sowie Querdenker auf. Knapp zwei Stunden hatten die Branchen-Vordenker Zeit, um sich in neuen, blauen Ozeanen zu bewegen.

Präsentation der Ideen

Die innovativsten Ideen wurden anschließend im Beisein von Wirtschaftslandesrat Dr. Christian Buchmann von den einzelnen Gruppen vorgestellt. „Neue Ansätze und Ideen sind in schwierigen Zeiten wichtig und unumgänglich. Ich bin begeistert von den neuen Ansätzen und hoffe auf einige Umsetzungen“, sagte Buchmann, der unter dem Motto „Ideen gegen die Krise“ die Kreativität steirischer Unternehmer voll unterstützt.
Und umzusetzen gibt es einiges: Da wäre zum Beispiel die Idee von „Pimp my house“, einem System, bei dem Häuser im Bauklotzverfahren beliebig erweitern können. „Die Idee hat mir eine schlaflose Nacht bereitet – aber schon am nächsten Tag habe ich mit den ersten konkreten Umsetzungsschritten begonnen“, freute sich der Chef eines steirischen Holzbaubetriebes. Oder die Idee eines Leasingmöbelstückes, welches der Leaser – wenn er sich sattgesehen hat – einfach wieder zurückgeben kann.
„Die Ansätze und Ideen, die wir bei der diesjährigen Zukunftskonferenz erarbeitet haben, sind außergewöhnlich. Es zeigt sich, welches Innovations-Potenzial in den Köpfen der Unternehmer und Führungskräfte steckt. Wir freuen uns schon auf die Herausforderung, die eine oder andere Ideen gemeinsam mit den Betrieben umzusetzen“, war Reitbauer stolz auf das Ergebnis der Workshops.