Es ist die Zeit der starken Veränderungen. Das gilt für die Holzbranche als solche, aber auch für Einzelunternehmen. Nach bereits sehr bewegten Vorjahren kam es vergangene Woche bei der Mayr-Melnhof Holz AG zu einem weiteren Paukenschlag. DI Richard Stralz hat als neuer Vorstandsvorsitzender die Führung des Unternehmens übernommen. Er löst Dr. Michael Spallart ab, der nur knapp länger als zwei Jahre dem Unternehmen vorstand (Anmerkung: Eine ausführliche Chronik 2008–2013 finden Sie im Link1).
Einvernehmliche Trennung
Spallart scheidet aus dem Vorstand aufgrund von Auffassungsunterschieden über die Strategie des Unternehmens aus. „Die Trennung erfolgte in beiderseitigem Einvernehmen“, betont DI Rainer Zellner, seit drei Monaten Aufsichtsratsvorsitzender. Zellner folgte im Februar Franz Mayr-Melnhof-Saurau als Aufsichtsratsvorsitzender nach. Zellner und Stralz kommen von Semperit: Zellner war Vorstandsvorsitzender, Stralz Vorstand. Stralz war 25 Jahre bei Semperit – von 2004 bis zum Vorjahr zuständig für Sales und Marketing.Nach der Veränderung besteht der Mayr-Melnhof Holz-Vorstand damit aus Richard Stralz (CEO), Gebhard Dünser (CTO) und Thomas Tschol (CFO).
Mayr-Melnhof Holz AG
Aufsichtsratsvorsitzender: DI Rainhold ZellnerVorstandsvorsitzender: DI Richard Stralz
Vorstände:Thomas Tschol, Gebhard Dünser
Am Unternehmen beteiligt: Franz Mayr-Melnhof-Saurau Forstmanagement und Entwicklungs GmbH (74,9 %), ÖBf Beteiligungs GmbH (25,1 %)
Umsatz: 568 Mio. € (Bilanz 2011)
Beschäftigte:1852 (Bilanz 2011)
Einschnitt: 1,5 Mio. fm (Österreich, Plan 2013)
BSH:295.000 m3 (Plan 2013)
BSP:50.000 m3 (Plan 2012)
Ein Kommen und Gehen
Damit dreht sich das Personalkarussell in Leoben weiter. Spallart war erst im Februar 2011 eingetreten, als die Vorstände Mag. Josef Dringel und Ing. Anton de Menech aus dem Unternehmen ausschieden. Der langjährige Vertriebsverantwortliche Mag. Alfred Jechart verließ den Konzern im August 2012 und übergab seine Agenden damals an Spallart. Dringel, de Menech und Jechart haben sich mittlerweile mit dem Beratungsunternehmen Timbersol, Bruck an der Mur, selbstständig gemacht.ÖBf machten Saniererin Platz
Interessant ist auch jener Aufsichtsratssitz, den die Österreichischen Bundesforste als 25,1 %-Eigentümer in dem vierköpfigen Gremium halten. Deren Platz im Gremium wurde im November 2012 mit der Sanierungsspezialistin Dr. Ulla Reisch besetzt. Diese wurde unlängst vom Magazin Format als zweitbeste Insolvenzrechtsexpertin Österreichs ausgezeichnet.Too big to fail
Mayr-Melnhof Holz ist eine der größten Holzindustrien Europas. Mayr-Melnhof ist systemrelevant!Im Besitz des Haupteigentümers befindet sich der größte Privatforstbetrieb Österreichs (32.400 ha; davon 28.000 ha Wald). Knapp mehr als ein Viertel der Unternehmensanteile wird von den Österreichischen Bundesforsten gehalten. Entsprechend bewegen diese Veränderungen die Holzbranche weit über die Grüne Mark, ja über Österreich hinaus.
Dass am Stammsitz Leoben reduziert und in Frankenmarkt nur einschichtig geschnitten wird, zeigt, wie dramatisch die Lage ist. Schon öfter angekündigte Erweiterungen bei Brettsperrholz wurden nicht umgesetzt, das weitere Sägewerk in Russland ist definitiv Geschichte.
Kosten runter – oder?
„Nochmals runter mit den Kosten“, das wird wohl der erste Schritt der neuen Manager sein. Für eine echte Vorwärtsstrategie ist das wirtschaftliche Umfeld derzeit zu unwirtlich. Da könnte in Leoben an der Führung sitzen, wer wolle.Die hohe Taktfrequenz der Nachrichten aus Leoben (s. Link 1) wird wohl anhalten. Es wäre zu wünschen, dass die positiven überwiegen würden.