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ISC 2025

Sägewerksmargen unter Druck

Ein Artikel von Gerd Ebner | 04.11.2025 - 08:29
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ISC_2025_Oslo © EOS

„Die schwierige Phase, die vor über drei Jahren begann, hält an“, sagte EOS-Präsident Tommi Sneck am 22. Oktober auf der 73. Internationalen Nadelschnittholzkonferenz (ISC) in Oslo. Für 2026 erwartet die Branche keine wesentliche Veränderung. Trotz unterschiedlicher Produktionsentwicklungen zwischen den Ländern bestehen europaweit anhaltende Margen- und Rentabilitätsprobleme.

Sommerliche Ernüchterung

Der Schnittholzbedarf liegt 2025 um 13 % unter dem Niveau von 2021, zeigt jedoch gegenüber dem Vorjahr einen leichten Zuwachs von 2,5 %. Die Exporte sind heuer moderat gestiegen. Seit dem Sommer habe sich die Stimmung jedoch eingetrübt, so Sneck: „Die Branche erwartet schwächere Monate zum Jahresende.“

Rundholzpreise hoch und höher

Besonders in den nordischen Ländern sind die Rundholzpreise stark gestiegen und verharren auf hohem Niveau. Da die Verkaufspreise für Schnittholz mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten, bleibt die Rentabilität gering. Die Rohstoffverfügbarkeit, vor allem bei Fichte, stellt insbesondere in Mitteleuropa ein zentrales Problem dar.

Im 1. Halbjahr stiegen die europäischen Lieferungen in die USA um 19 % auf 620 Mio. €, während die Exporte nach Japan um 7 % auf 350 Mio. € zurückgingen. Ägypten verzeichnete ein Plus von 8 % auf 240 Mio. €, während die europäischen Exporte nach China um 37 % auf bescheidene 85 Mio. € sanken.

Die Exportmärkte bleiben für die europäische Nadelholzindustrie auch 2026 entscheidend. Die US-Zölle von 10 % auf europäisches Schnittholz dürften laut Sneck keine gravierenden Auswirkungen auf die europäischen Produzenten haben, könnten aber die globalen Handelsströme negativ beeinflussen.

Produktion Nadelschnittholz | 2024–2026
Mengen in 1.000 m³
Land 2024 Forecast 2025* 2025 2026
Deutschland 22.367 22.250 21.250 21.250
Schweden 17.800 17.100 17.800 17.800
Finnland 10.900 10.000 11.700 11.700
Österreich 9.700 9.900 9.900 10.000

Weniger US-Import dafür höhere Preise

Laut Paul Jannke, FEA, werden die Überseeimporte nach Nordamerika 2026 um rund 1 Mio. m3 sinken und anschließend stabil bleiben. Gleichzeitig erwartet er steigende Preise in den USA, bedingt durch Sägewerksschließungen in Nordamerika.

Sneck verwies zudem auf die zunehmende Konkurrenz durch Russland auf den Weltmärkten. Speziell in China, dem Nahen Osten und Nordafrika sind russische Anbieter stark präsent ist.

Warten bis 2. Halbjahr 2026

Kurzfristig bleibt die Lage für die europäische Holzindustrie herausfordernd. Hoffnung bestehe frühestens ab 2026, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. Entscheidend sei die Verfügbarkeit von Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Preisen. Aufgrund der Borkenkäferkrise und des daraus resultierenden Fichtenmangels müsse die Branche ihre Abhängigkeit von Fichte verringern und Kiefern stärker vermarkten.

„2025 war politisch ein turbulentes Jahr, aber Europa wird sich erholen“, sagte Morten Bergsten, Vizepräsident der Europäischen Holzhandelsvereinigung (ETTF). Er rechnet für dieses Jahr in der EU mit einem Anstieg des Schnittholzbedarfs um 2,5 %. Weltweit werde der Bedarf 165,3 Mio. m³ erreichen und 2026 leicht auf 168,9 Mio. m³ (+2,2 %) zunehmen – getrieben vor allem durch die USA, so die Analysen in Oslo.

Markttrends | 2026
Vorhersagen des Europäischen Holzhandelsverbandes (ETTF) auf der ISC 2025
Region BIP-Trend 2026 Baubranchen-Ausblick Nadelholz-Markttrend Haupttreiber
Belgien Stabil Schwache Erholung Neutral Wettbewerb, geringe Nachfrage
Dänemark Positiv Moderate Erholung Steigend Grüne Transformation, niedrigere Zinsen
Frankreich Stabil Moderate Erholung Leichter Anstieg Grüne Transformation, steigende Baugenehmigungen
Deutschland Stabil Allmähliche Erholung Leichter Anstieg Öffentliche Arbeiten, energetische Sanierung
Niederlande Moderat Wachsend Steigend Biobasierte Baupolitik
Italien Schwach Stabilisierend Neutral bis leichter Rückgang PNRR, Handelsbelebung
Spanien Stark Expandierend Steigend Wohnraummangel, Renovierung

Neue MENA-Dimension

Der wichtigste Überseemarkt für europäisches Nadelschnittholz bleibt die MENA-Region. Erik Eliasson, Norra Timber, berichtete in Oslo, dass der Mangel an Fichte dort den Markt für Kiefernholz geöffnet habe. Bei skandinavischen Lieferungen würden sich die Brettbreiten zunehmend auf 47 mm standardisieren. Die MENA-Märkte seien besonders bedeutend für niedrigere Sortierungen und Seitenbretter, müssten sich aber an den wachsenden Bedarf an weiterverarbeiteten Produkten anpassen. Eliassons Fazit: „Die MENA-Märkte sind anpassungsfähig und haben eine positive Zukunftsperspektive.“

Chinas Neubauten stehen leer

In China hingegen ist der Markt eingebrochen. Laut Olle Berg, Setra, stehen dort 65 bis 80 Millionen Wohnungen leer, die Bautätigkeit ist stark zurückgegangen. Russland deckt inzwischen rund 70 % der chinesischen Schnittholzimporte und bestimmt die Preisniveaus, die deutlich unter dem Weltmarkt liegen. Hinzu kommen US-Zölle auf Möbel, welche die chinesische Möbelindustrie belasten – mit Folgen auch für skandinavische Lieferanten hochwertiger Ware.

Die Markterholung hängt mittelfristig von staatlichen Konjunkturmaßnahmen ab. Ein vorsichtiger Optimismus ist frühestens nach 2026 angebracht.

Japans Baubeginne sinken

In Japan bleibt der Wohnungsbau ebenfalls schwach. Der schwache Yen verteuert Importe zusätzlich. Fredrik Westling (Frossel Timber) erwartet keine kurzfristige Besserung: Die Zahl der Baubeginne werde weiter sinken. Zwar nehme der Holzbedarf in Nichtwohngebäuden zu, doch behindern Arbeitskräftemangel und ein geringes Rundholzaufkommen die Nutzung einheimischer Hölzer.

Bedarf Nadelschnittholz | 2025/2026
Mengen in 1.000 m³
Land Schätzung Verbrauch 2025 Forecast 2026
Österreich 5.100 5.200
Belgien 1.700 1.700
Dänemark 1.490 1.500
Frankreich 7.300 7.500
Deutschland 16.900 17.250
Italien 5.030 4.750
Niederlande 2.510 2.490
Spanien 3.475 3.540
Gesamt 43.505 43.930
Großbritannien 8.830 8.830
USA 83.510 86.415
Insgesamt 135.845 139.175
Übrige Länder* 29.500 29.715
Total 165.345 168.890