Das Bearbeitungszentrum bricht mit vielen gewohnten Prozessen und ermöglicht eine Jahresschichtleistung von 15.000 fm mit lediglich einem Mitarbeiter auf rund 1000 m² Grundfläche.
In den vergangenen zwei Monaten besuchten rund 60 Interessenten die Sawbox-Halle am Springer-Stammsitz in Friesach. Unter ihnen befanden sich sowohl Sägewerksbetreiber aus dem KMU-Segment als auch Weiterverarbeiter und Vertreter großer Sägewerke aus ganz Europa und darüber hinaus. Das Interesse an der Sawbox ist entsprechend groß.
Von der Idee zum industriellen Konzept
Ausgangspunkt war die Idee von Leonhard Unterrainer, einem Osttiroler Holzbauer, BSP-Produzenten und Visionär. Er skizzierte zunächst ein völlig neues Sägewerkskonzept von Hand und setzte es anschließend eigenständig um. Springer wurde auf das neuartige Gesamtkonzept aufmerksam und erkannte sofort das Potenzial der Einschnitttechnologie.
Aus dem Kontakt entwickelte sich rasch eine Partnerschaft: Springer übernahm vor rund eineinhalb Jahren das Grundkonzept von Unterrainer, verfeinerte es technisch und überführte es in eine industrielle Sägewerkslösung.
Robuster Industriestandard
„Der Bearbeitungsablauf unserer Sawbox unterscheidet sich kaum vom ursprünglichen Konzept Unterrainers. Der Unterschied liegt in der Ausführung – wir haben sie als leistungsstarke Industrielösung umgesetzt“, erklärt Springer-CFO Manuel Seiß, der auch die Gesamtverantwortung für die Sawbox trägt. Der Materialfluss beginnt mit der unsortierten Rundholzaufgabe. Von dort gelangen die 2 bis 6 m langen Stämme über ein verfahrbares Shuttle zu einem Entrinder, der gleichzeitig als Reduzierer fungiert. Anschließend führt eine Kappsäge an beiden Enden Sauberkeitsschnitte durch. Danach werden die Bloche an einen Querförderer übergeben und mittels 3D-Rundholzscanner vermessen. Auf Basis dieser Daten generiert die Software das optimale Schnittbild. Den Einschnitt übernimmt ein von Springer entwickeltes Bearbeitungszentrum.
„Wir verfügen über großes Know-how im Rundholzhandling und in der Schnittholzmanipulation. Außerdem haben wir eine eigene Robotikabteilung mit inzwischen über zehn Mitarbeitern. Das einzige fehlende Element war der eigentliche Bearbeitungsschritt vom Rund- zum Schnittholz – dieses Wissen haben wir uns mit starken Partnern und intensiver Entwicklungsarbeit angeeignet“, betont Seiß.
Das Bearbeitungszentrum bewegt sich über die eingespannten Bloche und erzeugt in einem Durchgang scharfkantige Schnittware. Die Anlage ist mit einer Profiliereinheit, zwei stehenden Kreissägen für Trennschnitte und einer Bandsäge ausgestattet. Die fertige Schnittware wird längs abgeschoben und im Quertransport einem Sortierturm übergeben. Dort entnimmt ein Roboter die Brettlagen samt Lattung mithilfe eines Vakuumsaugers und legt sie entlang einer Schiene auf dem vorgesehenen Stellplatz ab.
Entweder investieren wir in eine Sawbox – oder gar nicht.
Prinzip Baukastensystem
Der verarbeitbare Rundholzdurchmesser liegt zwischen 20 cm und 1 m, wobei die Sawbox besonders bei stärkeren Dimensionen ihre Vorteile ausspielt. „Je größer der Durchmesser, desto höher der Output“, so Seiß. Die bei Springer installierte Anlage ist bei einem Durchschnittsdurchmesser von 35 cm auf eine Jahresschichtleistung von 15.000 fm ausgelegt.
Das Konzept basiert aber nicht auf einem starren System, sondern auf einem modularen Ansatz – ähnlich dem Lego-Prinzip. „Mit einem zweiten, gespiegelten Bearbeitungszentrum lässt sich der Output verdoppeln. Da Rundholzaufgabe und Robotersortierung unverändert bleiben, steigt der Investitionsaufwand nur moderat“, erklärt Seiß. Zudem können einzelne Module der Sawbox auch in bestehende Anlagen integriert werden.
Zu den wesentlichen Vorteilen zählen laut Seiß der geringe Platz-, Investitions- und Personalbedarf. Die komplette Anlage lässt sich von einem Mitarbeiter in der Bedienkabine überwachen. Die Sawbox benötigt lediglich 1000 bis 1500 m² Fläche – deutlich weniger als herkömmliche Sägelinien.
Zielgruppen und erste Anwender
Seiß sieht drei Hauptzielgruppen: kleine und mittlere Sägewerke, die unter Fachkräftemangel leiden und in den vergangenen Jahren wenig investiert haben; Weiterverarbeiter, die durch eigenen Einschnitt Kostenstabilität im Schnittholzbereich erzielen wollen; sowie Großsägewerke, die zusätzlich Starkholz verarbeiten möchten.
Während Unterrainer zu den stabilitätsorientierten Weiterverarbeitern zählt, stammt der Sawbox-Kunde von Springer aus dem KMU-Bereich. Das Lavanttaler Sägewerk Cimenti steht seit über 30 Jahren für Kundenzufriedenheit und enge, teils freundschaftliche Geschäftsbeziehungen. Das Unternehmen beliefert vor allem den italienischen Markt – von Genua bis Sizilien – sowie Kroatien, das inzwischen rund ein Viertel des Absatzes ausmacht.
Das Werk arbeitet mit 30 bis 50 Jahre alten Maschinen, da Investitionen über zwei Jahrzehnte hinweg nicht möglich waren. „Nach einem verheerenden Hochwasser 2004 wurde unser Betriebsgelände in die rote Zone eingestuft, was ein Bauverbot bis 2019 zur Folge hatte“, berichtet Geschäftsführer und Eigentümer Anton Cimenti. „Seither haben wir verschiedene Zukunftsszenarien geprüft – bis hin zur Stilllegung des Sägewerks.“ Selbst bei einer Modernisierung mit herkömmlicher Sägetechnik wären jedoch zwei Probleme geblieben: der Personalmangel und die von der Versicherung geforderte, aber technisch kaum umsetzbare Sprinkleranlage. Umso größer war das Interesse, als Cimenti und sein Sohn Fabio im Holzkurier erstmals von Unterrainers Sawbox erfuhren und sie vor Ort besichtigten. „Schnell war klar: Entweder investieren wir in eine Sawbox – oder gar nicht.“
Mit dem Einstieg von Springer führte eines zum anderen und in wenigen Monaten wird bei Cimenti in Ettendorf die erste beziehungsweise zweite Sawbox in Betrieb gehen. Anton Cimenti blickt dem Start mit Zuversicht entgegen: „Die Zusammenarbeit mit Springer hat von Beginn an hervorragend funktioniert. Ich bin stolz, Teil dieses Projekts zu sein und überzeugt, mit der Sawbox die richtige Entscheidung für die Zukunft unseres Unternehmens getroffen zu haben.“
Hier geht's zum Video: Ein Sägewerk auf 1000 Quadratmetern