Nach rückläufigen Schadholzmengen und ausgebliebenem Käferholz verzögerte sich der Übergang in den regulären Frischholzeinschlag. „Man hätte früher in den Frischholzeinschlag gehen müssen“, betonte ante-holz-Geschäftsführer Jörn Kimmich. Die Folge sei eine „dramatische Unterversorgung“ vieler Werke, obwohl die Bundeswaldinventur stabile Vorräte ausweist. Noch deutlicher formulierte es Bernhard Breitsameter, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes: „Wir haben gerade in Süddeutschland im Privatwald extrem hohe Holzvorräte, überwiegend Nadelholz. Wenn wir von rund 500 Vfm/ha ohne Kalamitäten auf ein normales Niveau kommen wollen, müssten wir über 20 Jahre hinweg den Einschlag verdoppeln.“ Als Gründe für die momentan niedrigen Einschlagsmengen nannte Breitsameter das Warten auf Käferholz, welches die Maschinerie nur zögerlich anlaufen ließ und eine „Zockermentalität“ einzelner Marktteilnehmer.
Wenn wir von den 500 Vfm/ha ohne Kalamitäten auf ein normales Vorratsniveau kommen wollen, müssten wir über 20 Jahre hinweg den Einschlag in Bayern verdoppeln.
Wir reden über einen Holzversorgungstourismus innerhalb Deutschlands, den es so noch nie gab.
Mercer-COO Dr. Carsten Merforth berichtete von Produktionsrücknahmen, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte, da auch sein Unternehmen Schwierigkeiten hatte, die Rundholzversorgung sicherzustellen. Eine leichte Entspannung erwartet er erst im 1. Quartal 2026. Man werde mit Mindermengen ins Jahresende gehen.
Regionale Engpässe führen zu größeren Beschaffungsradien und gehen Zulasten der Unternehmen in begünstigten Gebieten wie dem Schwarzwald. „Wir erleben einen Holzversorgungstourismus innerhalb Deutschlands, den es in dieser Form noch nie gab. Selbst bei uns im Schwarzwald, wo die Säger mitten im Wald sitzen, wird die Versorgung zunehmend schwieriger“, berichtete Manuel Echtle, Geschäftsführer des Sägewerks Echtle.
Dieses Jahr setzten wir zum ersten Mal auch auf die Kiefer und sind heilfroh, diesen Schritt gegangen zu sein.
Kiefer gewinnt an Bedeutung
Bei der Schwaiger Holzindustrie ist die Versorgungslage ebenfalls angespannt. Geschäftsführerin Katrin Schwaiger erläuterte: „Soweit ich denken kann, waren wir ein reines Fichtensägewerk. Dieses Jahr setzten wir erstmals auch auf Kiefer und sind sehr froh über diesen Schritt.“ Merforth berichtete, dass sein Thüringer Standort ebenfalls stärker auf Kiefer setzt, um die Fichtenlücke auszugleichen. Kimmich betonte, dass man bei ante-holz nur noch von Nadelholz spreche: „Würden wir uns nur auf die Fichte konzentrieren, wäre die Lage noch deutlich schwieriger.“
Absatz 2025: stabil, aber verhalten
Trotz schwacher Baukonjunktur verlief der Absatz 2025 insgesamt robust. Die stärksten Impulse in Deutschland kamen aus dem mehrgeschossigen und öffentlichen Bau. „Der Absatz ist besser ausgefallen, als wir erwartet hatten“, berichtete Echtle. Besonders Holzbausysteme mit Brettsperrholz sowie das modulare Bauen profitierten.
Im Ein- und Zweifamilienhausbau blieb die Nachfrage dagegen schwach. Noch deutlicher unter Druck stand das Exportgeschäft nach Nordamerika, wo Preisvolatilität, eine schwer kalkulierbare Zollpolitik und ungünstige Wechselkurse belasteten. Dennoch hob Kimmich die Bedeutung des US-Marktes hervor: „Wir brauchen das Ventil der Auslandsmärkte.“ Da Asien weggefallen ist, sei Nordamerika umso wichtiger, um die Beschäftigung zu sichern.
Bei ante-holz ist nur noch von Nadelholz die Rede. Würden wir uns nur auf die Fichte konzentrieren, dann wäre alles noch viel dramatischer.
Leichte Erholung, aber keine Trendwende
Die meisten Gesprächspartner erwarten für 2026 eine leichte Stabilisierung, jedoch keinen klaren Aufschwung. Bei den Baugenehmigungen zeichnen sich erste Signale ab, die für deutliche Mengensteigerungen aber noch nicht ausreichen.
Grundsätzlich sieht sich die deutsche Sägeindustrie in der Lage, auf eine steigende Nachfrage zu reagieren – sofern sich die Versorgungssituation verbessert. Die Branche fordert daher eine engere Abstimmung mit dem Waldbesitz. Eine dauerhaft knappe Rohstoffversorgung würde für Teile der Industrie zu einem Existenzproblem werden.