Ist die Initiative MH Massivholz die Antwort der mitteleuropäischen KMU-Säger auf keilgezinkte Holzbauprodukte?
Ferdinand Reisecker: Durch den Zusammenschluss innovativer KMU-Säger hat sich das technisch getrocknete, geprüfte Bauholz zu einem unverzichtbaren Produkt des modernen Holzbaus weiterentwickelt. Es macht Sinn, sich für die gemeinsame bestens geprüfte Qualität einzusetzen. Das Produkt MH hat sich etabliert und wird verstärkt nachgefragt.
Engagierte KMU-Bauholzsäger produzieren österreichweit seit über 20 Jahren und in Deutschland schon länger das leimfreie Konstruktionsvollholz MH – wie funktioniert der Zusammenhalt?
Es gibt großes Engagement in der MH-Herstellergemeinschaft. Wir bemühen uns, die Qualität hochzuhalten, die Gemeinsamkeiten, wie Markenpflege, zu stärken und Messeauftritte zu unterstützen. Die individuellen Möglichkeiten jedes Einzelnen zählen. Wir arbeiten geschlossen gemeinsam inner- und außerhalb der Branche zusammen. Die MH-Familienbetriebe werden auch in diesem Jahr wieder auf der Kärntner Holzmesse am Messestand des Fachverbandes der Holzindustrie Österreichs vertreten sein.
Sind die Mitgliederzahlen steigend?
Konstant – wir setzen uns für alle Bauholzsäger in Österreich ein und hoffen, dass unser Engagement in der Sägerbranche positiv bewertet wird. Jeder Bauholzsäger muss sich angesprochen fühlen, wenn wir Qualität vor Quantität stellen und in Mitteleuropa auch mit den Forstbesitzern sowie Holzbaumeistern an einem Strang ziehen wollen. Wir schließen niemanden aus. EWD ist seit dem Frühjahr das jüngste fördernde Mitglied.
MH Massivholz liefert durch seinen flexiblen Produktionsprozess ein Mehrfaches an Möglichkeiten und eine größere Vielzahl an Querschnitten als andere Produktgruppen. Ist das noch zeitgemäß?
Selbstverständlich, viele MH-Projekte werden in ganz Österreich und in Mitteleuropa umgesetzt. Listenbauholz in MH-Qualität hat immer noch einen großen Stellenwert, der Prozentsatz unseres Absatzes im EU-Raum ist beträchtlich. Wir stehen auch immer wieder im Austausch mit unseren Kollegen in Süd- und Westdeutschland und sehen uns nicht als Konkurrenz zu anderen verklebten Produkten, sondern eher als Ergänzung. Innerhalb der großen MH-Familie können wir auch große Aufträge abwickeln. Die traditionsreichen familiengeführten Bauholzsäger sind innovativ und liefern seit Jahrzehnten Qualitätsware – das bestätigt sich vermehrt am Markt.
Welche Vorteile hat MH Massivholz?
Wir haben dem hochwertigen Produkt ohne Leim einen Markennamen gegeben. Es gibt drei Qualitäten: MH plus (gehobelt und gefast), MH fix (egalisiert) und MH natur (sägerau). Alle drei Varianten sind trocken sortiert, die Holzfeuchte liegt bei 15 ±3 %. Wird in Ausschreibungen Konstruktionsvollholz verlangt, sind wir mit MH Massivholz dabei. Wir sind als regionale und flexible Nischenanbieter unverzichtbar. Unsere regional verwurzelten Mitgliedsunternehmen bleiben für den Waldbesitzer ein bedeutender Holzabnehmer und langjähriger Partner.
Also hat MH auch in der Zukunft einen hohen Stellenwert?
Zahlreiche Planer, Holzbaubetriebe und Kunden sind bestens informiert. Wir sind laufend mit Sägebetrieben in Kontakt und freuen uns über jeden positiven Input und Zuwachs. Die MH-Familienbetriebe werden auch heuer wieder auf der Kärntner Holzmesse am Messestand des Fachverbandes der Holzindustrie Österreichs vertreten sein.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Forstwirtschaft?
Der Forst versorgt uns sehr gut mit Qualitätsrundholz, darunter auch wieder vermehrt mit Langholz für die Herstellung von MH-Produkten – ist das perfekt. Leider fehlt vereinzelt das Verständnis für eine dauerhafte Versorgung. Die Forstverbände und Organisationen wissen das, aber dringen nicht immer bis zum einzelnen Waldbesitzer durch. Oft fehlt das Wissen für einer regelmäßigen Waldpflege von hoffremden Besitzern. Den Profis ist das längst klar: Nur wer seinen Wald kennt und ihn klimaangepasst bewirtschaftet, kann diesen noch an die nächsten Generationen weitergeben. Hier erwarte ich für die Sägeindustrie mehr gemeinsame Analysen und Informationen von der Organisation Forst Holz Papier (FHP). Meine Botschaft an die Politik: Wasser und Holz sind in Österreich die wichtigsten Rohstoffe. Mit dem nachhaltigen modernen Holzbau machen wir uns unabhängiger von Gas und Öl.
Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?
Wir müssen nicht nur in der Region verstärkt gemeinsam auftreten, sondern auch den Dialog mit Gesellschaft und Politik intensivieren. Zahlreiche überzogene, vollkommen unrealistische Umweltmaßnahmen und Anforderungen werden geschaffen. Dies sorgt weder bei uns noch bei der nächsten Generation für das nötige Vertrauen. Wir müssen generationenübergreifend das Engagement verstärken. Dazu brauchen wir alle in der Holzbranche. Die Ausbildner in den Schulen und Werkstätten müssen gestärkt sowie die Lehrlingsausbildung und exzellente berufsbegleitende Werksmeisterausbildung in Kuchl unterstützt werden.
Wie gestaltet sich der Markt aus Sicht der Bauholzsäger?
Nach einem schwierigen 4. Quartal 2025, einem harten langen Winter ohne verstärkte Bautätigkeit und einer durch „Wahnsinn“ ausgelösten Nahost-Levante-Krise hat die zunächst etwas entspanntere Situation in diesem Jahr beim Konsumenten wieder kurzfristig zu einer verhaltenen Nachfrage geführt.
Die abrupte Vollbremsung in manchen Märkten bereitet nicht nur Großbetrieben Sorgen. Ihre Ware muss nun sehr bedacht auf den heimischen Märkten platziert oder besser erst gar nicht produziert werden. Das ist freilich leichter gesagt als getan. Beachten müssen wir die längst nahezu in allen Regionen bekannten Lieferungen aus anderen Ländern Europas mit niedrigeren Rohstoff- und Produktstückkosten.
Was sind Ihre Forderungen?
Die Energiekosten müssen runter. Energiepreisregelungen müssen für alle Produzenten gelten und auch für die KMU von Vorteil sein. Mit höheren Tonnagenregelungen wird Diesel eingespart und eine KFG-Novelle ist notwendig. Mehrere Millionen Liter Diesel Einsparungspotenzial sind mit zwei Federstrichen im Gesetz möglich. Mindestens 50 t für Rundholz-Lkw und die Streichung der 100 km-Grenze sind überfällig. Die Politik muss sich entscheiden, ob sie auch KMU-freundliche Wirtschaftspolitik betreibt oder kurzsichtige „Schönwetterpolitik“ schaffen will. Letztlich geht es ums Überleben in strukturschwachen Regionen und um eine nachhaltige Ressourcensouveränität Österreichs. Meine Botschaft an die Politik: Wasser und Holz sind in Österreich die wichtigsten Rohstoffe. Mit dem nachhaltigen modernen Holzbau machen wir uns unabhängiger von Gas und Öl.
Die Märkte blieben angespannt, haben sich aber aktuell wieder leicht erholt. Wie geht es den KMU-Sägern?
Die Nachfrage war und ist bis heute verhalten, aber eigentlich konstant. Der Holzbau bleibt positiv besetzt, gerade in Zeiten der Klimaveränderung verstehen das viele Planer, Architekten und die Bauträger selbst. Wir KMU-Säger sind Teil der Lösung und sehen es positiv, dass die Verwendung von massiven Bauholzelementen für den Holzbau – nach aktuellen Qualitätskriterien produziert – weiterhin nachgefragt wird.