pfeifer nordics

Nordisches Vorzeigewerk

Ein Artikel von Jakob Wassermann | 27.05.2026 - 09:30

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Pölkky-Deals im Januar 2023 adaptierte Pfeifer das bereits laufende Investitionsprogramm für Kajaani an vielen Stellen. „Wir haben die Pläne umfassend optimiert und das Gesamtkonzept stärker industrialisiert. Mit dem jetzigen Layout und Automatisierungsgrad ist der Standort der modernste innerhalb unseres Unternehmens“, erklärt Pfeifer-Projektmanager 

Maximilian Pfeifer und ergänzt: „Neben den technischen Änderungen war es für uns zu Beginn wichtig, die finnische Kultur besser zu verstehen. Zusammen mit der Belegschaft wurde etwa das Schichtmodell verändert.“

„Bis auf wenige Bestandsanlagen wurde das Werk nahezu vollständig erneuert“, ergänzt Alexander Kainer, CEO von Pfeifer Nordics. Die neue Sägehalle, errichtet aus eigenem BSP und BSH, umfasst zudem moderne Büro- und Sozialräume – standesgemäß mit betriebseigener Sauna ausgestattet. 

Apropos Pfeifer Nordics: Parallel zur technischen Modernisierung wird auch die Organisationsstruktur der finnischen Standorte angepasst und deren Unternehmensauftritt vereinheitlicht. Ab Juni firmieren die fünf Produktionsstandorte unter dem Namen Pfeifer Nordics. Der Vertrieb erfolgt künftig über die internationale Gesellschaft Pfeifer Timber. „In ausgewählten Märkten werden wir aber die etablierte Marke Pölkky beibehalten“, informiert Kainer. 

Neue Chancen

„Die Expansion nach Finnland eröffnete uns einerseits Zugang zu qualitativ hervorragendem Rohstoff und andererseits zu internationalen Absatzmärkten, die für die Pfeifer Group davor eine eher untergeordnete Rolle spielten“, erläutert Kainer. Rund 70 % des Einschnittes in Kajaani entfällt auf Kiefer. „Umfassende Tests zeigten, dass die Kiefer aus dem Norden Finnlands über mit der mitteleuropäischen Fichte vergleichbare physikalische Eigenschaften verfügt“, informiert der Pfeifer Nordics-CEO. Die Rundholzbeschaffung erfolgt zu großen Teilen über die großen Forstbetriebe des Landes. „Etwa ein Drittel des Rohmaterials erwerben wir zudem stehend im Wald. Das erhöht unsere Flexibilität bei der Gestaltung des Produktportfolios“, betont Kainer.

Durchgängiger Materialfluss

Bei der Planung des Produktionsprozesses lag der Fokus konsequent auf einem hohen Automatisierungsgrad. „Vom Rundholz bis zum fertig getrockneten Schnittholzpaket kommt kein Stapler zum Einsatz“, verdeutlicht Pfeifer.

Über ein Pufferdeck, genauso wie die Sägezubringung von Nordautomation installiert, gelangen die Stämme in die HewSaw-Spanerlinie. „Wir verarbeiten überwiegend Kiefernschwachholz. In diesem Segment verfügt Veisto über große Erfahrung. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten kam uns zudem die kompakte Bauweise entgegen“, erklärt Pfeifer. Auf der Anlage wird derzeit mit 170 m/min produziert. Sowohl bei der Geschwindigkeit als auch der Auslastung gebe es noch weiteres Potenzial. „Momentan liegt die Auslastung in der Produktion bei etwa 80 %, in einzelnen Schichten erreichen wir auch schon mehr. Bis Jahresende wollen wir konstant bei 100 % sein“, gibt Kainer das Ziel vor. 

Bis zu acht Seitenbretter gelangen nach dem Einschnitt zusammen mit der Hauptware in die Nasssortierung von Jartek – eine der wenigen bestehenden Anlagen. Mit 180 Takten pro Minute erfolgt die Zuteilung in 85 Sortierboxen. Sämtliche Scanner im Werk stammen mit Finnos ebenfalls von einem finnischen Hersteller. Nach der Paketierung werden die bis zu 6 m hohen Schnittholzpakete auf Transportwagen positioniert und der Trocknung zugeführt. Ein 4000 m³-Pufferlager vor den vier TC-Kanaltrocknern von Valutec stellt eine konstante Versorgung der Trocknung sicher. Jeder Trockner bietet Platz für drei Pakete nebeneinander und insgesamt zehn Pakete im Kanal. Vor der Trockensortierung steht ein weiteres Pufferlager mit einer Kapazität von 3000 m³ zur Verfügung.

Für die Sortierung des getrockneten Schnittholzes installierte Jartek parallel zur Nasssortierung eine baugleiche, entgegengesetzt laufende Linie. „Mit einer Durchlaufzeit von unter einer Woche vom Einschnitt bis zum fertigen Produkt ist dieses Gesamtkonzept äußerst effizient. Operativ sind in der Verarbeitung lediglich drei Mitarbeiter erforderlich“, erklärt Pfeifer. Die Produktionskapazität des Standorts liegt bei 450.000 m³/J und wurde damit mehr als verdoppelt. 

Weitere Entwicklungsmöglichkeiten

Anfallende Nebenprodukte werden in Späne, Hackschnitzel und Rinde getrennt. Die Hackschnitzel werden weiterverkauft. „Die HewSaw-Linie erzeugt qualitativ hochwertige Hackschnitzel, die den hohen Anforderungen der Papierindustrie entsprechen“, betont Kainer. Die Rinde wird am Standort thermisch verwertet. Derzeit entsteht in Kajaani zudem eine neue Wärmezentrale, die im Sommer in Betrieb gehen soll. Den Zuschlag für das 17 MW-Heizwerk erhielt der Kärntner Anlagenbauer Urbas. „Investitionen in die Weiterverarbeitungstiefe sind natürlich immer denkbar“, antwortet Pfeifer auch auf die Frage nach der potenziellen Erweiterung des Standortes um ein Hobelwerk. Im Bereich Logistik sieht Kainer weiteres Potenzial in der Reaktivierung eines nahegelegenen Gleisanschlusses: „Aktuell fertigen wir bis zu 35 Lkw pro Tag ab. Über die Bahn könnten wir eine stabile Grundlast deutlich effizienter abtransportieren.“

Pfeifer Nordics

Standorte: Kuusamo, Kajaani, Taivalkoski, Kitka, Oulu (Druckimprägnierung)

Produktionskapazität: Schnittholz: 1 Mio. m³/J; Hobelware: 200.000 m³/J; BSH: 30.000 m³/J; Druckimprägnierung: 50.000 m³/J; 

Hauptmärkte: Finnland, Großbritannien, USA, Japan, MENA

Umbauphase Kajaani: November 2024 bis August 2025

Holzarten Kajaani: Kiefer (70 %), Fichte (30 %)