„Die bisherige Nachschnittkreissäge war der Flaschenhals in unserer Produktion, da aufgrund des fehlenden Spaners mehr Schwarten und unbrauchbare Seitenware angefallen sind. Außerdem hatten wir keine Vollflächenvermessung“, erläutert Karl Bogenreiter, Geschäftsführer des gleichnamigen Sägewerks im niederösterreichischen Gresten, den Hauptbeweggrund für die Investition. Darum entschied er sich, diesen Engpass zu beseitigen und in eine neue, automatische Anlage zu investieren. Aufgrund der 30-jährigen guten Zusammenarbeit fiel die Wahl auf eine Doppelwellenkreissäge von der Maschinenfabrik Stingl, Guttaring/AT. „Wir haben ein gutes Vertrauensverhältnis. Die Stingl-Mannschaft hat sich bei uns bewährt“, meint der Säger. Vom Kärntner Anlagenbauer stammten neben der Sägewerksmechanisierung auch der Rundholzplatz, die Versandpaketierung, die Schnittholzsortierung sowie auch die alte Kreissäge.
Komplett überarbeitet
„Wir haben unser Maschinenprogramm in den vergangenen Jahren komplett überarbeitet und optimiert“, informiert Wolfgang Stingl, Geschäftsführer der Maschinenfabrik, und führt weiter aus: „Die Blattverstellung beziehungsweise Positionierung erfolgt nun servoelek-trisch und auch das Vorschubsystem wurde erneuert. Es ist eine sehr kompakte Maschine entstanden.“ Somit konnte die eigentliche Doppelwellenkreissäge um 1 m verkürzt werden, was speziell im Falle Bogenreiters zwei entscheidende Vorteile mit sich bringt. Einerseits passt die Maschine in den vorhandenen Platz und andererseits konnte damit auch ein Spaner vor der Kreissäge platziert werden. „Vor allem letzterer entlastet unsere Besäumanlage enorm – das war ein wesentlicher Grund für die Investition“, verdeutlicht Bogenreiter.
Der Umbau erfolgte im Sommer 2023. Neben der Doppelwellenkreissäge erneuerte Stingl zudem die komplette Steuerung sowie die Schaltschränke des gesamten Sägewerks. Die mit dem Gatter erzeugten Model werden vom Rollengang nach links auf einen Puffer abgezogen, entzerrt und vereinzelt. Anschließend geht es im Querdurchlauf durch die Vollflächenmessung von Alpiscan, Brixen/IT (s. Beitrag Qualitätserkennung für alle Betriebe). „Aufgrund der beidseitigen Messung von oben und unten ist es nicht notwendig, das Holz vor dem Einschnitt zu wenden“, berichtet Stingl. „Die vollflächige Konturvermessung mittels Kameras ist deutlich genauer im Vergleich zum Linienlaser“, ergänzt Bogenreiter.
Flexibler Einschnitt
Vor der Doppelwellenkreissäge wird das Holz entsprechend der Optimierung positioniert und mit Oberdruck- beziehungsweise Führungsrollen in die Nachschnittgruppe transportiert. Hier installierte Stingl zunächst einen kompakten Spaner, um Model zu erzeugen. Die Nachschnittmaschine bei Bogenreiter ist auf eine individuelle Schnitthöhe von 250 mm ausgelegt. „Bei halber Schnitthöhe kann die Doppelwellenkreissäge zweistielig variabel schneiden. Mit dem Stielsprung ist ein flexibler Einschnitt möglich. Das ist vor allem in Bezug auf die Ausbeute ein großer Vorteil“, führt Stingl aus. Die maximale Durchlassbreite liegt bei 1 m, die Aufspannbreite bei insgesamt zwei Büchsen pro Welle beträgt etwa 600mm. Die Anlage ist mit 132 kW-Motoren ausgestattet. Der Einschnitt erfolgt aufgrund der im Programm gespeicherten Schnittbilder. Hier lassen sich neben den Dimensionen auch Wertigkeiten oder Stückzahlen festlegen. Die Maschine arbeitet komplett mannlos. Sie wird lediglich vom Gatteristen überwacht, der bei Bedarf eingreifen kann.
Ausgangsseitig wird das Holz nach Haupt- und Seitenware getrennt. Die Hauptware geht direkt in Richtung des Sortierwerks. Dabei können bei ergänzenden Dimensionen für die Erhöhung der Ausbeute und zur Entlastung der Sortier- und Stapelanlage diese nochmals vereinzelt und in zwei Sortieretagen gepuffert werden. Seitenware mit Waldkante lässt sich noch mit dem Besäumer nachbearbeiten.
Beim Rundgang verweist Bogenreiter auf das Tablet von Stingl: „Damit können wir sehr einfach verschiedene Einstellungen an der Nachschnittmaschine vornehmen, wie etwa die Position der Trennlamellen oder das Ein- und Ausfahren der Sägewellen für den Sägeblattwechsel. Das macht die Maschine sehr bedienerfreundlich.“
„Mit dem neuen Nachschnitt haben wir den Flaschenhals beseitigt. Jetzt läuft das Sägewerk wieder konstant. Die Investition hat sich bezahlt gemacht“, sagt Bogenreiter und ist mit seiner Entscheidung sehr zufrieden.
Sägewerk Bogenreiter
Gegründet: 1920
Standort: Gresten/AT
Geschäftsführer: Karl Bogenreiter
Mitarbeiter: 20 (inklusive Weiterverarbeitung)
Einschnitt: 15.000 bis 20.000 fm/J, davon rund 40 % für die eigene Weiterverarbeitung
Produkte: fast ausschließlich Verpackungsholz; maßgefertigte Kisten und Paletten
Absatz: regional im Umkreis von 40 km