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Pellets Archivbild © Martina Nöstler
Pelletskonferenz

Gute Gründe für Pellets

Ein Artikel von Dagmar Holley | 08.03.2017 - 14:27
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Pellets Archivbild © Martina Nöstler
Im Rahmen der World Sustainable Energy Days (WSED) am 1. und 2. März in Wels fanden acht Konferenzen zum Thema nachhaltige und erneuerbare Energie statt. Die Europäische Pelletskonferenz – laut Veranstaltern die weltweit größte jährliche Pelletsveranstaltung – informierte über die Pelletsmärkte der ganzen Welt.
Die EU ist zugleich größter Produzent und Verbraucher von Holzpellets. 2015 stand einer Produktion von 14,1 Mio. t ein Verbrauch von 20,3 Mio. t gegenüber. Die Weltproduktion betrug 2015 knapp 30 Mio. t. Die fünf Hauptproduktionsländer der EU waren Deutschland (2 Mio. t; 2016: 1,95 Mio. t), Schweden (1,7 Mio. t), Lettland (1,5 Mio. t), Estland (1,3 Mio. t) und Österreich (1 Mio. t; 2016: 1,05 Mio. t), zeigen die Daten des europäischen Biomasseverbandes AEBIOM und von proPellets Austria.

Produktion für den Export

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Flagge Litauen © Archiv
Didzis Palejs, Präsident von AEBIOM sowie des lettischen Biomasseverbandes LATbio, erläuterte die Lage im Baltikum: „Im Baltikum gibt es keine Papier- und Zellstoffindustrie. Holz aus Küstennähe wird großteils nach Skandinavien exportiert. Weiter aus dem Landesinneren lohnt sich das aufgrund der hohen Transportkosten nicht. Dort werden unsere Pellets erzeugt.“
In den vergangenen Jahren ist das Baltikum zur bedeutendsten europäischen Produktionsregion heran gewachsen. 2016 produzierten Estland, Lettland und Litauen gemeinsam mehr als 3 Mio. t Pellets (s. Link 1). Im Sommer bedrohten die niedrigen Preise die kostendeckende Produktion. Aufgrund des kalten Winters haben sie wieder angezogen. Nun läuft die Produktion auf Hochtouren, um die Lieferfähigkeit sicherzustellen. Ein Großteil der baltischen Pellets wird nach Westeuropa exportiert.

Teures Heizen mit Strom

Norwegen deckt seinen Energiebedarf vorwiegend aus Wasserkraft. Die Reserven sind so groß, dass ein Großteil exportiert wird und der Strompreis in Norwegen dennoch niedrig bleibt. Das hat zur Folge, dass die Norweger bevorzugt mit Strom heizen.
Martin Kristensen von Nobio, dem norwegischen Biomasseverband, meinte dazu: „Wir wollen mit der Elektrizität aus unserer Wasserkraft die fossilen Brennstoffe ersetzen und Pellets zur Wärmegewinnung verwenden.“ 2016 produzierte man rund 70.000 t und liegt damit hinter den Nachbarländern. Ein weiterer Ausbau der Kapazitäten ist geplant.

Erreichen der Klimaziele

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Flagge Großbritannien © public domain
Während in vielen Ländern vor allem Privathaushalte Pellets zum Heizen nutzen, sieht die Situation in Großbritannien anders aus. 5,7 Mio. t Pellets verfeuerte man hier 2016 zur Stromgewinnung.
Mark Lebus vom britischen Biomasse-Energieversorgungsunternehmen LC Energy berichtete von kommenden Zertifizierungssystemen, Tarifänderungen und staatlichen Förderungen. Der Anteil CO2-neutraler Energie soll so weiter gesteigert werden.
Großbritannien produziert nur einen geringen Teil seiner verbrauchten Pellets selbst. Importe kommen auch über weite Strecken aus den USA und aus Kanada. Umweltschutzorganisationen, wie Greenpeace, üben Kritik daran. Lebus hat kein Verständnis dafür, geht es doch um das Erreichen der Klimaziele.

Ersatz für fossile Brennstoffe

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Flagge Kanada © Archiv
Kanada exportierte 2016 rund 2,4 Mio. t Pellets. 1,8 Mio. t davon gingen nach Großbritannien, informierte Gordon Murray, Direktor der Wood Pellet Association of Canada.
Die Produktionsstätten befinden sich meist in Küstennähe. Europa wird sowohl von der Ost- als auch der Westküste beliefert. In den vergangenen Monaten wurden neue Kapazitäten geschaffen, dennoch gehen nur rund 4 % des Holzes in die Pelletsproduktion. „Die Wertschöpfung ist gering“, meinte Murray.
Kanada hat einen hohen Anteil an Wasserkraft, zudem einen niedrigen Erdgaspreis. Pellets sollen fossile Brennstoffe ersetzen. Wie in England wurden einige Kohlekraftwerke auf Pellets umgestellt.

Die Wertschöpfung ist gering.

Gordon Murray, Direktor Wood Pellet Associantion of Canada

Biomasseanteil steigern

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Flagge Japan © Archiv
Japan gehört ebenfalls zu den Abnehmern Kanadas. Der Biomasse-Anteil steigt auch hier stetig, das Erreichen der Klimaziele steht an erster Stelle. Sogar Rundholz wird in der Pelletsproduktion eingesetzt. Problematisch sah Kenichiro Kojima, Generalsekretär des japanischen Pellet Club, die Struktur der Pelletswirtschaft seiner Heimat: Viele kleine Anbieter stünden vielen kleinen Abnehmern gegenüber. Gearbeitet werde nun an Qualitätsstandards sowie am weiteren Ausbau von Großkesselanlagen.

Luftqualität verbessern

Über einen geringen Anteil an erneuerbarer Energie zur Wärmegewinnung kann Chile nicht klagen: Brennholz gehört zu den meistverwendeten Energiequellen. Allerdings wirkt sich das negativ auf die Luftqualität aus. Der Umstieg auf Pellets könnte die Situation verbessern, meinte Laura Azocar Ulloa von der Universität de La Frontera, Temuco. Eine Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die importiert werden müssen, erhofft man sich ebenfalls.
In den vergangenen Jahren baute Chile seine Kapazitäten aus. 2016 produzierte das Land 88.000 t Pellets.

Verwendung auch als Einstreu

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Flagge Australien © Wikimedia Commons
Tasmanien, die südliche Insel Australiens, habe einen hohen Anteil erneuerbarer Energie, berichtete Mervyn Jones von Wood Pellets Tasmania. Reste der Holzverarbeitung dienen als Ausgangsstoffe für die Pellets. Wie in Chile ist man hier von der Qualität europäischer Kessel begeistert.
Wenn aufgrund des milden Klimas die Nachfrage nach Heizmaterial sinkt, werden Pellets als „animal litter“ – Einstreu für Ställe – angeboten.

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