Pflanzenkohle

Joensuu Biocoal nach einem Jahr Betrieb insolvent

Ein Artikel von Michael Fehrle | 09.04.2026 - 14:54

Die Anlage wurde im Rahmen eines eigentümergeführten Modells mit mehreren beteiligten Auftragnehmern realisiert. Andritz, Graz/AT, und Polytechnik, Weissenbach/AT, lieferten die zentralen Anlagekomponenten. Weitere Anlagenteile stammen von separaten Lieferanten. Das Fehlen eines Generalunternehmers für die gesamte Anlagenintegration erschwerte die Koordination der Schnittstellen und die Inbetriebnahme. Zudem war die Trocknung bereits vor Ort vorhanden und kapazitiv nicht auf die neuen Anlagenteile abgestimmt. Dies führte zu betrieblichen Herausforderungen in Bezug auf die Prozessstabilität und die Gesamtoptimierung der Anlage.

Der geopolitisch bedingte Wegfall russischer Biomasse-Lieferketten sowie die daraus resultierende veränderte Rohstoffverfügbarkeit und Preisgestaltung haben die wirtschaftlichen Annahmen des ursprünglichen Geschäftsmodells erheblich beeinflusst. Aufgrund der Kombination aus Projektdurchführung, Integration und den oben beschriebenen Marktfaktoren hat die Anlage noch keinen längeren, kontinuierlichen Betriebszyklus absolviert und ist dadurch in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen.

Als eine mögliche Lösung verhandeln der Insolvenzverwalter und Investoren derzeit über die künftige Eigentums- und Betriebsstruktur.

Ziel von Joensuu Biocoal war es, aus rund 250.000 m³/J Durchforstungsholz und Rinde 60.000 t torrifizierte Hackschnitzel und Briketts herzustellen. Damit ist Joensuu Biocoal die größte europäische Torrifizierungsanlage.

Die torrifizierten Hackschnitzel sollten Steinkohle ersetzen. Abnehmer wäre unter anderem das Heizkraftwerk von Savon Voima gewesen, auf dessen Gelände die Torrifizierungsanlage aufgestellt wurde.