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Passivhaus-Bewohner zeigen sich durchwegs begeistert von der Wohnqualität im Passivhaus © Pachler

Vorurteile ausräumen

Ein Artikel von Administrator | 09.07.2003 - 00:00
Die Herausforderung beim Passivhausbau sei die Erzielung eines hohen Qualitätsstandards bei der Ausführung, so der Tenor bei der 1. Tiroler Passivhaustagung am 27. und 28. Juni in Ebbs. Veranstaltet wurde diese von der neu gegründeten IG-Passivhaus Tirol, die die Länderorganisationen nun Österreich weit komplettiert.
Was ist ein Passivhaus? Die grundlegende Funktionsweise des Haustyps erklärte Dr. Harald Krause, Dr. Krause & Kirmayr, Rosenheim/DE, den Teilnehmern.Hohe Anforderungen. Die Anforderungen, die ein Haus erfüllen muss, um als Passivhaus zu gelten sind folgende: Der Jahresheizwärme-Bedarf muss kleiner sein als 15 kWh/m2J. Die Heizlast muss geringer sein als 10 W/m2. Die Gebäudehülle muss bei einem Druckunterschied von 50 bar zwischen Innen- und Außenraum eine Luftwechselzahl von höchstens 0,6/h aufweisen und der Primärenergiekennwert des Hauses soll unter 120 kWh/m2J betragen.
Ausgeführt mit einer gut Wärme dämmenden und luftdichten Hülle sind Passivhäuser mit automatischen Wohnraumlüftungen mit Wärmerückgewinnung und teilweise mit Erdwärmetauschern ausgestattet. Die Heizlast ist laut Krause mit dem Warmwasser-Bedarf gleich zu setzen. Dieser kann über Solaranlagen, Raumpelletheizungen, elektrisch über Pufferspeicher oder sogenannte Kompakt-Aggregate abgedeckt werden.Knackpunkt Fenster. Solare Energiegewinne werden durch große Fenster auf der Südseite erreicht. Durch die guten Dämmwerte der Fenster fallen Strahlungstemperatur-Differenzen, die von den Bewohnern als unangenehm empfunden werden, weg. Diese müssen für den Sommer mit einer geeigneten Beschattung ausgerüstet werden. Die momentan gängige Ausführung der Passivhaus-Fenster ist die 3-Scheiben-Variante.
Die Problemzone am Fenster sei der Rahmen und zusätzlich die Art des Einbaues, so Franz Freundorfer, Innovationszentrum Fenster, IFZ, Oberndorf/DE. Hier übte er Kritik an den Fensterbauern, die wenig Innovationsgeist zeigen würden. Fensterrahmen und -stock brauchen eine durchgängige Dämmung. Der Glaseinstand im Rahmen muss unbedingt groß sein, um Kältebrücken zu vermeiden, an denen sich Kondensat bilden würde. Der Fenstereinbau erfolgt am Besten in die Dämmschicht der Wand.
Freundorfer wies in diesem Zusammenhang auf Holzfenster-Entwicklungen des IZF hin, die für Freisinger, Ebbs, und Lederbauer, Eberschwang, gemacht wurden. Im Vorfeld der Tagung waren die Teilnehmer auch zu einer Besichtigung beim Holz- und Fensterbau-Unternehmen Freisinger in Ebbs eingeladen, die sichtlich begeisterte.
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Passivhaus-Bewohner zeigen sich durchwegs begeistert von der Wohnqualität im Passivhaus © Pachler


Holz als Passivhaus-Baustoff propagierten Dr. Bernhard Zimmer, FH-Kuchl, und Dr. Perthold Kaufmann, Passivhaus-Institut Darmstadt/DE. Während für Zimmer die Öko-Bilanz des Baustoffes Holz ausschlaggebend war, wies Kaufmann auf die regionale Wertschöpfung hin, die dadurch erzielt werden könne. Holz in guten Qualitäten rar. In Gesprächen der anwesenden Holzbauer war allerdings zu hören, dass es immer schwieriger werde, die benötigten Qualitäten bei kleinen Sägern der Umgebung zu bekommen. So werde bereits vielfach auf KVH zurückgegriffen, auch für Dimensionen und Einsatzgebiete, wo dies nicht unbedingt notwendig wäre.
Mit der Auftragslage zeigten sich die Zimmermeister sehr zufrieden. Einer meinte gar, den besten Verlauf seit Jahren zu erleben. Während er normalerweise maximal 10 Häuser im Jahr baue, habe er jetzt bereits 6 fertig gestellt und einige weitere warten.
Durch die beim Holzbau erzielbare geringere Wandstärke verliere man außerdem weniger Wohnfläche als beim Massivbau. Während etwa in Oberösterreich 75% der Passivhäuser in Holz errichtet werden, setzt man in Deutschland großteils auf Beton und Ziegel.Qualitätskontrolle ausgesprochen wichtig. Siegfried Walser, Isocell, Neumarkt, wies, wie die anderen Referenten, darauf hin, dass die Qualitätskontrolle während der Bauphase unumgänglich sei, damit das Passivhaus dann auch als solches funktioniere. Der Blower-Door-Test ist hier eine gängige Möglichkeit, die Luftdichtheit zu überprüfen. Dieser sollte durchgeführt werden, wenn Ausbesserungs-Arbeiten noch ohne großen Aufwand ausgeführt werden können. Bei einer Druckdifferenz von 50 bar sollte sich eine Luftwechselzahl von höchstens 0,6 ergeben. Fensteröffnen gestattet. Reinhard Weiss, Drexel & Weiss, Bregenz, informierte die Teilnehmer über Haustechnik-Systeme. „Das Ziel dieser Veranstaltung soll es sein, Vorurteile gegenüber dem Passivhaus aabzubauen”, meinte er. So sei etwa das Öffnen der Fenster durchaus gestattet. Teilweise werde über zu trockene Luft in den Passivhäusern geklagt, erzählte er. Dies lasse sich durch Senkung der Luftwechselzahl leicht regulieren. Eine automatische Befeuchtung der Luft sei wegen der Gefahr der Bakterienbildung nicht möglich.