Gumpp & Maier

Mit organischem Wachstum bis in die Topliga

Ein Artikel von Jakob Wassermann | 27.11.2025 - 10:11

Als Alexander Gumpp und Josef Maier 2004 das Unternehmen gründeten, war ursprünglich das Ziel, einen breit aufgestellten Holzbaubetrieb mit 25 bis 30 Mitarbeitern zu etablieren. „Unser Unternehmen ist von Anfang an gut angelaufen. Was wir allerdings nicht geschafft haben, ist klein zu bleiben“, erzählt Gumpp im Interview mit dem Holzkurier. Zwischen 2007 und 2009 erfolgten die ersten Entwicklungen und Projekte in der seriellen Sanierung und im mehrgeschossigen Objektbau. Beide Gründer waren zuvor in klassischen Zimmereien tätig. Der Einstieg in den Objektbau gelang maßgeblich über die Mitarbeit in Forschungs- und Entwicklungsprojekten sowie durch ein enormes ehrenamtliches Engagement in diesem Bereich.

In dieser Zeit entschieden die Unternehmer, mit dem Markt mitwachsen zu wollen. „Unsere mittelfristigen Ziele haben wir stets zwei bis drei Jahre früher als geplant erreicht. Dennoch legen wir großen Wert auf organisches, aus eigener Kraft tragbares Wachstum“, betont Gumpp. Heute liegt der Fokus des Unternehmens auf dem Objektbau, ohne sich dabei vollständig auf diesen Bereich zu beschränken. Mit der Marke arstekton ist man weiterhin im Einfamilienhausbau aktiv.

Antwort auf zunehmende Volatilität

Der Anteil des Holzbaus am Gesamtmarkt wächst kontinuierlich – und wird es nach Überzeugung von Gumpp auch künftig tun. Eine kurzfristige Auftragsdelle im 1. Halbjahr, bedingt durch die Verschiebung eines Großprojekts, konnte das Unternehmen durch Alternativaufträge kompensieren.

Im nächsten Jahr sind die ersten sechs Monate bereits durchgetaktet. Im Objektbau beobachtet das Unternehmen eine zunehmende Volatilität der Einzelaufträge. „Eine zu lange Auslastung ist daher nicht zwingend vorteilhaft“, erläutert Gumpp. Um auf die Entwicklung zu reagieren, gründete Gumpp & Maier gemeinsam mit Huber und Sohn sowie LignoAlp den Generalunternehmer holzbauGU, der Projekte im Großraum München realisiert. „Dieser Schritt verschafft uns ein weiteres Standbein und ermöglicht, volatile Projekte besser abzufedern“, erklärt Gumpp. Erste Vorhaben wurden bereits erfolgreich umgesetzt.

Gumpp & Maier ist vorwiegend entlang der süddeutschen Achse München–Stuttgart–Karlsruhe sowie im Großraum Frankfurt tätig. „Wir haben das große Privileg, in einer der wachstumsstärksten Regionen Deutschlands beheimatet zu sein. Gute Aufträge finden wir somit in erreichbarer Nähe“, sagt Gumpp.

Der Erfolgsfaktor des Objektholzbaus ist der inhabergeführte Mittelstand. Dieser zeichnet sich durch ein verantwortungsvolles Wachstum aus.


Alexander Gumpp, Geschäftsführer Gumpp & Maier

Entwicklungsbedarf bei Holzdecken

„Die meisten GU-Projekte, an denen wir beteiligt sind, werden als Hybridbauten mit Stahlbetondecken ausgeführt. Die Gebäudehülle wird in Holz ausgeführt. Das ist auf Dauer allerdings nicht der Markt, den wir haben wollen. Wir wollen stärker in Richtung Vollholzbau gehen. Das hängt allerdings von den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ab“, erklärt Benjamin Schwitz, Leiter Projektentwicklung bei Gumpp & Maier. „Der Hybridbau ist für uns eine Brückentechnologie. Noch müssen die ökologischen Auswirkungen der Materialien nicht bepreist werden – das wird sich jedoch ändern“, ist Gumpp überzeugt.

Vor allem im Deckenbau sieht Schwitz Nachholbedarf: „Hier haben wir derzeit das BSP und das war es. Für die Zukunft brauchen wir eine stärker systematisierte Bauweise.“ Sebastian HernándezMaetschl, Leiter Forschung und Entwicklung, betont ebenfalls: „Die Systematisierung der Bausysteme ist mit Blick auf das zunehmende Bauen im Bestand unerlässlich. Wir müssen in den Bereichen Decken, Pfosten und Träger ähnliche Wege einschlagen wie bei der Gebäudehülle.“

Künstliche Intelligenz gezielt nutzen

Weitere Forschungs- und Entwicklungsprojekte zielen auf eine höhere Vorfertigungstiefe, insbesondere im Bereich der Haustechnik. Im Rahmen des Projekts Dokwood arbeitet das Unternehmen mit Partnern an einem dynamischen Bauteilkatalog, der die Anforderungen aller Projektbeteiligten zusammenführt. „Heute erleben wir häufig, dass Anforderungen nicht aufeinander abgestimmt sind. Mit dem kollaborativen Bauteilkatalog wollen wir das ändern“, erläutert Schwitz.

Zur Optimierung der internen Kalkulation entwickelt Gumpp & Maier derzeit eine KI-Anwendung, die Unternehmens- und Projektdaten auswertet und so insbesondere jüngeren Mitarbeitenden relevante Informationen liefert. Für die Entwicklung beschäftigt das Unternehmen einen eigenen Programmierer. „Darüber hinaus evaluieren wir derzeit weitere sinnvolle KI-Anwendungen. Wir müssen neue Technologien einfach ausprobieren – als inhabergeführtes Unternehmen haben wir den Vorteil, solche Entscheidungen rasch treffen zu können“, ergänzt Gumpp.

Engagement für die Kreislaufwirtschaft

„Die Kreislaufwirtschaft ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, zu dem auch wir als Ausführende beitragen müssen. Rückbaufähige Gebäude eröffnen neue Perspektiven für die Branche“, betont Gumpp. Entwicklungsbedarf sieht er insbesondere in der Wertschöpfungskette zwischen Rückbau und Wiederverwendung: „Die zirkuläre Frage entscheidet sich genau an dieser Schnittstelle.“

Beim Thema Laubholz im Bauwesen fordert Gumpp rasche Änderungen der vorhandenen Regularien. „Technologie und Material sind vorhanden – was fehlt, sind die behördlichen Rahmenbedingungen, um sie anzuwenden“, erklärt er. Ein Vorschlag von Gumpp: eine Umstellung von Gebäude- auf Tragwerksklassen, ähnlich dem Schweizer Modell.

Geregelte Unternehmensnachfolge

„Wir sind stolz darauf, eine zweite Führungsebene aufgebaut zu haben. Die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens hängt entscheidend von einem fließenden Übergang in den kommenden acht bis zehn Jahren ab“, sagt Gumpp. Seine Tochter Franziska, die ebenfalls über eine branchenspezifische Ausbildung verfügt, ist bereits im Unternehmen tätig.