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Stammsitz Tartumaa: Hier sollen auf 20 ha 200.000 m3/J Hobelware hergestellt werden © Raitwood

Raitwood

Reliable, also zuverlässig

Ein Artikel von Gerd Ebner | 12.12.2019 - 09:20

Was meint CEO Ivar Dembovski, wenn er sagt: „Wir produzieren nicht nur, wir servicieren auch?“ Ich glaube, dass er schlecht geschlafen hat, als er in den Vorjahren merkte, dass sich sein erstes Hobelwerk der Kapazitätsgrenze näherte. Es konnten nicht mehr alle Kundenanfragen bedient werden. „Der Ausbau der Kapazität auf 60 Mio. lfm/J, also rund 200.000 m3/J soll nun die Versorgungssicherheit unserer Kunden garantieren. Mit den neuen Anlagen wollten wir auch neue Maßstäbe hinsichtlich der Qualitätssicherung und Kundensortierung setzen. Wir finden, wir waren erfolgreich“, erklärt Dembovski (s. Beitrag "Hobelwerk der nächsten Generation").

Onlinequalitäts-Monitoring

Mit einem 12 Mio. €-Investment wurde eine schnelle und extrem flexible Anlage geschaffen. Dembovski: „Auf ihr lassen sich verschiedene Produkte sehr effizient herstellen. Das ist genau das, was wir unseren Kunden offerieren wollen.“

Zu den Features gehören unter anderem eine ausgefeilte ATB-Scannertechnik sowie eine Festigkeitssortierung von Brookhuis. Beides soll garantieren, dass der Kunde das bekommt, was er bestellt hat.

„Kein Mensch kann 80 Stück pro Minute verlässlich über einen längeren Zeitraum visuell so beurteilen. Zu komplex sind auch die Sortieransprüche der Kunden“, verdeutlicht Dembovski, warum das Werk so konzipiert wurde. „Der ständige Check und Re-Check sorgen für exakte Dimensionen und beständige Qualität. Im Kern denken wir auch an die Ausbeute jedes Zulieferers. Wir haben gelernt, in einer Partnerschaft zu denken: Lieferanten und Produzenten.“

Handarbeit für angepasste Verpackung

Im Hobelwerk ist faktisch alles automatisiert. Wirklich alles? Nein, die Verpackung erfolgt manuell: „Für eine automatische Verpackung sind unsere Produkte und Kundenwünsche zu unterschiedlich“, setzt Dembovski in diesem sensiblen Bereich auf Handarbeit.

Heimmarkt rund um Ostsee

„Alle Anrainerstaaten der Ostsee – also auch Deutschland – bezeichnen wir als Heimmarkt“, definiert Exportleiter Rainar Laes seine Verkaufsstrategie und nennt stakkatoartig die Produkte für Deutschland: „Fasebretter bis 28 mm Stärke, Glattkantbretter zwischen 95 und 195 mm Breite, Balkonbretter bis 195 mm Breite, Rauspund und Latten.“ Raitwood betreibt drei Serviceterminals, für DIY, Zimmerer und die lokale Fertighausindustrie und ein Zentrallager am Stammsitz in Tartumaa/EE sowie zwei in der Hauptstadt Tallinn. Der Exportverkauf sitzt zentral in Tartumaa, darüber hinaus hat man ein Büro in Polen, das Litauen und Polen bedient.

Eine besondere Form der Partnerschaft betreibt man mit dem norddeutschen Unternehmen Georg Pagnia, Oldenburg (s. Beitrag "Der Vertriebsdienstleister"). Pagnia, der Vertriebspartner für Deutschland, hat für seine Kunden Lagermengen reserviert. „Unterschreitet der Lagerstand eines Produktes eine Mindestmarke, wird dieses sofort nachproduziert“, veranschaulicht Laes. „Wir ermöglichen so eine Produktvielfalt, die jederzeit abgerufen werden kann“, umschreibt Geschäftsführer Peter Pagnia das Lagersystem. Zuletzt stellten beide Unternehmen das Konzept gemeinsam Mitte November am Branchentag in Köln vor.

Eigene Sägewerke für richtige, ausreichende Versorgung

Gemeinsam mit Lemeks betreibt Raitwood drei Sägewerke. Lemeks selber ist auch Waldeigentümer. „So gesehen, haben wir eine stabile eigene Versorgung, die man in Zeiten wie diesen umso dringender braucht“, verweist Dembovski auf die geschlossene Kette vom Wald bis zum Endkunden.

Ein Viertel der nötigen Rohware stammt aus den eigenen Nordwood-Sägewerken, der Rest wird überwiegend aus Finnland und Russland zugekauft, etwas stammt aus Schweden und Weißrussland. Mit der Aussage: „Bestes Holz für Verwendung“, umschreibt Dembovski die Rohwaren-Auswahl.

20 ha stehen in Tartumaa zu Verfügung, um mit 160 Mitarbeitern rund 200.000 m3 Rohwaren zu Profilbrettern und Blockhausbohlen sowie festigkeitsgeprüften Baukomponenten zu verarbeiten. Auf Wunsch gibt es auch eine Oberflächenbehandlung. Für den Export bietet man zumindest eine Grundierung an.

Binnen einer Woche Zustellung

Beim Besuch des Holzkurier lief die Produktion 24/7. „Im Vollbetrieb haben wir unsere Produktionsmenge verdoppelt. Damit können wir auch neue Kunden bedienen. Deutsche Kunden erreichen wir binnen einer Woche. Wird Montag oder Dienstag Lagerware bestellt, sollte Anfang der kommenden Woche die Zustellung erfolgen“, weiß Laes.

Angebot so divers wie möglich

Raitwood bedient 38 Länder weltweit. Den antizipierten Rohwaren-Bedarf der kommenden zwei Monate will man auf Lager halten. Mit dem raschen Hobelwerk kann man kurzfristig Bestellungen abarbeiten. In den kommenden Jahren will man alle europäischen Länder, die über eine gewisse Holzkultur verfügen, servicieren. Im Winter wird man tendenziell auf Überseedestinationen setzen. „Die elf Spindeln der neuen Hobelanlage erlauben es, faktisch jedes gewünschte Profil zu erzeugen“, schließt Laes. Auf seiner Kundenliste fehlt ihm derzeit nur noch Südamerika.

Raitwood

Orte: Reola, Tartumaa/EE
Geschäftsführer/Eigentümer: Ivar Dembovski
Mitarbeiter: 160
Firmenareal: 20 ha
Hobelwaren: 200.000 m3/J; 60 Mio. lfm/J (Ziel für 2020/21)
Märkte: Anrainerstaaten des Baltischen Meeres sieht man als Heimmärkte, exportiert wird aber in Summe in 38 Exportländer.