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Aktuelles zum Coronavirus

Coronaviren auf Holzoberflächen – gibt es ein Risiko?

Ein Artikel von Konrad Domig, Rupert Wimmer | 16.03.2020 - 08:09

Coronaviren werden zwischen Menschen und Tieren übertragen und können leichte Erkältungskrankheiten bis hin zu schweren Lungenentzündungen verursachen. Der von der WHO definierte Name der neuen Erkrankung ist COVID-19.

Die Ansteckung mit dem neuen Coronavirus erfolgt überwiegend von Mensch zu Mensch, wobei vor allem Sekrete aus dem Atmungstrakt (husten, niesen), aber auch Speichel (spucken) sowie Ausscheidungen (Harn, Stuhl) und Körperflüssigkeiten (Blut usw.) infektiös sein können.

Krankheitsverlauf

Die meisten Erkrankungen verlaufen mild und ohne typische Symptome (Erkältung), während in schweren Fällen eine Lungenentzündung, ein schweres, akutes Atemwegssyndrom, Nierenversagen und der Tod möglich sind. Die Gefährlichkeit des Erregers kann noch nicht genau eingeschätzt werden, scheint jedoch deutlich unter jener von MERS (30 % Sterblichkeit) und SARS (10 % Sterblichkeit) bei bis zu 3 % Sterblichkeit zu liegen. Ähnlich wie bei der echten Grippe (< 1 % Sterblichkeit) sind vermehrt alte Menschen und Immungeschwächte von der schweren Verlaufsform betroffen. Inwieweit der Warenverkehr ein Problem darstellt, ist derzeit noch unklar. Die Umweltstabilität der Coronaviren ist im Allgemeinen jedoch sehr gering. Die WHO hat in diesem Zusammenhang erste Daten gesammelt und publiziert. So sind mit Pufferflüssigkeit auf Holz und Baumwolloberflächen aufgebrachte neuartige Coronaviren zwölf Stunden lang vermehrbar, während sie in einer sterilen Kotmatrix aufgebracht 24 Stunden vermehrbar bleiben. Auf anderen Oberflächen (Kunststoff, Edelstahl, Glas, Mauerwerk) bleiben sie bis zu 96 Stunden nachweislich vermehrbar. 

Auf Basis einer Publikation der Universität Greifswald über andere Coronaviren (SARS, MERS) können diese bis zu neun Tagen auf Oberflächen infektiös bleiben – im Durchschnitt bleiben sie etwa vier bis fünf Tage ansteckend, wobei hohe Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperaturen die Infektionsfähigkeit der Coronaviren verlängern. 

Aus diesen ersten Daten kann – mit etwas Vorsicht – abgeleitet werden, dass die Dauer von üblichen Handelswegen zu einer Inaktivierung des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) führt. Zu beachten ist allerdings, dass „frische Kontaminationen“ durchaus Schmierinfektionen verursachen könnten. Mittels Desinfektion können Coronaviren sehr effektiv inaktiviert werden. So haben sich eine einminütige Behandlung von Oberflächen mit 62 bis 71 %igem Alkohol, 0,5 %igem Wasserstoffperoxid oder 0,1 % igem Natriumhypochlorit als sehr effektvoll erwiesen. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Holzoberflächen vergleichsweise „virensicher“ sind. Dies hängt vor allem mit der Mikrostruktur des Holzes und dem Vorhandensein antimikrobieller Substanzen im Holz zusammen. Um ein Restrisiko auszuschließen, kann eine Wartezeit („Quarantäne“) für Holzprodukte von einer Woche beziehungsweise eine Oberflächendesinfektion (zum Beispiel mit 70 %igem Alkohol) für Holzprodukte empfohlen werden. Darüber hinaus ist die Einhaltung der allgemeinen Hygienegrundsätze (vor allem Händehygiene) dringend anzuraten.

 

Konrad Domig, Universitätsprofessor für Lebensmittelqualitätssicherung,
Rupert Wimmer, Universitätsprofessor für Naturstofftechnologie, Universität für Bodenkultur Wien

Schutzmaßnahmen

Als Schutzmaßnahmen sind die bei atemwegsrelevanten Viren üblichen Maßnahmen zu empfehlen:

  • Händewaschen (mehrmals täglich mit warmem Wasser und Seife oder Händedesinfektion mit einem alkoholhaltigen Desinfektionsmittel)
  • Mund und Nase bei Husten oder Niesen mit einem Papiertaschentuch bedecken
  • Direkten Kontakt zu kranken Menschen vermeiden