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KVH Symbolbild © Holzkurier

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KVH oder USA

Ein Artikel von Günther Jauk | 10.03.2021 - 10:01

Vollkommen anders läuft es seit Herbst 2020. In den vergangenen Monaten kam es laufend zu Preissteigerungen von 10 bis 40 €/m3, welche die Produzenten zum Großteil problemlos umsetzte. Zudem sind für die kommenden Wochen und Monate bereits weitere Preissprünge um bis zu 50 €/m3 angekündigt. Nicht der Preis, sondern die Verfügbarkeit sei derzeit der entscheidende Faktor, heißt es aus der Branche – die Nachfrage sei so groß, dass, „egal“, welchen Preis man ansetzt, dieser bezahlt werde.

Bereits seit Monaten bedient der Gutteil der KVH-Hersteller nur noch Bestandskunden, wohingegen Neukunden kaum Chancen auf Lieferungen haben. Einzelne Produzenten berichten sogar von Abwehrpreisen aufgrund von Lieferengpässen, die entgegen den Erwartungen aber anstandslos bezahlt wurden – Hauptsache, man könne liefern.

Nicht selten berichten vor allem deutsche Hersteller, dass die 400 €/m3-Marke vereinzelt bereits gefallen sei und man für April bereits von 450 €/m3 ausgehe.

Im Februar notierte der vom Holzkurier erhobene KVH-Preis für Österreich und Deutschland (Großmengen, Durchschnittspreis aus allen Dimensionen) bei 338 €/m3 – Tendenz stark steigend.

Bestimmte KVH-Rohwarendimensionen sind kaum noch zu bekommen.

Ein KVH-Hersteller

Versorgung wird immer schwieriger

Als Grund für diese noch nie dagewesenen Preissprünge nennen die Hersteller nicht die außergewöhnlich hohe Nachfrage, sondern vielmehr den ebenfalls sprunghaft ansteigenden Rohwarenpreis. Für Februar meldeten die Produzenten Preise zwischen 240 und 270 €/m3 für trockene Ware – gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Anstieg um rund 100 €/m3. Während einzelne Produzenten bislang noch ausreichend mit Rohsparren eingedeckt sind, berichten andere von einer bereits prekären Versorgungssituation. Besonders Herstellern ohne eigenes Sägewerk fällt es zunehmend schwer, bestimmte Dimensionen in ausreichenden Mengen zu erhalten. Aber auch Holzindustrien mit eigenem Rundholzeinschnitt, insbesondere im Süden, berichten von zunehmend eingeschränkter Verfügbarkeit.

Warten auf Schnittholzpreise

Für die kommenden Monate gehen die Hersteller davon aus, dass sich die Situation weiter zuspitzt, einzelne Sortimente gar nicht mehr verfügbar sein werden und die Preise noch einmal deutlich anziehen.

Mit welchen Einkaufspreisen man im 2. Quartal tatsächlich kalkulieren muss, weiß derzeit allerdings kaum jemand. „Die Vorlieferanten lassen uns am ausgestreckten Arm zappeln – kaum ein Säger möchte derzeit verbindliche Preise für den Frühling ausgeben“, formuliert es ein Hersteller. Andere Schnittholzmärkte auf der ganzen Welt – allen voran jene in den USA – seien hier verlockender, heißt es.

Ungewisse Zukunft

Wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickelt, ist selbst für langjährige Marktkenner nur schwer einzuschätzen. Die Branche hofft jedenfalls auf eine rasche Beruhigung der Lage und eine möglichst sanfte Rückkehr zur Normalität.

Mit den stark steigenden Preisen für Baumaterialien – nicht nur im Massivholzbereich – werden beispielsweise auch die Preise im Hausbau empfindlich ansteigen, was wiederum die Nachfrage dies- und jenseits des Atlantiks dämpfen könnte. Zudem ist es schwierig zu beurteilen, wie hoch der Nachfrageüberhang derzeit tatsächlich ist. Ähnlich den Toilettenpapier-Hamsterkäufen im ersten Corona-Lockdown, welche kurzfristig für leere Supermarktregale sorgten, vermuten Branchenkenner, dass die derzeit bestellten Mengen nicht dem tatsächlichen Bedarf entsprechen. „Was Händler und Holzbaubetriebe in den vergangenen Jahren bei unmittelbarem Bedarf abholten, bestellt man heute bereits Wochen oder gar Monate im Voraus und legt es vorsorglich auf Lager“, so ein Branchenexperte. Werden diese Lager in den kommenden Wochen aufgelöst, könnte sich die Situation – zumindest ein Stück weit – entspannen.