TRIQBRIQ

Mauern mit Kalamitätsholz

Ein Artikel von Remo Bühler | 20.12.2022 - 16:52

Gegründet wurde das Start-up im Oktober 2021 von Max Wörner, Markus Hildebrand und Timo Preußler. „Unser Ziel ist es, den Holzbau mit einer kreislauffähigen Lösung voranzubringen“, erläutert Wörner das Motiv hinter der Gründung im Rahmen der Werkseröffnung. Zuletzt gewann das Unternehmen mit zwei Partnern den Vonovia Innovationspreis. Zuvor schnitt das Start-up mit dem Holzbausystem Triqbriq bereits in anderen Wettbewerben gut ab.

Das Produkt und dessen Zulassung

Die als Briqs bezeichneten Module bestehen aus 10 mal 10 cm dünnen Kanthölzern. Zusammengehalten werden diese von Buchenholzdübeln. Mit denselben Verbindungsmitteln werden die einzelnen Bausteine auf der Baustelle auch lagensichernd zu Wänden verbunden.

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Prototyp: Noch steht in dem Stammwerk nur ein Prototyp der Anlage, doch bereits im 1. Quartal 2023 soll die Produktion der Bausteine starten © Triqbriq

„Der Ausfall einzelner Dübel ist aus statischer Sicht unbedenklich. Der Grund ist die Vielzahl der Verbindungen in und zwischen den Briqs“, erläutert Wörner. Weil die Bestandteile nicht verklebt werden, lassen sich die Wände außerdem leicht zurückbauen. Eine kreislauffähige Weiterverwendung ist damit gewährleistet.

Bauaufsichtlich zugelassen ist das nach dem Unternehmen benannte System derzeit für Gebäude mit bis zu zweieinhalb Geschossen. Grund für diese Einschränkung ist laut dem Unternehmer das beschleunigte Verfahren: „Damit wir bereits nach acht Monaten starten konnten, mussten wir den Umfang des Antrags reduzieren. Gemessen an den technischen Voraussetzungen, könnten wir sieben- bis achtgeschossige Häuser errichten.“ Mit der europaweiten Zulassung rechnet Triqbriq in 2024.

Die Produktion und der Rohstoff

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Automatisch: Alle Produktionsschritte werden von Robotern durchgeführt, so auch das Kappen der Kanthölzer und das Bohren von Löchern © Triqbriq

Der Produktionsstart im Stammwerk ist für das 1. Quartal 2023 geplant. Bis 2027 möchte das Start-up europaweit 55 Anlagen betreiben. Laut Wörner sollen diese nach Möglichkeit direkt an den Produktionsprozess von Sägewerken gekoppelt werden. Pro Produktionslinie können jährlich rund 500.000 Module gefertigt werden. Die zuvor gehobelten und auf die passende Länge gekappten Bestandteile werden hierbei von Robotern zusammengefügt.

Die eingesetzten Kanthölzer können aus im Rahmen von Kalamitäten angefallenem Schadholz bestehen. „Faulstellen stören nicht, solang sie sich in einem gewissen Rahmen bewegen. Verfärbungen, grobe Äste und Waldkanten sind grundsätzlich kein Problem“, beschreibt Wörner die geringen Ansprüche an das Ausgangsprodukt. Als Rohstoff kommt laut Triqbriq außerdem auch Pappelholz infrage.

Aktuelle Bauprojekte und die weitere Entwicklung

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Endprodukt: Aus solchen Modulen können Häuser mit bis zu acht Geschossen errichtet werden © Remo Bühler

Das Bausystem ermöglicht die Realisierung unterschiedlichster Projekte. Derzeit befinden sich laut Triqbriq Genehmigungsverfahren für mehrere Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Gewerbebauten kurz vor dem Abschluss. Die Nachfrage nach dem Bausystem beschreibt Wörner allgemein als „sehr groß“. Mit dem Vorgängermodell der Briqs wurden europaweit mehr als 30 Häuser errichtet.

Mittelfristig plant das Start-up auch die Markteinführung weiterer Produkte. Angedacht sind Module in weiteren Designs und zusätzliche Bauteilgrößen. An der den Modulen zugrunde liegenden Idee haben die Gründer über 20 Jahre lang geforscht.