Autorenbeitrag

Der europäische Green Deal

Ein Artikel von Olaf Rützel, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Holz- und Baustoffhandel | 03.07.2024 - 08:11

Die energetische Gebäudesanierung übernimmt einen maßgeblichen Part bei der Erreichung der Klimaziele des Green Deals. Holzhandelsunternehmen können einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors beitragen, indem sie energieeffiziente Holzprodukte anbieten und die Verwendung von Holz im Bauwesen aktiv fördern. Die Beratung von Kunden zu den Möglichkeiten der energetischen Gebäudesanierung mit Holz und die Entwicklung innovativer Holzbaukonzepte sind hierbei wichtige Aufgabenbereiche. Darüber hinaus kann die Zusammenarbeit mit Architekten, Bauunternehmen und Handwerkern dazu beitragen, die Akzeptanz von Holz als Baustoff zu erhöhen und den Holzbau voranzutreiben.

Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für Gebäudesanierung

Der europäische Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft beinhaltet über 30 spezifische Maßnahmen, um das Kreislaufprinzip in Produktionsprozessen zu fördern und nachhaltige Produkte zu entwickeln. Dieser Plan schließt auch Initiativen ein, die darauf abzielen, Verbraucher besser über die Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten zu informieren und sie damit in ihrer Kaufentscheidung zu unterstützen. Der Holzhandel kann dazu beitragen, indem er Holzprodukte aus recyceltem Holz anbietet und die Wiederverwertung von Altholz fördert. Er kann sich an der Entwicklung innovativer Kreislaufkonzepte beteiligen und Kooperationen mit Recyclingunternehmen eingehen.

Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetz

Mit dem Inkrafttreten des Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetzes übernimmt der Holzhandel zusätzliche Verantwortung. Unternehmen sind gesetzlich dazu verpflichtet, menschenrechtliche und ökologische Standards in ihren gesamten Lieferketten zu beachten. Dies erfordert eine umfassende Risikobewertung der gesamten Lieferkette, die Identifizierung potenzieller Missstände und die Implementierung geeigneter Maßnahmen zur Vermeidung und Minimierung dieser Risiken. Die Zusammenarbeit mit Lieferanten, Schulungen und die Etablierung von Beschwerdemechanismen sind hier zentrale Elemente. Holzhandelsunternehmen sollten proaktiv auf die Anforderungen des Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetzes eingehen und ein systematisches Risikomanagement implementieren. Die Dokumentation der Due-Diligence-Prozesse und die Bereitstellung von Informationen an die Öffentlichkeit sind hierbei wichtige Aspekte.

EU-Taxonomie: Investitionen in nachhaltige Forstwirtschaft

Die EU-Taxonomie, ein Klassifizierungssystem für nachhaltige Investitionen, bietet dem Holzhandel neue Chancen. Holzprodukte können als nachhaltige Investitionen eingestuft werden, da sie aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden und zur Speicherung von CO2 beitragen. Die EU-Taxonomie definiert Kriterien für nachhaltige Investitionen in die Forstwirtschaft. Der Holzhandel kann sich an diesen Kriterien orientieren, um Investitionen in nachhaltige Forstprojekte und Holzprodukte zu identifizieren. Die EU-Taxonomie kann Unternehmen des Holzhandels neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen, da nachhaltige Investitionen zunehmend von Investoren nachgefragt werden. Die EU und die Bundesregierung fördern Investitionen in nachhaltige Forstwirtschaft und Holzprodukte. Der Holzhandel sollte sich über diese Förderprogramme informieren und gegebenenfalls Anträge stellen.

Proaktives Nachhaltigkeitsmanagement

Der Green Deal fordert eine grundlegende Transformation der Forstwirtschaft hin zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Dies bedeutet den Schutz und die Förderung der Biodiversität, Stärkung der Schlüsselrolle in der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, generelle Erhöhung der CO2-Bindung, Verminderung des ökologischen Fußabdrucks und damit auch die langfristige Sicherung der Holzproduktion. Dem Holzhandel obliegt die zentrale Verantwortung, diese Prinzipien in der gesamten Lieferkette zu verankern. Holzhandelsunternehmen müssen daher aktiv auf eine transparente Beschaffung aus zertifizierten und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern setzen. Strenge Sorgfaltspflichten und die enge Zusammenarbeit mit Lieferanten sind unerlässlich, um illegale Holzimporte auszuschließen und die Herkunft des Holzes lückenlos zu dokumentieren. Modelle, wie das RAL-Gütezeichen, können hier wertvolle Unterstützung bieten.

Der europäische Green Deal bietet dem Holzhandel die Chance, sich als zentraler Akteur in der nachhaltigen Transformation zu etablieren. Mit unternehmerischem Weitblick, Innovation und dem Willen zur Adaption können Holzhandelsunternehmen einen wichtigen Beitrag zu einer klimaneutralen und ressourcenschonenden Zukunft leisten.

Info

Güte und Nachhaltigkeit 

Die RAL-Gütegemeinschaft Holz- und Baustoffhandel (GGHBH) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Bremen. Sie wurde im Jahr 2008 gegründet und hat heute über 150 Mitglieder (inkl. Niederlassungen) in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die GGHBH hat sich zum Ziel gesetzt, die Güte und Nachhaltigkeit des Handelns mit Holz- und Bauprodukten zu fördern, und vergibt folgende Gütezeichen:  

  • RAL-Gütezeichen Nachhaltiger Handel Holz- und Bauprodukte
  • RAL-Gütezeichen Holzhandel
  • RAL-Gütezeichen Baustoffhandel

www.guetegemeinschaft-holz-baustoffhandel.de