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Tischler Symbolbild © Miriam Doerr Martin Frommherz/Shutterstock

Österreich

Österreichs Tischler im Spannungsfeld von Kostendruck und Konsumflaute

Ein Artikel von Birgit Fingerlos | 02.07.2025 - 16:34

Gemeinsam ist ihren Einschätzungen die Sorge um eine wirtschaftlich angespannte Lage, geprägt von Konsumzurückhaltung und steigenden Kosten für Material und Personal. Zugleich beklagen viele den wachsenden Druck durch minderwertige Billigimporte. Die handwerkliche Qualität werde zunehmend aus dem Markt gedrängt. Trotz ähnlicher Ausgangslage verfolgen die beferagten Tischler unterschiedliche Strategien: Martin Seethaler konzentriert sich auf Reparaturen und blickt mit Sorge auf die künftige Marktentwicklung. Michael Pecherstorfer sieht dank Digitalisierung und breiter Aufstellung positive Perspektiven. Viktor Lindner setzt erfolgreich auf Export und effiziente Abläufe. Und Heimo Papst formuliert klare Erwartungen an die Politik, um klein- und mittelständischen Betrieben das Überleben zu sichern.

Martin Seethaler, Inhaber, Tischlerei und Wohnstudio Seethaler, Wien:

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Martin Seethaler, Tischlerei und Wohnstudio Seethaler © Foto Pany

Bis zur Nationalratswahl – und auch noch eine Zeit lang danach, bis klar war, welche Regierung sich bildet – war die Kauf- und Investitionsbereitschaft nicht nur verhalten, sondern regelrecht am Boden. Das ist kein neues Phänomen. Bei sogenannten „Schicksalswahlen“ erleben wir das regelmäßig. Danach hat sich das Kaufverhalten etwas gebessert. Es gab wieder mehr Nachfrage, aber auf niedrigem Niveau – vor allem notwendige Anschaffungen, nichts darüber hinaus. Eine echte Konsumfreude, nach dem Motto „Jetzt leiste ich mir etwas“, ist schlicht nicht zu spüren.

Aktuell wird hauptsächlich ersetzt, was kaputt ist, oder das Nötigste erneuert. Ein ­Beispiel: In der Küche werden defekte ­Geräte ausgetauscht, die Arbeitsplatte oder Spüle ­erneuert, Scharniere ersetzt, beschädigte Teile repariert – aber eine komplett neue Küche? Fehlanzeige seit 2023. Ähnlich sieht es bei Altbausanierungen aus. Fensterrenovierungen etwa sind fast vollständig zum Erliegen gekommen. Das liegt an den ständigen Mietpreisänderungen. Was noch gemacht wird, sind kleine, dringend notwendige Reparaturen – aber keine umfassenden Sanierungen mehr. Ich arbeite mich derzeit durch Kleinst­aufträge: Reparaturen, kleinere Sanierungen und die Anfertigung von Ersatzmöbeln. Größere Projekte? Gibt es keine.

Dass große Anbieter wie Kika/Leiner endgültig in die Insolvenz gegangen sind und auch renommierte Großtischlereien, wie Schmircher, mit Schwierigkeiten kämpfen, hat seine Gründe. Was mir dabei besonders Sorgen macht, ist die neue Welle an finanziellen Belastungen, die vom Finanzministerium angekündigt wurde – das wird private Investitionen noch weiter abwürgen.

Die einzige Chance liegt derzeit in Reparatur und Sanierung – ein Bereich, in dem ich seit Jahrzehnten tätig bin. Solange jedoch Möbel aus Fernost und ähnlichen Billiglohnländern ohne faire Importzölle auf den europäischen Markt strömen, wird sich nichts ändern. Was Trump mit Strafzöllen vormacht, fordern viele mittelständische Produzenten schon lange: Fairen Wettbewerb! Denn was da importiert wird, ist oft minderwertig, die Produktkennzeichnung zweifelhaft und der Preis durch Tricksereien beim Warenwert künstlich gedrückt. Ich stehe dazu: Das ist Betrug – und zwar systematisch.

Früher konnten sich die Leute hochwertige Produkte leisten. Heute ist die ­Mittelschicht, von der wir als Handwerker gelebt haben, praktisch ausradiert. Diese ­Mittelschicht muss wieder gestärkt werden. Stattdessen ­erleben wir ständigen sozialen Zuzug von ­Menschen, die kaum ­konsumieren, keine Möbel ­brauchen, keine Reparaturen ­beauftragen – weil sie am Existenzminimum leben. Kein Tisch, kein Sessel, kein Auftrag.

Michael Pecherstorfer, CEO, Tischlerei Pecherstorfer in Eferding:

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Michael Pecherstorfer, Tischlerei Pecherstorfer © Sabine Kneidinger Photography

Das Tischler-Handwerk steht derzeit vor zahlreichen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel, Preiserhöhungen beim Material und Lohnerhöhungen belasten die Branche. Viele Betriebe kämpfen mit diesen Problemen und suchen nach Lösungen. 

Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch Chancen für die Zukunft. Die Nachfrage nach individuellen, nachhaltigen Möbeln und Innenausbauten steigt kontinuierlich. Der Tischler wird von seinen Kunden nicht mehr nur als Spezialist für den Innenaus-

bau und die Erzeugung von hochwertigen Möbeln gesehen. Die Konsumenten erwarten sich kreative Lösungen für den gesamten Wohnbereich mit Vorschlägen für das passende Sofa,  eine stimmungsvolle Lichtlösung bis hin zum optimalen Lattenrost mit Matratze. Mit den richtigen Produkten können wir unseren Kunden nicht nur ­ansprechende Küchen- und ­Wohnraumlösungen anbieten, sondern somit auch unsere Stellung als Möbel-Nahversorger sichern. Zusätzlich bietet die Digitalisierung Möglichkeiten, Prozesse zu optimieren und individuelle Lösungen anzubieten. 

Um diese Chancen zu nutzen, müssen wir jedoch auch die Herausforderungen angehen. Wir benötigen innovative Lösungen, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen und die Preiserhöhungen zu bewältigen. Eine enge Kooperation zwischen den Betrieben, der Politik und den Bildungseinrichtungen ist erforderlich. 

Die aktuellen Herausforderungen halten uns nicht davon ab, mit Optimismus in die Zukunft zu schauen.

Viktor Lindner, Geschäftsführer, Lindner Möbel und Treppen, Steinfeld:

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Viktor Lindner, Lindner Möbel und Treppen © Lindner Möbel und Treppen

Als österreichischer Tischlereibetrieb mit Spezialisierung auf hochwertigen Innenausbau beliefern wir seit Jahren ­erfolgreich den Schweizer Markt – insbesondere im ­Bereich von Penthäusern und exklusiven Immobilien. Während wir dort eine starke Nachfrage nach vollumfänglichen, individuellen Lösungen erleben, zeigt sich der österreichische Markt deutlich preissensibler. Zudem erschweren steigende Material- und Lohnkosten die Geschäftslage zusätzlich. 

Wer als Betrieb in der Lage ist, strukturell effizient zu arbeiten – etwa durch Vorfertigung oder durchdachte Abläufe –, kann sich langfristig gut positionieren.

Heimo Papst, Inhaber, Tischlerei Heimo Papst, Meiselding:

Es ist doch auffällig, dass sehr viele Unternehmerkollegen die augenblickliche Situation mit „spannend“ beschreiben. Kaum eine Branche klagt nicht über Einbußen, außer jene, deren Produkte von Land beziehungsweise Bund gefördert werden.

Ich persönlich stelle fest, dass auf Grund der Steigerung von Lohn- und Materialkosten unser Produkt schwerer zu verkaufen ist. Hier ist in Zukunft die Politik gefordert, uns kleine und mittelständige Betriebe zu unterstützen.