Die Verhandlungen über Späne- und Hackschnitzellieferungen für das 4. Quartal werden voraussichtlich erst in den ersten beiden Oktoberwochen abgeschlossen. Da die Rundholzversorgung weiterhin unzureichend ist, zeichnet sich ein weiterer Rückgang der Schnittholzproduktion und damit ein Mangel an Sägerestholz ab. Viele Restholzverarbeiter warten dennoch mit Vertragsabschlüssen ab. Auch die Anbieterseite verzögert Verhandlungen. Bereits im Vorfeld fordern Sägewerke deutliche Preisaufschläge. Vor allem bei Sägespänen sehen sie in den kommenden Wochen steigende Chancen zur Durchsetzung. Trotz des saisonalen Risikos sinkender Pelletsproduktion in den Wintermonaten rechnen Sägewerke bis Jahresende mit weiter steigenden Preisen.
Preisaufschläge von bis zu 30 €/t atro gefordert
Im September wurden die Spänepreise in Monatsverträgen mit Pelletswerken bereits um 10 bis 15 €/t atro angehoben. Die Preisspanne reicht von 95 €/t atro ab Sägewerk in Teilen Süddeutschlands über 130 €/t atro in Ost- und Norddeutschland bis zu 140 €/t atro in einzelnen Regionen wie dem Sauerland. Für Oktober fordern Sägewerke Aufschläge zwischen 15 und 30 €/t atro. Damit könnten Spänepreise von 150 €/t atro und in einigen Regionen über 160 €/t atro erreicht werden. Voraussetzung für eine Umsetzung ist, dass der Verkaufspreis für lose A1-Ware an Wiederverkäufer rasch auf über 30 €/t ab Werk/exw steigt. Andernfalls würde sich bei Produktionskosten von 80 bis 100 €/t ein Verlust ergeben.
Hackschnitzelpreis bleibt hinter dem für Späne zurück
Zellstoffhersteller haben im September vereinzelt den meist in Quartalsvereinbarungen festgeschriebenen Hackschnitzelpreis angehoben. Mit weniger als 5 €/t atro fielen die Aufschläge auf die vielerorts weiterhin gültigen 120 bis 130 €/t atro in Süd- sowie 130 bis 135 €/t atro in Norddeutschland jedoch gering aus. Für das 4. Quartal werden Anhebungen um 15 €/t atro erwartet. Damit läge der Hackschnitzelpreis unter dem für Späne. Teilweise werden Zuschläge von bis zu 30 oder 40 €/t atro gefordert, was in der Zellstoffindustrie jedoch zu raschen Abbrüchen der Verhandlungen führte.
Einkaufsalternative Skandinavien
Vertreter der Zellstoff- und Papierindustrie verweisen in den Verhandlungen auf Einkaufsmöglichkeiten in Skandinavien. Dort kommt es in mehreren Zellstoffwerken zu marktbedingten Abstellungen. In Finnland ist in zwei Werken die Produktion unterbrochen, für November ist der Stillstand eines dritten angekündigt (s. Meldung unten). Dadurch wächst dort das Angebot unverkaufter Hackschnitzel. Bei weiter sinkendem mitteleuropäischem Sägerestholzaufkommen sind Importe aus Skandinavien nicht ausgeschlossen.
Hoher Bedarf der Pelletsindustrie
Vor allem in Norddeutschland haben Pelletswerke den Zukauf von Hackschnitzeln verstärkt. Zusätzlich wird vermehrt Nadelindustrieholz eingekauft. Selbst integrierte Werke benötigen inzwischen externe Spänelieferungen. Die im Spätsommer diskutierte Möglichkeit, die Produktion bewusst zurückhaltend zu steigern, um das Angebot knapp und die Preise hochzuhalten, wurde im September nicht umgesetzt. Hinzu kamen Neu- und Wiederinbetriebnahmen in Süd- und Ostdeutschland. Eine spürbare Minderproduktion ist Ende September nur aus einem norddeutschen Pelletswerk bekannt.
Wartungsstillstände in Zellstoffwerken
Trotz sinkender Sägewerksproduktion und verstärktem Hackschnitzeleinsatz in Pellets- und Holzfaserdämmplattenwerken melden Einkäufer der Papier- und Zellstoffindustrie ausreichende Lagerbestände. In zwei Zellstoffwerken stehen im Oktober beziehungsweise November planmäßige Wartungsstillstände an.
Die Hackschnitzellager werden im Vorfeld wie üblich reduziert, um während des Stillstands aufnahmefähig zu bleiben. Hohe Bestände bestehen im Zellstoffwerk Mercer Rosenthal in Blankenstein/Thüringen. Dort wurde das Werk nach dem planmäßigen Wartungsstillstand im September mit einigen Tagen Verzögerung wieder angefahren. Durch den verlängerten Stillstand konnten die Lagerbestände deutlich aufgestockt werden.
Anstieg des Sägerestholzangebots
Für das 4. Quartal wird mit einer besseren Rundholzverfügbarkeit und entsprechend steigendem Sägerestholzaufkommen gerechnet. Erwartet wird eine Mobilisierung von Rundholz infolge der deutlich höheren Preise für Fichten- und Kiefernstammholz. Bleiben witterungsbedingte Einschränkungen bei der Abfuhr aus, sollten die Sägewerke ihre Rundholzlager wieder auffüllen und auf normalem Niveau produzieren können.
Ob das derzeitige Produktionsniveau in der deutschen Pelletsindustrie das gesamte 4. Quartal anhält, wird zunehmend bezweifelt.