Sägerestholz Deutschland

Nicht zu jedem Preis

Ein Artikel von Michael Fehrle | 23.10.2025 - 09:53
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In Deutschland ist es im Oktober wie erwartet zu deutlichen Preiserhöhungen beim Sägerestholz gekommen. Haupttreiber sind Pelletswerke, sowohl bei Spänen als auch bei Hackschnitzeln. Papier- und Zellstoffwerke sowie Holzwerkstoff-Hersteller versuchten hingegen, den Anstieg zu begrenzen. Besonders Einkaufsorganisationen der Papier- und Zellstoffindustrie lehnten, bei aus ihrer Sicht überhöhten Forderungen der Sägewerke, auch Mengen ab. Ähnlich wie diese konnten auch Holzwerkstoffhersteller die gestiegenen Einkaufspreise nicht auf die Fertigware übertragen und verweigerten daher Anschlussverträge.

Auf Seiten der Sägewerke und Restholzhandels-Unternehmen zeigten sich jedoch auch Betriebe bereit, lediglich moderate Erhöhungen durchzusetzen. Begründet wird dies unter anderem mit der Sorge über schwankende Abnahmen und den in der Vergangenheit stark volatilen Preisen in der Pelletsindustrie.

Preisgleichheit bei Spänen und Hackschnitzeln

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In der Nordhälfte Deutschlands wirken sich die rundholzbedingten Einschnittsdrosselungen zunehmend auf die Sägerestholz-Märkte aus. Die Pelletsproduktion läuft dagegen auf hohem Niveau, in den Fertigwaresilos besteht weiterhin Aufnahmekapazität. Einschränkungen ergeben sich ausschließlich durch die Verfügbarkeit von Sägerestholz. In Norddeutschland zahlen Pelletswerke in der Spitze für Späne bis zu 170 €/t atro ab Sägewerk. Die meisten, meist nur für einen Monat gültigen Vereinbarungen, bewegen sich zwischen 140 und 160 €/t atro. Vergleichbare Preise werden auch für Hackschnitzel erzielt. Notgedrungen akzeptierten Papier- und Zellstoffhersteller zumindest in der Nordhälfte Deutschlands Preise bis zu 150 €/t atro.

In Süddeutschland liegen die Preise sowohl für Späne als auch für Hackschnitzel niedriger. Mit 120 bis 140 €/t atro für Späne und 130 bis 150 €/t atro für Hackschnitzel ergeben sich jedoch ebenfalls überlappende Preisspannen. Die Preiserhöhungen fallen vor allem bei Abschlüssen von süddeutschen Zellstoffwerken niedriger als im Norden aus.

Alternative Beschaffungsmärkte

Papier- und Zellstoffwerke sowie Unternehmen der Holzwerkstoff-Industrie versuchen, die hohen Sägerestholzpreise durch den verstärkten Einkauf von Industrieholz zu umgehen. Zwar bestehen regional auch beim Nadelindustrieholz Engpässe, insbesondere in Süddeutschland ist es jedoch im Vergleich zu Sägerestholz zu moderaten Preisen verfügbar. Weitere Alternativen sind für einige ostdeutsche Werke Lieferungen aus Nachbarländern, wo das Preisniveau niedriger liegt. Auch die bereits im September angesprochenen möglichen Hackschnitzelimporte aus Skandinavien bleiben ein Thema. Neben Papier- und Zellstoffwerken prüfen inzwischen auch Handelsunternehmen diese Option, zu tatsächlichen Abschlüssen kam es bisher jedoch nicht.

Prognosen für die Entwicklung der Pelletspreise

Pelletswerke profitieren von den gestiegenen Verkaufspreisen für die Fertigware. Abschlüsse mit Händlern und Großabnehmern lagen bis Mitte Oktober bei rund 260 bis 280 €/t ab Werk. Die von Produzenten im 4. Quartal angestrebten 300 €/t wurden stellenweise erreicht. Nach Veröffentlichung der Endverbraucherpreise Mitte Oktober legten die Händlerpreise nochmals zu.

Viele Anbieter von Sägerestholz und Pelletshersteller gehen davon aus, dass die Produktion bis Ende des 1. Quartals auf hohem Niveau fortgesetzt wird. Eine Minderheit der Marktteilnehmer rechnet hingegen mit einer saisonüblichen Abschwächung zum Jahresende. In diesem Fall könnten auch die Pellets- und damit die Rohmaterialpreise sinken.