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HÖrmann-Neubau in Buchloe

Ein Holzbauer wird autark

Ein Artikel von Gerd Ebner | 01.04.2026 - 10:23
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Rolf Hörmann © Hörmann Marketing

„Wir müssen unseren Hallenkäufern Preise ein Jahr im Voraus zusagen. Das war in den Extremjahren 2021 und 2022 unmöglich“, erinnert sich Eigentümer und Geschäftsführer Rolf Hörmann im Holzkurier-Exklusivinterview. Das mag unterbewusst mitgespielt haben, um sein Unternehmen vertikal zu erweitern: „Der Entschluss zum Sägewerk samt eigener BSH-Produktion kam aber definitiv später.“

Bis der eingereichte Bebauungsplan für das Sägewerk samt Weiterverarbeitung genehmigt war, dauerte es Jahre. Dann ging es schnell: Der Bauantrag wurde binnen weniger Monate erteilt, nun wird in Buchloe/DE bereits der Humus entfernt, im kommenden Jahr soll das BSH-Werk laufen, ab 2028 dann das Sägewerk (s. Beitrag Details zum Hörmann-Neubau).

Neubau, weil nichts passendes am Markt

Dass im Sägewerksbereich viele Kapazitäten unausgelastet sind und in der BSH-Produktion nahezu alle Hersteller nur zweischichtig fahren, ist Rolf und seinem Sohn Michael Hörmann bewusst: „Wir denken aber langfristig. Die Situation wird sich wieder ändern. Außerdem stehen keine Kapazitäten leer, die annähernd das herstellen können, was wir künftig benötigen. Und die, die es könnten, standen nicht zum Kauf.“

Größter BSH-Einzelkäufer

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Michael Hörmann © Hörmann Marketing

Das Unternehmen fertigt rund 700 Hallen pro Jahr. Dieses Bauvolumen macht Hörmann laut Holzkurier-Schätzung zum größten BSH-Einzelabnehmer Deutschlands mit zumindest 30.000 m³ Jahresbedarf. Um mit eigenem Schnittholz einen solchen BSH-Bedarf herzustellen, reicht laut Rolf Hörmann kein Einschnitt von 20.000 fm/J. „Mit 150.000 fm/J haben wir aber eine Größe gefunden, bei der Versorgung, Investitionsvolumen und unser Leimholzbedarf zusammenpassen“, ergänzt Michael Hörmann.

Die BSH-Produktionstechnik wird laut Rolf Hörmann „anders sein, als man es bisher kennt. Da sind einige Novitäten drin. Wir sind definitiv ein Newcomer mit eigenen Ideen und Vorstellungen“.

Das etwas andere BSH

Die eigene Fertigung soll primär den Eigenbedarf decken. Dafür wird die bestehende Engineering-Abteilung das Hörmann-Bausystem an die neuen Möglichkeiten anpassen und optimieren. „Andere Leimholzprodukte werden wir so substituieren können. Teilweise werden wir auch den Stahleinsatz zurückfahren und mehr Holz verwenden. Wir werden aber nach wie vor Bauholz, KVH oder BSP zukaufen“, erklärt Rolf Hörmann. Michael Hörmann ergänzt: „Unsere Anlagen können auch großvolumige 80-mal-140 cm-Stützen oder 50 m lange Bogenträger wirtschaftlich herstellen. Solche Komponenten bieten wir umgekehrt anderen BSH-Herstellern oder Holzbauunternehmen an. Wir verkaufen aber keine Stangenware.“

Ab 10 cm-Zopf

Sobald die BSH-Anlagen installiert sind, wird der Sägewerksneubau in Angriff genommen. Michael Hörmann will ein Werk, das auch Schwachholz ab 10 cm Zopf einschneiden kann. Die Konzentration auf schwache Dimensionen lässt faktisch nur Spaner-Profiliertechnik zu, was die beiden Eigentümer im Holzkurier-Interview bestätigen.

Michael Hörmann: „Der Fokus liegt vorerst auf der bei uns reichlich vorhandenen Fichte. Wir werden aber langfristig auch andere Holzarten verarbeiten können.“ Die Hauptware aus dem Sägewerk wird zu Leimholz verarbeitet, Seitenware wird verkauft. Aus dem Sägerestholz sollen künftig vor Ort Pellets entstehen.

Staplerlos bis Verladung

In Europa gibt es nur eine Handvoll vollintegrierter Standorte – in der Nähe von Buchloe sind es zwei. Ähnlich diesen Vorzeigebetrieben will Hörmann die Verarbeitungskette vom Rundholzplatz bis zur Verladung nahezu vollständig automatisieren. Erst vor der Bauteilverladung kommt der erste Stapler zum Einsatz.

Langfristig muss es sich rechnen …

Der Holzkurier schätzt das Investitionsvolumen solcher vollintegrierter Standorte auf über 100 Mio. €. Das bestätigen die Interviewpartner nicht. „Mein Vater begann vor 60 Jahren mit dem Stallbau. Wir investieren nicht für fünf oder sechs Jahre, sondern denken in Generationen – da sind wir sehr konservativ. Langfristig muss sich alles rechnen“, betont Rolf Hörmann. Er zieht auch gleich einen Vergleich zu einer wichtigen Komponente der Hörmann-Hallen: den PV-Anlagen. „2003 haben wir die erste 100-kW-Anlage installiert. In dieser Sparte gibt es Auf und Abs, die extremer sind als bei jedem Holzprodukt. Trotzdem blieben wir dran, und PV hat sich für uns gerechnet. Wenn Ökologie und Ökonomie zusammenpassen, machen wir das – genauso wie jetzt bei unserem neuen Verarbeitungscluster.“

Mit der Fertigstellung der Anlagen wird dann die Mannschaft vervollständigt. „Wir haben ein sehr gutes Vorbereitungsteam. Weiteres Fachpersonal kommt aber definitiv noch hinzu“, betont Michael Hörmann.

Das Unternehmen ist mit seinen Hallen nicht nur im DACH-Raum unterwegs, sondern will künftig auch verstärkt die Nachbarländer beliefern. Wachstum sieht man sowohl im Kernmarkt als auch in angrenzenden Regionen.