„Der Vater der Pressspan-Palettenklötze und damit unseres Patents war Anton Heggenstaller. ,AH‘ leitete in Unterbernbach/DE in den 1970er-Jahren ein Sägewerk mit angeschlossener Palettenproduktion. Das war eine Zeit, in der Palettenkantholz knapp und man Sägerestholz eher loswerden musste. ,AHs‘ Entwicklung löste viele Probleme auf einmal: Aus dem Entsorgungsprodukt Sägespäne wurde ein wertvolles Vorprodukt für die Palettenfertigung“, beschreibt Euroblock-Geschäftsführer Leonhard Scherer im Holzkurier-Interview die Anfänge.
Starkes Wachstum über fünf Jahrzehnte
1976 startete das Unternehmen mit vier Pressen. Heute betreibt Euroblock an den drei deutschen Standorten über 40 Pressen und ist damit Marktführer bei Pressspan-Palettenklötzen. Produziert werden die Klötze längst nicht mehr nur in Unterbernbach. Bereits 1992 nahm das Werk in Uelzen/DE die Produktion auf.
„Mit der Übernahme durch die Pfeifer Group 2005 begann der eigentliche Industrialisierungsschub für Euroblock“, verweist Scherer auf das neue finanzielle Fundament durch das Tiroler Familienunternehmen. Und: „Mit der Zulassung der Europalette, heute EPAL, begann der starke Absatzanstieg. Danach folgte die Standardisierung in der Palettenproduktion. Heute ist Euroblock-Vertriebsleiter Markus Kreutmayr stolz darauf, dass „wir zum den führenden Anbieter von EPAL-Palettenklötzen geworden sind“.
Modernste Fabrik der Welt
Nach dem Ausbau in Unterbernbach kam 2009 der dritte Produktion in Lauterbach hinzu. „Dieser vollintegrierte Standort beherbergt vermutlich die modernste Klotzfabrik der Welt“, erinnert sich Scherer. Gemeinsam mit dem Standort Ermelo/NL, den Euroblock-Gesellschafter Presswood betreibt, verfügt das Unternehmen heute über vier Produktionsstätten.
Was zeichnet einen Euroblock-Palettenklotz aus? „Am Ende des Tages ist ein Spanklotz homogen und formstabil. Da Paletten mehrfach genutzt werden, muss der Klotz wasserfest verklebt sein. Jeder Klotz wird bei uns geprüft. Das bestimmt etwa die Dichte und damit den Nagelauszugswert“, zählt Scherer die Anforderungen auf. „Der Klotz hält bei jeder Belastung. Eher bricht ein Palettenbrett.“
Diese Homogenität erleichtert die Automatisierung der Palettenproduktion und steigert die Produktivität. Das war ein wesentlicher Faktor für den heutigen Marktanteil
In fünf Jahrzehnten gereift
50 Jahre Palettenklotz sind auch die Geschichte eines kontinuierlichen Reifeprozesses. Eigenschaften und Wirtschaftlichkeit wurden laufend verbessert. Von runden bis eckigen Formen, mit oder ohne Fase, von 75 mal 75 mal 75 mm bis zu Sonderdimensionen, mit oder ohne mittiges Loch: In fünf Jahrzehnten gab es kaum eine Variante, die nicht umgesetzt wurde. „Anfangs gab es deutlich mehr individuelle Klötze. Jede Brauerei hatte ihre eigene Palettenausführung. Chemieunternehmen nutzten unterschiedliche eigene Paletten-Lösungen, etwa die BASF-Palette. Mittlerweile hat sich vieles standardisiert, auch dank der Palettenpools auf 800 mal 1200 mm und 1000 mal 1200 mm, erzählt Uwe Herold, Werksleiter Unterbernbach.
Verdreifachter Absatz
Mit der Etablierung der Klötze wuchs auch der kommerzielle Erfolg. Die Absatzmengen von Euroblock haben sich seit 1998 nahezu verdreifacht: von 590.000 m3 (inklusive Verpackungsholz) auf 1.475.000 m3 (inklusive Verpackungsholz) im Jahr 2017. 2022 war das erfolgreichste Jahr mit über 1 Mio. m3 Palettenklötzen. Um solche Mengen zu erreichen, musste das Produkt in ganz Europa etabliert werden.
Erfolgsgeschichte Italien
Italien zählt heute zu den wichtigsten Märkten. Die Marktbearbeitung übernahm dort schon Mitte der 1980er-Jahre die Familie Giuseppe Gatta aus Salo. „In Italien und auch anderen Ländern war es für neue EPAL-Hersteller mit unserem Klotz einfacher, die begehrte EPAL-Zulassung zu erhalten“, sieht Kreutmayr Parallelen zwischen dem Tauschpool und Euroblock. Wachstumsmöglichkeiten erkennen Scherer und Kreutmayr noch in Südosteuropa und Spanien, wo Pressspan-Klötze bislang weniger verbreitet sind.
PPWR mit neuen Herausforderungen
„Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR wird den Reuse-, Repair- und Recycling-Anteil erhöhen. Der Markt für Mehrwegsysteme wird wachsen. Damit steigen auch die Anforderungen an den Klotz“, prognostiziert Scherer. Da der Anteil von Einwegpaletten sinken dürfte, könnte die absolute Nachfrage jedoch leicht zurückgehen.
Weitere Herausforderungen sieht Euroblock in der zunehmenden Pelletierung, höheren Rohstoffkosten und einem geringeren Spanangebot infolge reduzierter Einschnitte. „Frische Späne werden begehrter. Daher setzen wir etwa in Uelzen, ähnlich wie die Holzwerkstoff-Industrie, auch auf Altholz“, erläutert Scherer im Gespräch. Gleichzeitig verteuern diese Rahmenbedingungen auch Vollholzsortimente. Deshalb betrachtet er die Entwicklung vergleichsweise gelassen. Der Bedarf an Verpackungslösungen erreichte während der Corona-Zeit seinen Höhepunkt. Wachstumspotenzial sieht Scherer für das ausgereifte Produkt heute maximal noch im Ausmaß „des BIP-Wachstums“. Gleichzeitig werden die Qualitätsanforderungen weiter steigen. „Der Klotz ist ein Industrieprodukt, das alle Anforderungen erfüllen muss.“ Dazu zählen für das Euroblock-Team auch Oberflächenqualität und Farbgebung. Immer mehr Produktinformationen werden direkt auf den Klotz gedruckt.
Viele versuchten es, wenige schafften es
Marktbegleiter „kommen alle zwei Jahre“ hinzu, sagt Scherer. Viele verschwinden jedoch ebenso rasch wieder. In einem hoch kompetitiven Markt sei das keine Seltenheit. „Der Markt für Klötze ist so gesättigt, dass neue Produktionen ohne Förderungen kaum wirtschaftlich sein können“, beurteilt Scherer die Wettbewerbssituation.
Euroblock Facts
Gründung des Patents: 1976
Jubiläum: 50 Jahre (2026)
Pressen bei Gründung: 4; heute über 40
Übernahme durch Pfeifer Group: 2005
Absatz 1998: 590.000 m3 (inkl. Verpackungsholz)
Absatz 2017: 1.475.000 m3 (inkl. Verpackungsholz)
Absatzrekord: über 1 Mio. m3 (Klötze) (2022, gemeinsam mit Ermelo/NL)
Standorte:
- Unterbernbach/DE
- Lauterbach/DE seit 2009
- Uelzen/DE seit 1992
- Ermelo/NL
Marktposition: Marktführer bei Pressspan-Palettenklötzen in Europa