Am Standort in Balterswil betreibt die August Brühwiler AG neben einem Sägewerk ein Hobelwerk samt Oberflächenbearbeitung. Den Einschnitt beziffert David Brühwiler, der gemeinsam mit Patrick Brühwiler, Rolf Schwager und Karin Schwager den Familienbetrieb führt, mit rund 40.000 fm/J. Der Großteil des erzeugten Schnittholzes geht in die eigene Weiterverarbeitung. Neben dem Hobelwerk in Balterswil betreibt August Brühwiler in Fimmelsberg/CH eine Leimholzproduktion. Aus heimischem Nadelholz und nordischer Ware erzeugt man unter anderem Fassaden, Terrassenböden oder Schalungen für den Innen- und Außenbereich.
Hohe Flexibilität gefordert
„Wir haben für unsere alte Linie keine Ersatzteile mehr bekommen. Die Anlage hatte das Ende der technischen Lebensdauer erreicht“, erläutert David Brühwiler und führt weiter aus: „Wir haben rund 500 verschiedene Profile. Gefertigt wird ausschließlich auftragsbezogen – im schlimmsten Fall nur wenige Laufmeter. Es kann sein, dass wir die Anlage pro Tag bis zu 30 Mal umstellen.“ Aus diesem Grund waren neben der hohen Qualität vor allem kurze Umrüstzeiten und Flexibilität gefragt. Fündig wurde man bei WPM und System Hall in Schweden. Das Projekt wickelte der deutsche Vertriebspartner, WJS, Neuwied-Engers, ab.
„Die Spezialität von WPM ist, dass jede Anlage, die ausgeliefert wird, genau nach Kundenwunsch gefertigt wird. Keine Maschine, die das Werk verlässt, gleicht der anderen“, verdeutlicht WJS-Geschäftsführer Thomas Schmidt. „Die Kunden kommen mit Wünschen und Anforderungen zu uns und wir versuchen, diese nach Möglichkeit zu 100 % umzusetzen. Im Falle August Brühwiler gab es ein vorhandenes Werkzeugsystem. Auf dieses hat WPM die Hobelmaschine angepasst.“ Obwohl das Hobelwerk in einer neuen Halle untergebracht ist, war eine platzsparende Ausführung der gesamten Anlage eine Herausforderung.
Mehrere Profile in einer Aufspannung
System Hall übernimmt die Werkstücke von der Holmag-Mechanisierung (s. Beitrag Qualität und Flexibilität) und führt diese der WPM-Hobelmaschine zu. Die Anlage ist auf fertige Holzquerschnitte von 20 mal 40 mm bis 220 mal 80 mm ausgelegt. Die Längen reichen von 3 bis 6,5 m. Die maximale Vorschubgeschwindigkeit beziffert Schmidt mit 80 m/min. Die Anlage ist mit zwölf Spindeln und 32 Werkzeugköpfen ausgestattet. Eine Besonderheit sind die 350 mm langen Stabspindeln. Damit ist es möglich, in einer Aufspannung mehrere unterschiedliche Profile zu integrieren. Das reduziert die Umrüstzeiten enorm. „Wir können die Hobelmaschine innerhalb von wenigen Minuten auf neue Dimensionen umstellen“, verdeutlicht Luca Schwager, der das Projekt seitens Brühwiler begleitet hat. Die Spindeln verfahren dabei auf Linearschienen.
Schmidt verweist besonders auf die drei Seitenwellenpaare, von denen zwei mit einem 350 mm langen Verstellweg ausgeführt sind. „Üblich sind normalerweise zwei. Das dritte Paar ist gegenüberliegend angeordnet, was für eine absolute Parallelität der Hobelware sorgt. Dies ist beispielsweise bei der Herstellung von Fußbodendielen ausschlaggebend“, erläutert der WJS-Geschäftsführer. Das Werkzeugsystem ist mit Wechselmessern ausgestattet. Damit werden die Wellen nur einmal vermessen, der Flugkreis ändert sich nicht mehr. Zudem kann Brühwiler die Werkstücke mit einer Säge auftrennen.
Schonender Transport und Stapelung
Hinter der Hobelmaschine übernimmt die Mechanisierung von System Hall die Ware. Hier achtete man auf einen schonenden und platzsparenden Ablauf. Die Werkstücke werden zunächst nach rechts abgezogen und über einen Förderer automatisch gewendet, sodass die schöne Holzseite schließlich für die Beurteilung und Sortierung oben liegt. „Eine gesonderte Umstellung hinsichtlich der Querschnitte ist dabei nicht notwendig“, verweist Luca Schwager bei der Besichtigung. Ein Scanner beurteilt die Qualität der Werkstücke. B-Ware wird automatisch ausgeschleust und von Mitarbeitern händisch gestapelt. Die A-Ware geht weiter zum Stapelautomaten von System Hall.
Die Lieferungen der neuen Anlagen starteten im September 2025. Im Dezember 2025 konnte Brühwiler den Betrieb aufnehmen. „Es ist das erste Projekt, das wir in der Schweiz abgewickelt haben. Mittlerweile haben wir schon weitere Anfragen erhalten“, verrät Schmidt abschließend.
August Brühwiler AG
Gegründet: 1903
Standort: Balterswil/CH
Geschäftsführer: David Brühwiler, Patrick Brühwiler, Rolf Schwager, Karin Schwager
Mitarbeiter: 50, davon 40 in Balterswil
Einschnitt: bis zu 40.000 fm/J
Weiterverarbeitung: Hobelwerk (rund 10.000 m³/J), Leimholzwerk (bis 10.000 m³/J), Lackierwerk
Produkte: Leimholz, Bauholz, Latten, Fassaden, Hobelware
Absatz: ausschließlich in der Schweiz an Zimmereibetriebe