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Univ.-Prof. Herbert Aulitzky, prägende Persönlichkeit der Wildbach- und Lawinenverbauung und akademischer Lehrer einer ganzen Generation von "Wildbachlern", ist im 91. Lebensjahr verstorben. © Archiv

Herbert Aulitzky †

Ein Artikel von Christa Feichtner (für Timber-Online bearbeitet) | 16.04.2012 - 13:22
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Univ.-Prof. Herbert Aulitzky, prägende Persönlichkeit der Wildbach- und Lawinenverbauung und akademischer Lehrer einer ganzen Generation von "Wildbachlern", ist im 91. Lebensjahr verstorben. © Archiv

Em. o. Univ.-Prof. w. HR DI Dr. Univ.-Doz. Herbert Aulitzky, eine prägende Persönlichkeit der Wildbach- und Lawinenverbauung und akademischer Lehrer einer ganzen Generation von „Wildbachlern“ ist am 8. April im 91. Lebensjahr verstorben. Für seine fachlichen Wegbegleiter war er Visionär, Querdenker und treibende Kraft zahlreicher Entwicklungen im Schutz vor alpinen Naturgefahren. Für seine Studenten war der „Auli“ ein strenger, manchmal gefürchteter, und menschlich zu tiefst prägender Professor. Für die Diplomingenieure der Wildbach- und Lawinenverbauung war er zugleich ein Identifikationspunkt für das Selbstverständnis des Dienstzweiges, als auch ein hartnäckiger Kritiker in allen Entwicklungsphasen bis knapp vor seinem Tod.

Jenseits des fachlichen Wissens lehrte er seine Studenten, dass „gesunder Hausverstand erlaubt ist, jedoch nicht gepflegt wird“. Geschätzt und gefürchtet war seine Härte und Ausdauer in der akademischen Arbeit, zu sich selbst und zu seinen Schülern. Von ihm zu lernen, bedeutete, sich niemals mit der erstbesten oder einfachsten Lösung zufrieden zu geben, sondern die Dinge ganzheitlich zu betrachten. Seinen oft radikalen Denkansätzen ist auch der Paradigmenwechsel in der Wildbachverbauung der 1970er-Jahre zu verdanken. Es ging weg von der reinen Verbauungstätigkeit hin zur Gefahrenzonenplanung. Ein weiteres Credo lautete, dass „Vorbeugen besser als Heilen“ ist. Er meinte, dass viele Katastrophen nicht von Natur aus notwendig sind, sondern vom Menschen selbst verursacht werden. Kompromisslos für seine Visionen kämpfend und in der Systemkritik manchmal bis an die Grenzen der politischen Akzeptanz gehend, hat er häufig die Konfrontation mit Entscheidungsträgern und Eliten gesucht. Trotz ministerieller „Warnung“ hat er seinen Kampf für die Gefahrenzonenplanung bis zur Verankerung im Forstgesetz 1975 durchgefochten.

Als gebürtiger Tiroler wuchs Aulitzky in Wien auf. Der Fronteinsatz in Stalingrad war wohl Triebfeder für seine Mindeststudienzeit an der Universität für Bodenkultur Wien. 1950 schloss er das Doktorat mit „summa cum laude“ ab. Nach ersten Jahren als Bauleiter bei der Wildbach- und Lawinenverbauung in Tirol vollzog er als Leiter der Forschungsstelle für Subalpine Waldforschung (Obergurgl, Patscherkofel) von 1953 bis 1963 die Weichenstellung zu seiner wissenschaftlichen Karriere. Auf diese Zeit gehen wichtige Forschungsleistungen, wie das „Wind-Schnee-Ökogramm“ zur praktischen Durchführung der Hochlagenaufforstung oder die Bewirtschaftungsmethodik für den Lärchen-Zirbenwald zurück. Auch nach seiner Bestellung zum Leiter der Gebietsbauleitung Innsbruck blieb er der Wissenschaft in Forschung und Lehre treu. Man verlieh ihm den Titel Universitätsdozent für forstliche Bioklimatologie. Damit war sein weiterer Weg zum ordentlichen Universitätsprofessor für Wildbach- und Lawinenverbauung vorgezeichnet, den er über den „Umweg“ des Sektionsleiters der WLV in Oberösterreich 1972 erreichte. Ab diesem Zeitpunkt war Aulitzky – neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit – in zahllosen Funktionen und Aufgaben aktiv. Zu seinem Wirken zählen Lehr- und Vortragstätigkeiten in Japan, China, Italien, Griechenland, Polen und der Schweiz, die Leitung des Wissenschaftlich-technischen Beirates der Internationalen Forschungsgesellschaft INTERPRÄVENT, Konsulententätigkeiten für die UNESCO (Paris), das österreichische Parlament und den Europarat (Straßburg) sowie das Verfassen von zahlreichen Beiträgen und Monographien. Er war Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse und Ehrenmitglied der Ingenieurvereine der Wildbachverbauung in China und Österreich. Am 1. Oktober 1990 emeritierte Univ.-Prof. Aulitzky, nahm jedoch auch nach seinem Rückzug ins Privatleben rege am fachpolitischen Diskurs teil.

In seinem Sinn ist der Schutz vor Naturgefahren weiterzuentwickeln. Die nachhaltigsten Monumente für Aulitzky sind wahrscheinlich die „Stummen Zeugen“ vergangener Katastrophen, weil sie zeitlos sowohl an die Naturgefahren als auch an seine Visionen und Warnungen gemahnen.

MR DI Maria Patek MBA, Forsttechnischer Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung
Univ.-Prof. Dr. Johannes Hübl, Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Alpine Naturgefahren
Präsident HR DI Christof Seymann, Verein der Diplomingenieure der Wildbach- und Lawinenverbauung