Shutterstock_CZ_Wald_Schadholz.jpg

Archivbild Wald Borkenkäfer © shutterstock

Mitteleuropa

Erschreckendes Schadausmaß

Ein Artikel von Gerd Ebner | 03.06.2020 - 09:02

Knapp 500 Mio. fm Schadholz bis 2024

Schadholz_Gesamt_2015-2025.JPG

© Holzkurier

Die Holzkurier-Redaktion prognostiziert, basierend auf bisherigen Kalamitätsverläufen, veröffentlichten Prognosen und zahlreichen Expertengesprächen, dass der Schadholzpeak 2019-2021 erreicht ist. Selbst wenn man annimmt, dass die Kalamität langsam abklingt, so würden in den kommenden fünf Jahren weitere knapp 500 Mio. fm Schadholz anfallen. Das wären in zehn Jahren also knapp 750 Mio. fm.

Bis zu vier Generationen

Schadholz_Tschechien.JPG

© Holzkurier

In Tschechien hat sich das Klima am stärksten und am frühesten verändert. Seit Beginn der 1990er-Jahre halbierte sich der sommerliche Niederschlag in Mähren. Der Rekordsommer 2018 ermöglichte es dem Borkenkäfer, vier Generationen auszubilden. 2019 waren es zwei, auch 2020 sollten es nur zwei Generationen sein.

Die Fichte leidet unter der Trockenheit und der Sommerhitze am meisten. Im Vorjahr dürfte in Tschechien mit 31 Mio. fm mehr Schadholz angefallen sein, als geerntet wurde (30 Mio. fm). Die Holzkurier-Redaktion erwartet heuer einen weiteren Schadholzanstieg (42 Mio. fm). Der Think-Tank CzechForest geht für 2020 gar von 50 Mio. fm in Tschechien aus.

Der Schadholz-Peak dürfte dann nach übereinstimmender Einschätzung 2021 erreicht sein. Der Holzkurier befürchtet 56 Mio. fm, gar 80 bis 120 Mio. fm sagt Czech Forest voraus.

Vorratsabbau 16 % bei Fichte

Ab 2021 dürfte die Kalamität abklingen – auch weil die Fichte in den Tieflagen und in besonders trockenen Regionen vielfach ausgefallen ist. Seit 2018 gibt es bei der Fichte einen Vorratsabbau in Tschechien. Der Chef der tschechischen Staatsforsten, Josef Vojacek gibt diesen in Relation zur jüngsten Waldinventur bereits mit –16 % an (s. Beitrag "Lesy CR befürchtet 15 Mio. fm Ernte heuer").

Laut den vorliegenden Statistiken summierte sich der tschechische Schadholzanfall 2015-2019 auf 75 Mio. fm. Entsprechend der Holzkurier-Hochrechnung muss man in den Jahren 2020 bis 2024 mit weiteren 210 Mio. fm rechnen. Das wäre eine Halbierung des derzeitigen Fichtenvorrates von rund 400 Mio. fm.

Vieles nicht erntbar

Schadholzanfall_DE-AT-CZ.jpg

© Holzkurier

Die Erntekapazität hält mit diesen Kalamitätszahlen in keinster Weise Schritt. Das meiste Schadholz wird in den kommenden Jahren im Wald bleiben, außer die tschechische Regierung setzt wirklich auf so dramatische Maßnahmen, wie im Vorjahr bereits angekündigt: etwa den Einsatz des Militärs bei der Schadholzernte.

Der Holzkurier erwartet in den kommenden Jahren keinen wirklichen Ausbau der Erntemöglichkeiten (derzeit rund 30 Mio. fm/J). Dafür sind die mitteleuropäischen Forsttechnikunternehmen auch in Deutschland und Österreich zu sehr ausgelastet. Es wird also ein großer Teil des tschechischen Schadholzes nicht auf den Markt kommen, sondern im Wald verbleiben.

In Deutschland stocken laut Bundeswaldinventur (BWI 2012) rund 850 Mio. fm Fichte unter 600 hm, 376 Mio. fm darüber. Gerade in den Tieflagen hatte die Fichte seit 2015 flächig das Problem, vital zu bleiben. 

Es wird weniger

Schadholz_Deutschland.JPG

© Holzkurier

Die offiziellen Schadholzzahlen summieren sich in Deutschland von 2015 bis 2019 auf 135 Mio. fm. Für heuer erwartet das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 55 Mio. fm Schadholz. Nimmt man die Sturmschäden aus dem Winter 2019/20 hinzu, werden es 2020 wohl zumindest 60 bis 65 Mio. fm sein. Damit läge Deutschland aber unter dem Vorjahr (rund 70 Mio. fm Schadholz).

Eine erfreuliche Mitteilung lieferte erneut das Landwirtschaftsministerium: „Der zu erwartende Schadholzanteil beim Nadelholz ist 2020 demnach deutlich geringer als im Vorjahr (2019: 63,7 Mio. fm).“

Höhepunkt nun erreicht

Die Redaktion des Holzkurier geht daher trotz des hohen „eisernen Käferbestandes“ davon aus, dass 2019/20 der Höhepunkt der Kalamität erreicht wurde. Kommt nicht erneut ein „Jahrhundertsommer“, wie 2018, dürften die Schadholzmengen ab heuer rückläufig sein. 

Die Erntemengen könnten von derzeit 70 Mio. fm/J wieder auf ein Normalniveau sinken, das deutlich darunter liegt. Der Fünf-Jahre-Schnitt 2011-2015 lag bei 54 Mio. fm/J.

375 Mio. fm Schadholz in zehn Jahren

Trifft diese eher optimistische Vorhersage zu, so summiert sich die Schadholzmenge von 2020 bis 2024 trotzdem noch auf 240 Mio. fm. Binnen zehn Jahren sind es also 375 Mio. fm. Anders als in Tschechien blieb bisher in Deutschland wenig abgestorbenes Rundholz im Wald.

Als ein Ventil schafften es die deutschen Exporteure, Rundholz im Container nach China zu verschiffen. In Deutschland explodierten die Ausfuhren von 200.000 fm 2018 auf 3,8 Mio. fm 2019. In Relation war die Tschechische Republik mit 2,3 Mio. fm (+1255 %) noch erfolgreicher. Zusammen stellen diese beiden, 15.000 km entfernten Nationen 14 % des chinesischen Rundholzbedarfes. Österreich exportierte 2019 nur 3000 fm nach China (alle Daten China Customs Statistics).

Topografie nun von Vorteil

In Österreich stocken im Unterschied zu Tschechien und Deutschland die meisten Fichtenbestände über 600 hm (580 Mio. fm oder 84 %). In der Alpenrepublik Österreich konzentriert sich das Schadaufkommen durch Borkenkäfer daher speziell auf die tieferen Regionen Ober- und Niederösterreichs.

Weiter auf hohem Niveau

Zwischen 2015 und 2019 summierte sich der Schadholzberg auf 41 Mio. fm. 2019 waren es knapp 12 Mio. fm – und dieses Niveau könnte auch heuer erreicht werden. 2020 ist ein extremes Mastjahr, das die Bäume schwächt. Auf einen trockenen Winter folgte ein ebensolches Frühjahr – ehe erste nennenswerte Niederschläge in den Käferhochburgen einsetzten. Vergangene Kalamitäten zeigen, dass wohl auch noch 2021 ein hoher Käferbestand in den Wäldern sein wird.

Erst danach erwartet die Redaktion aufgrund der vorliegenden Informationen einen markanten Rückgang.

Treten diese Vorhersagen so ein, werden in der Fünf-Jahre-Periode 2020-2024 weitere 48 Mio. fm Schadholz in Österreich anfallen. Der Schadholzanteil würde von derzeit zwei Drittel der Erntemenge pro Jahr langsam wieder auf unter 50 % sinken.