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© Günther Jauk

Österreich

Industrieholz: regional variierende Abfuhr

Ein Artikel von Michael Fehrle | 21.05.2025 - 10:23

Stoffliche Verarbeiter in Niederösterreich konzentrieren sich auf die Übernahme der vertraglich vereinbarten Mengen. Nachdem die hohen Energie- beziehungsweise Industrieholzwaldlager von Forstbetrieben, Waldbesitzern und Holzhändlern in Niederösterreich bereits längere Zeit bekannt sind, wird Ähnliches nun auch aus Tirol berichtet. Dort haben Kraftwerke infolge niedriger Strompreise nach Ende der Heizperiode ebenfalls die Produktion gedrosselt oder abgestellt. Nach einer vorübergehenden Belebung der Industrieholznachfrage bei Tiroler Holzwerkstoff-Herstellern überwiegt dort nun wieder eine Einkaufszurückhaltung.

In Salzburg und Oberösterreich haben Industrieholzanbieter von einem steigenden Bedarf in der Holzwerkstoff-Industrie profitiert. Die höheren Einkaufsaktivitäten hatten sich bereits Ende des 3. Quartals abgezeichnet. Folglich sind in diesen Bundesländern die reinen Nadelindustrieholz-Partien und ebenfalls auch sortenreines Laubindustrieholz, hart, rasch abgeflossen. Die noch vorhandenen Waldlager umfassen vielfach gemischte Partien.

Im Süden Österreichs fließen die Nadelindustriemengen in die Werke oder Außenlager der Zellstoffindustrie planmäßig ab. Nach dem Ende der Straßensperren werden die dort zwischenzeitlich aufgelaufenen Mengen abgefrachtet. Preisverhandlungen standen im Mai nur an, wenn Vorverträge bis April gültig oder verlängert worden waren. In diesen Fällen wurden die bis dahin gültigen Preise bis zum Ende des 2. Quartals fortgeschrieben.

Insgesamt sind stoffliche Verarbeiter an Industrieholz aus dem Nahbereich interessiert. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auf den erschwerten Bahntransport bei Fernbezügen hingewiesen. Generell sind europaweit Waggons für Rundholz- und Hackschnitzeltransporte knapp verfügbar. Als besonders schwierig gelten Bahnlieferungen aus Deutschland. Viele Bahntrassen sind überbucht. Durch die sanierungsbedingten Streckensperrungen im deutschen Bahnnetz werden die Züge oft großräumig umgeleitet, was die Logistikkosten weiter erhöht. In den kommenden Monaten wird zumindest in zwei Plattenwerken im Westen Österreichs wieder mit einer rückläufigen Produktion und damit einem niedrigeren Holzbedarf gerechnet. Hinzu kommt die Substitution von Frisch- durch weiterhin günstiges Altholz. Bei den Zellstoffherstellern, für die der Kollektivvertrag der Papierindustrie gilt, besteht bei der Kapazitätsauslastung in den nächsten Wochen ein gewisses Risiko von Arbeitskampfmaßnahmen. Am 9. Mai ist die Streikfreigabe durch den Österreichischen Gewerkschaftsbund erfolgt. Ein Zellstoffwerk hält die Holzlager bis zum Revisionsbeginn im November möglichst klein, um während der Bauarbeiten weiter Holz annehmen zu können.

Bei den Buchenindustrieholz verarbeitenden Zellstoffwerken wird die Produktion trotz einer angespannten Lage auf den Absatzmärkten voraussichtlich weiter auf einem hohen Niveau laufen. Infolge der Lagerbestände sind aber keine Änderung der Nachfrage oder gar eine Erhöhung der Einkaufspreise im 3. Quartal zu erwarten.