20 Jahre BaySF

Klausner, Wald vor Wild, Windräder und Plößberg

Ein Artikel von Gerd Ebner | 09.07.2025 - 08:18

„2005 war die Zeit, als die Politik einen schlankeren Staat anstrebte. Die BaySF sollten dazu beitragen, indem sich der Staat auf das unbedingt Notwendige beschränkt“, erinnert sich Martin Neumeyer, damals Sprecher der Bayerischen Staatsregierung unter Ministerpräsident Edmund Stoiber. Als ein Vorbild galten die Österreichischen Bundesforste (ÖBf AG) – gewinnorientiert, aber auch umstritten. Entsprechend gab es schon vor der Gründung das bayerische Volksbegehren „Aus Liebe zum Wald“, das vor Ausverkauf, Zugangsbeschränkungen und ähnlichem warnte. Dieses scheiterte jedoch knapp an der erforderlichen 10 %-Hürde.

Wir tun alles dafür, dass die Fichte so lange wie möglich geordnet auf den Markt kommt.


Martin Neumeyer, BaySF-Vorstandsvorsitzender

Freidhager: Marktorientierung und Struktur

„Freidhager war der richtige Mann zur richtigen Zeit“, betont Neumeyer. Der Oberösterreicher brachte über zehn Jahre Erfahrung bei den ÖBf mit. Als Nichtbayer galt er als politisch unabhängig – ein Vorteil beim Start der BaySF.

Die wirtschaftlichen Voraussetzungen beim Unternehmensstart waren günstig. Der Holzeinschlag von 5,4 Mio. Efm/J traf auf immer höhere Einschnittskapazitäten, die Erntekosten lagen um fast 20 €/fm unter denen Österreichs, die Wirtschaft boomte – die BaySF und damit Freidhager hatten viele Trümpfe in der Hand.

Doch eine gut gemeinte Maßnahme erwies sich als kontraproduktiv: Ein langfristiger, preisgebundener Liefervertrag mit der Klausner-Gruppe belastete das Unternehmen schwer. Der politische Wille, zum Start einen Großabnehmer zu sichern, führte in Zeiten steigender Holzpreise zu geschätzten Mindererlösen von über 100 Mio. € zwischen 2005 und 2015.

Freidhager setzte früh auf „frei Werk“-Preise und ein eigenes Großkundenmanagement – Maßnahmen, die noch heute Bestand haben. Trotz der Finanzkrise 2008 und Schwierigkeiten bei Großkunden, wie Rettenmeier und Klausner, konnten sich die BaySF wirtschaftlich behaupten. Die Ära Freidhager in Zahlen: „Zwischen 2005 und 2015 wurden rund 600 Mio. € an den Freistaat abgeführt, ohne Bankverbindlichkeiten und einem EBIT von 48 Mio. € 2014.“

Neumeyers Amtszeit: Krisenmanagement und Klimawandel

Martin Neumeyer trat sein Amt 2015 unmittelbar nach einem schweren Sturmereignis an. Seither ist seine Amtszeit durch Schadholzereignisse und Klimawandelfolgen geprägt – insbesondere seit dem heißen Sommer 2017. Die Folge: ein massiver Preisverfall bis 2020. Heute erwirtschaftet die BaySF mit einem Einschlag von rund 5 Mio. Efm/J jährlich ein EBIT von etwa 40 Mio. €.

Der Fokus liegt inzwischen stärker auf Waldumbau und Vorratssicherung. 2024 (Geschäftsjahr) machten Schadholzmengen noch 60 % der Gesamtholzernte aus. Für 2025 (Geschäftsjahr) wird erwartet, dass dieser Anteil auf etwa 30 % sinkt. Langfristig bleibt Nadelholz weiter dominierend. „Ich gehe davon aus, dass wir auch künftig leistungsfähige Fichtenbestände ernten werden – vor allem in den Alpen, im Voralpenland und in den Mittelgebirgen“, erwartet sich Neumeyer. Die Mithilfe zum Erhalt des Standorts Plößberg/DE, in den die Rettenmeier-Gruppe investieren möchte, ist Teil dieser Strategie.

Auf dem Weg zum Flächenmanagement

Neben dem Kerngeschäft Walderhalt, Waldumbau und Holzverkauf gewinnen neue Geschäftsfelder an Bedeutung: Windkraft und naturschutzrechtlicher Ausgleich. Bis 2030 sollen rund 500 Windkraftanlagen auf BaySF-Flächen entstehen – im Schwerpunkt über Pachtmodelle, nicht in Eigeninvestition. Derzeit erzielt BaySF bereits nennenswerte Erlöse durch die Bereitstellung von Ausgleichsflächen. Neumeyer sagt: „Wir entwickeln uns allmählich zum Flächenbewirtschafter.“

Ein weiterer Schwerpunkt lag in den Vorjahren auf der Krisenprävention, insbesondere durch den Aufbau großer Nasslagerkapazitäten. Das gelang: Bis zu 1,5 Mio. fm können kurzfristig unter Wasser gelagert werden – werterhaltend und marktstabilisierend.

Wald vor Wild – ein erfolgreicher Spagat

Ein entscheidender Unterschied Bayerns zu Österreich bleibt das Prinzip „Wald vor Wild“. Beide Vorstandsvorsitzenden betonen dessen Bedeutung. Freidhager erinnert sich: „Ich habe versucht, dieses Prinzip auch bei den ÖBf umzusetzen.“ Rückblickend erklärt er: „Bei den BaySF haben wir bewiesen, dass ein wirtschaftlich genutzter Wald alle ökologische Ziele erfüllt.“ Der Wunsch des Volksbegehrens, 10 % der Fläche für Naturschutzzwecke zu sichern, wurde übererfüllt. Neumeyer ergänzt: „Heute stehen Forderungen nach großflächigen Flächenstilllegungen nicht mehr im Fokus. Unsere Aufgabe ist es, für die Dekarbonisierung den nachhaltigen Rohstoff Holz als Beitrag zum Klimaschutz bereitzustellen.“